NABU spricht von „ökologischer Katastrophe“ für die Eder

Edersee ist so leer wie seit 15 Jahren nicht mehr

+
Blick auf den Edersee und die aus dem See aufgetauchten Hopfenberge.

Der Edersee in Nordhessen ist so leer wie seit vielen Jahren nicht mehr. Er wird in den nächsten Tagen voraussichtlich nur noch zu zehn Prozent gefüllt sein.

Diese Marke sei zuletzt im Jahr 2003 erreicht worden, sagte Timo Freitag vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Hann. Münden (WSA) am Montag. Dann wird die Wasserabgabe des Stausees noch einmal verringert. Es werde nur soviel Wasser abgelassen, wie hinein fließe. 

Der Edersee hilft normalerweise, die Oberweser für Schiffe befahrbar zu halten. Doch mangels Wasser sei die Schifffahrt dort so gut wie nicht mehr möglich. "Nun werden auch die letzten, die noch Freizeitschifffahrt betrieben haben, Probleme bekommen", erklärte Freitag. 

Obwohl die Untergrenze von 20 Millionen Kubikmetern Talsperreninhalt noch nicht erreicht ist, hat das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in Hann. Münden bereits die Minimalabgabe aus dem Edersee um die Hälfte reduziert von 6 auf 3 Kubikmeter pro Sekunde. In weiteren, kleinen Schritten soll der Ablauf bis auf 1 Kubikmeter pro Sekunde absinken, so dass sich Abfluss und Zulauf in etwa die Waage halten. 

Die Fische in der Eder sollen durch das allmähliche Absenken die Chance erhalten, ihre letzten Zufluchtsräume aufzusuchen. Nach Angaben des Naturschutzbundes (NABU) wirken sich Trockenheit und Bewirtschaftung 2018 dennoch auf den Fluss aus wie eine Öko-Katastrophe.

Die Wasserabgabe aus dem nordhessischen Stausee ist ein Politikum, weil der See auch für den Tourismus vor Ort wichtig ist. Ohne ausreichend Wasser, kommen weniger Gäste in die Ferienregion. (lhe/r/su)

Lesen Sie auch: Spektakuläres Drohnenvideo zeigt leeren Stausee - und der enthüllt Geheimnisvolles

Edersee-Atlantis bröckelt

Scharen von Schaulustigen tummeln sich nach wie vor am Edersee, um die Überbleibsel der untergegangenen Dörfer zu bestaunen. Das Waldecker Atlantis zerfällt aber mehr und mehr.

Das Modell der Sperrmauer unterhalb der Bericher Hütte ist kürzlich durch den sinkenden Wasserstand wieder aus dem Edersee aufgetaucht.

Kommentare