Schwimm-Tempel ab 2022

"Armutszeugnis": Finale Pläne für Familienbad in Bornheim sorgen für Ärger

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Willkommen im Familienbad Bornheim in Frankfurt: An der Ecke zur Eissporthalle hin wird sich der Haupteingang befinden.

Die finalen Pläne fürs Familienbad Bornheim in Frankfurt sorgen für Ärger. Zu klein, zu teuer und an der falschen Stelle gebaut, kritisieren Bürger.

Frankfurt - "Freibad-Feeling" soll es im Bornheimer Familienbad geben, verspricht Frank Junker. Doch der Geschäftsführer der ABG Holding, die den neuen Schwimm-Tempel neben der Eissporthalle für die Bäderbetriebe bauen soll, räumt ein: Nicht nur wird es keine Außenanlage mehr geben wie noch im Panoramabad, das ersetzt wird. Auch ein Cabrio-Dach wird fehlen. Entstehen soll das Freibad-Feeling dadurch, dass die rund 60 Meter lange Fensterfront zum Bornheimer Hang hin geöffnet werden kann.

Diese finale Planung haben Bäderbetriebe und die Bäderbau-GmbH der ABG jetzt im Ortsbeirat 4 (Bornheim, Ostend) erstmals in der Öffentlichkeit vorgestellt. Einige Dutzend Bürger hatte das angelockt - lobende Worte aber blieben weitgehend aus.

Frankfurt: Familienbad Bornheim in der Kritik bei Bürgern

Im Gegenteil: Schon während Frank Junker die finalen Pläne vorstellt, fallen ihm Zuschauer immer wieder laut murrend und sogar pöbelnd ins Wort. Ortsvorsteher Hermann Steib (Grüne) muss mehrfach laut zur Ordnung rufen. "Ein Armutszeugnis", schimpft eine Seniorin, sei es, dass "Bornheim und das Nordend so ein Pups-Schwimmbad" bekommen sollten. "Ich kann mir nicht vorstellen, wie das 'was Ordentliches werden soll."

Allerdings: Zuvor hatte Bäderbetriebe-Chef Frank Müller bereits klargemacht, dass das neue Bad "sehr viel mehr Fläche" bieten werde, die auch ganzjährig nutzbar sei. Möglich wird das trotz gleicher Grundstücksgröße wie beim Panoramabad, da das Familienbad mehrstöckig entsteht: Haupteingang und Technik im Erdgeschoss, Schwimmhalle und Umkleiden im zweiten Stock, Sauna und Wellness oberhalb der Umkleiden im dritten - mit zwei großen Terrassen und 150 statt bisher nur 87 Spinden.

Mit fünf Becken und viel größeren Erlebnisflächen für Kinder und Jugendliche werde das Bad erheblich attraktiver für Familien, betont Müller. Da diese und das Sportbad mit 25-Meter-Becken separat genutzt werden könnte, könne auch die bisher eintägige Sperrung des Bades für Normalbesucher entfallen, wenn Vereine Vorrang haben.

Frankfurt: Kritik von Bürgern - Familienbad Bornheim an der falschen Stelle?

Das alles zählt bei den Bürgern in der Sitzung nicht. Dass der Neubau günstiger gebaut werden könne, merkt ein Besucher an. Dass an der falschen Stelle gebaut werde, kritisiert eine Badnutzerin. Die Standort-Entscheidung sei demokratisch gefallen, erinnert Frank Junker. Und das Bad sei direkt neben der U-Bahn-Station erheblich besser erreichbar, betont Frank Müller. "Wir entlasten auch das Wohngebiet."

Doch auch die neuen Nachbarn stemmen sich gegen das Bad: Mehrfach meldet sich Oliver Lang, Chef des Kleingartenvereins Buchhang, zu Wort. Ihm missfällt, dass die Kleingärtner nicht das Brauchwasser des Bades nutzen können, dass Ersatz-Bäume nicht in ihren Gärten statt neben der Zufahrtsstraße gepflanzt werden, dass vom Bad "Lärm und Abgase den Hang hinauf wabern" und in der Bauphase Lärm und Abgase der Laster in die Kleingärten zögen. 

Frankfurt: Familienbad Bornheim in der Kritik

"Wir sind hier der Platzhirsch", sagt Lang. "Welche Kompromisse müssen wir noch eingehen?" Das Brauchwasser werde die Eissporthalle nutzen, erläutert Frank Junker, deren Abwärme dafür das Bad. Und er betont: "Eine Baustelle ohne Staub und Lärm gibt es nirgends auf der Welt."

Sauer über den Wegfall des Cabrio-Dachs ist SPD-Fraktionschef Darius Shafiei. Dieses sei der Kompromiss, wenn es kein Außengelände gebe. "Mir kann niemand erklären, wie Freibad-Feeling entstehen soll, wenn Badegäste nur durch offene Fenster auf Bäume blickten."

Frankfurt: Alle Wünsche für Familienbad Bornheim aufnehmen

Junker hält dagegen: Das Cabrio-Dach koste eine Million mehr, die nun vorgesehen Photovoltaikanlage spare jedes Jahr 59.000 Tonnen CO2 ein. Halb so groß könne sie ja entstehen, entgegnet Shafiei. Und die Mehrkosten seien "Peanuts".

Dass die Planung erneut geändert wird, ist unwahrscheinlich. Die Bäderbau-GmbH will in Kürze schon den Bauantrag stellen, kündigt Frank Junker an. Wohl noch rund drei Jahre dürfte es daher von jetzt an dauern, bis die ersten Badegäste im 40 Millionen Euro teuren Neubau schwimmen können.

In der Debatte gelingt es dem Vizechef der Bäderbetriebe, Boris Zielinski, zunächst nur mit Mühe sich zurückzuhalten. Dann aber bricht es aus dem früheren, langjährigen Leiter der TG Bornheim, die das Panoramabad stark nutzt, heraus: "Ich kann die Kritik nicht nachvollziehen", sagt Zielinski. Die Bäderbetriebe versuchten, allen Wünschen nachzukommen. "Wir werden ein Schwimmbad bekommen, das seinesgleichen sucht."

Von Dennis Pfeiffer-Goldmann

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