Hunderttausend Besucher

So schön und bunt war das 36. Schweizer Straßenfest - auch ohne Binding

Die Spanierinnen Ines, Pilar, Bea und Claudia haben bei ihrem ersten Schweizer Straßenfest sichtlich viel Spaß. Foto: Faust

Neuer Biersponsor, neuer Musikplaner, kein Stand vom Vereinsring und Hunderttausende, die sich durch die Schweizer Straße naschen und trinken. Sommerlaune pur beim 36. Schweizer Straßenfest.

Frankfurt - Zwischen Caipi, Äppler, Schaschlik und Waffeln ist es eng. Der Duft von Gegrilltem mischt sich mit Parfums und Schweiß. Es wird gelacht, gebabbelt, getanzt und angestoßen. Mittendrin ein Mann in weißem Hemd, der ein bisschen nervös ist, aber strahlt. Wolfgang Koehler (32) ist Bierbrauer in der bereits sechsten Generation und Geschäftsführer von Bräustüb'l, dem neuen Biersponsor des Festes. "Und, läuft's?", fragt er an jedem Stand persönlich. "Läuft", ist dort die einhellige Meinung.

"Zuerst waren wir schon skeptisch", erzählt der Darmstädter. "Es war ein Zufall, dass wir den Musiker und TV-Moderator Markus Philipp in Darmstadt getroffen haben. Die Chemie stimmte und so ging es los. Er fragte uns, ob wir nicht mit unserem Bier hier einsteigen wollten." Philipp (47) hatte einige Jahre an der Bühne vor der Volksbank moderiert. Seit diesem Jahr ist er auch für das komplette Musikprogramm auf der Hauptbühne und der Volksbankbühne verantwortlich. Gastone & Famiglia aus Frankfurt heizen dort mit dem Song "Bella Ciao" ein. Vor der Bühne, im Rosenbeet und drum herum stimmen Tausende fröhlich mit ein.

Beim Schweizer Straßenfest stand "The Voice of Germany-Sternchen" auf der Bühne

Die Frankfurterin Kaye Ree, die 2018 bei The Voice of Germany mitgemacht hat, lässt die Besucher bei Funk und Soul tanzen. The Silverballs aus Dreieich rocken auf der Schweizer Straße. "So leise wie heute haben wir noch nie gespielt. Wir dürfen nur 70 Dezibel", so Gitarrist Michael Bock. Das stört die Besucher nicht. Die ganze Straße tanzt Rock'n'Roll. Vor der DJ-Bühne hopsen und zappeln junge Besucher bei DJ Star Gate. Alice (32) und Daniela (32) schauen zu, prosten sich zu. "Ich habe gar nicht gemerkt, dass die Brauerei gewechselt hat", sagt Daniela erstaunt. "Aber es schmeckt."

Blauer Bock schenkt aus, Binding nicht

Sachsenhäuser drängen sich vor den Ständen. Erik Lauer und Mike Ballenberger sind seit 2002 und 1998 beim Schweizer Straßenfest dabei. "Sachsenhausen ist wie ein kleines Dorf. Die Leute kommen immer wieder. Auch die, die weggezogen sind. Zum Fest sind sie alle hier", so Lauer. "Seit drei Jahren hat sich der Geist der Aktionsgemeinschaft Schweizer Straße geändert und es wurden neue Partner gesucht. Die Zeit mit Radeberger war gut und eine schöne Tradition. Jetzt haben wir mit dem kleinen Bräustüb'l immer dieselben Ansprechpartner. Es ist familiär", so Ballenberger. In Seitenstraßen stehen Liegestühle zum Chillen vom Blauen Bock. Hier fließt Ebbelwei zwischen feinen Klamotten und künstlerischen Stein- und Holzarbeiten. Auf der Kinderstraße gibt es ein kleines Riesenrad, eine Wurfbude mit Kuscheltieren und eine Fußballwand. Die Eltern sind genauso begeistert wie die Kleinen. Frische Kartoffelchips, Burger, Eiscrème und Waffeln gehen weg, als gäbe es kein Morgen.

Wolfgang Koehler von der neuen Brauerei Braustüb'l befragt die Gastronomen, ob alles in Ordnung ist.

Zum ersten Mal erleben Ines (32), Pilar (25), Bea (26) und Claudia (26) aus Spanien das Schweizer Straßenfest. Sie trinken Bitburger aus der Dose und machen riesige Seifenblasen an der Hauptbühne. "Es ist toll hier", schwärmt Ines. "So viele nette Leute hier und eine tolle Stimmung". Die Frauen wohnen seit einem halben Jahr in Frankfurt und freuen sich, auf dem Fest Sachenhäuser und Menschen aus aller Welt kennenzulernen. Das gelingt sehr gut bei Seifenblasen und Tanzen. Jeder will mitmachen und es werden neue Freundschaften geschlossen.

Keine Stände vom Vereinsring: Solidarität mit Binding

Dass der Vereinsring seine beiden Stände in diesem Jahr nicht betreibt, um Flagge für Binding zu zeigen, sei schade. Tatjana Braun-Siebert von der Aktionsgemeinschaft Schweizer Straße sagt, "wir hätten sie gern dabei gehabt, konnten sie aber nicht überzeugen. In diesem Jahr ist so viel los auf dem Fest, dass wir es selbst kaum glauben können. Wenn schon nachmittags vor der kleinen Bühne kein Durchkommen mehr ist, zeigt es, dass ein bisschen frischer Wind beim Publikum richtig gut ankommt."

Von Sabine Schramek   

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