Polizei durchsuchte Krankenhaus und beschlagnahmte Beweismittel

Schwalm-Eder: Gab es auch im Fritzlarer Hospital eine falsche Ärztin? 

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Das Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar.

Nachdem im Melsunger Krankenhaus ein Hochstapler aufgeflogen ist, ermittelt die Staatsanwaltschaft nun gegen eine ehemalige Assistenzärztin des Fritzlarer Hospitals. 

Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt gegen eine ehemalige Assistenzärztin des Hospitals zum Heiligen Geist in Fritzlar. Die 48-Jährige hat von 2015 bis 2018 in dem Krankenhaus gearbeitet. Und das, ohne überhaupt Medizinerin zu sein. Die Frau wird verdächtigt, sich nur als Ärztin ausgegeben zu haben und nicht über eine Approbation zu verfügen.

Bereits am 24. Januar haben Staatsanwaltschaft und Polizei das Krankenhaus in Fritzlar durchsucht und Beweismittel beschlagnahmt. Die Beweismittel sollen im Laufe der Ermittlungen ausgewertet werden, teilt die Staatsanwaltschaft Kassel auf Anfrage unserer Zeitung mit.

„Die Geschäftsführung hat selbstverständlich sofort die volle Unterstützung und Zusammenarbeit an den Ermittlungen zugesagt“, schreibt Dr. Sven Ricks, Kaufmännischer Geschäftsführer des Hospitals, in einer schriftlichen Erklärung.

Das Hospital habe alle angeforderten Unterlagen übergeben und Auskünfte zur ehemaligen Mitarbeiterin erteilt. Die 48-Jährige soll zwei Jahre lang als Ärztin am Hospital gearbeitet haben: „Danach hat sie auf ihren eigenen Wunsch bis zu ihrem Ausscheiden noch ein Dreivierteljahr im Verwaltungsbereich gearbeitet und uns im Sommer 2018 verlassen“, heißt es in dem Schreiben des Hospitals weiter.

Nähere Auskünfte wollte das Krankenhaus mit Blick auf das laufende Verfahren nicht machen. Auch die Staatsanwaltschaft hielt sich bedeckt. Sie verweist auf „ermittlungstaktische Gründe“.

Patienten, die während der Jahre 2015 bis 2017 im Hospital behandelt worden sind, müssen sich keine Sorgen machen. „Gegenwärtig gibt es keine Hinweise, dass Patienten zu Schaden gekommen sind“, schreibt die Staatsanwaltschaft.

Hochstapler arbeitete in Melsunger Klinik

Der Fall in Fritzlar offenbart Parallelen zum Fall des Hochstaplers am Melsunger Krankenhaus. Dort hatte sich 2018 ein damals 37-Jähriger erfolgreich als Arzt beworben. Während mehrerer Wochen übernahm der Mann Wochenend- und Nachtdienste. Einer aufmerksamen Krankenschwester war es zu verdanken, dass der Mann aufflog. Es stellte sich heraus, dass der Mann wohl in betrügerischer Absicht auch in anderen Krankenhäusern gearbeitet oder sich zumindest dort beworben hatte.

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