Verkehr in Frankfurt

Mainkai-Sperrung: Sachsenhausen gibt sich nicht geschlagen

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Wenn beide Mainufer gesperrt sind, schieben sich die Staus durch Sachsenhausen. Mittendrin: Lkw und Lieferverkehr.

Der Widerstand gegen die Mainkai-Sperrung lässt nicht nach. Angeführt wird er von der Bürgerinitiative "Sachsenhausen wehrt sich". Indes melden Unternehmen Einbußen wegen der vielen Staus.

Sachsenhausen – Die Gründungsversammlung hat noch gar nicht stattgefunden, trotzdem verzeichnet die Bürgerinitiative "Sachsenhausen wehrt sich" schon mehr als 600 Mitglieder. Jetzt tritt sogar die CDU Sachsenhausen der Initiative bei.

"Wir wollen das Anliegen der Bürger unterstützen, deshalb gehen wir den für eine Partei außergewöhnlichen Schritt und treten als Stadtbezirksverband der Initiative bei", erklärt Jochem Heumann, Kreisverbandsvorsitzender der CDU im Frankfurter Süden.

Denn die Protestbewegung, so Heumann, gehe durch die gesamte Breite der Sachsenhäuser Gesellschaft. Die Empörung der Sachsenhäuser richtet sich gegen Abgase und Lärm durch den zusätzlichen Auto- und Schwerverkehr und gegen die täglichen Staus auf der Südseite des Mains. Anwohner berichten von blockierten Kreuzungen im Berufsverkehr. "Der Verkehr muss wieder auf den nördlichen Mainkai gelegt werden, wo er hingehört", so Heumann, "dafür muss der Druck auf die Verantwortlichen jetzt aufrechterhalten werden."

Mainkai-Sperrung verdoppelt teils die Fahrtzeiten in Frankfurt

Der Stau nervt nicht nur die Sachsenhäuser, sondern er behindert offenbar auch die Unternehmen: So bestätigt das Beton-Transportunternehmen Waibel an seinem Frankfurter Standort im Osthafen "massive Probleme": "Diese Sperrung ist für uns eine Katastrophe", sagt Geschäftsführer Ralph Drumm. "Wegen der Staus und der längeren Fahrten auf Umwegen können wir unsere Baustelle im Bankenviertel nicht mehr zuverlässig beliefern. Gerade beim Beton ist das hochproblematisch. Denn er muss zeitnah geliefert werden, sonst können Schäden am Bau entstehen."

Zeitweise könne nur noch die Hälfte der sonst üblichen Fahrten durchgeführt werden. "Die Fahrtzeiten haben sich verdoppelt", so Drumm. Samstags, wenn wegen des Flohmarkts beide Ufer gesperrt sind, sei es noch schlimmer, denn die Lkw müssten ihre Fracht mitten durch Sachsenhausen via Schweizer Straße zur Untermainbrücke lenken. Vor der Sperrung war der Weg kurz: Vom Osthafen ging es auf dem Mainkai in die Innenstadt.

Dass der Wirtschaftsverkehr durch die Sperrung des Nordufers beeinträchtigt wird, ist eines der Hauptargumente für Jochem Heumann, dass der Versuch "augenblicklich abgebrochen werden muss". Schon gar nicht dürfe sich die "Vision des Oberbürgermeisters" erfüllen, dass die Sperrung dauerhaft bestehen bleibt.

"Ich hoffe auf die Vernunft und die Einsicht des Magistrats, dass der Versuch, den Mainkai zu sperren, gescheitert ist," sagt Heumann. "Ich bin mir sicher, dass niemand einen Gesichtsverlust erleiden würde, sondern dass die Verantwortlichen im Magistrat als Menschen mit Einsicht wahrgenommen würden, wenn sie die Sperrung aufheben."

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Kritische Frankfurter: Argumente für Mainkai-Sperrung sind nicht stichhaltig

Denn die Argumente für die Sperrung seien weiterhin nicht stichhaltig. "Besonders geärgert hat mich das Argument des Verkehrsdezernenten Klaus Oesterling, 250 Radfahrer pro Stunde seien in der leeren Straße gezählt worden. Die Zahl ist ein Hohn gemessen an den 20 000 Autofahrern, die jetzt Umwege fahren müssen, und gemessen an den vielen Sachsenhäuser Bürgern, die unter Lärm und Abgasen leiden."

Dass früher der befahrene Mainkai gar eine Barriere für Fußgänger auf dem Weg zum Eisernen Steg gewesen sei, könne auch nicht belegt werden, "denn auch jetzt sind keine Touristenmassen auf dem Abschnitt unterwegs", schüttelt Heumann den Kopf.

Der Ortsbeirat 5 feilt derweil an Anträgen zum Thema. "Wir hoffen, dass wir einen fraktionsübergreifenden Konsens erreichen", sagt der Fraktionschef der CDU, Martin-Benedikt Schäfer.

Die CDU Sachsenhausen lädt Bürger am Sonntag, 20. Oktober, um 11 Uhr in den Saalbau Südbahnhof am Diesterwegplatz ein. Zu Gast ist Herbert Schmoll, Gründer der BI "Sachsenhausen wehrt sich".

Von Stefanie Wehr

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