Unterwasserschätze von Tauchern

Edersee-Atlantis: Mysteriöse Statue und weitere Objekte aufgetaucht

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Gab zunächst Rätsel auf: Da der Wasserstand des Edersees so niedrig ist wie seit 15 Jahren nicht, ist jetzt eine Statue aufgetaucht, die den Besuchern am See zunächst Rätsel aufgab.

Der Edersee ist so leer wie seit Jahren nicht und gibt derzeit immer mehr versunkene Geheimnisse preis: Jetzt ist eine mysteriöse Statue aufgetaucht, die zunächst Rätsel aufgab. 

Neben der Statue sind im Bereich der versunkenen Bericher Brücke noch weitere Objekte aus dem Edersee aufgetaucht, der derzeit so leer ist wie seit 15 Jahren nicht mehr

Trister Blick von oben: Der Edersee führt derzeit kaum noch Wasser, wie diese Fotografie von oben zeigt die Doris Büschel gemacht hat.

Weil im Edersee so wenig Wasser ist wie lange nicht, sind seit Kurzem Millionen Jahre alte Gesteinsformationen zu sehen. Zuletzt Sichtbar waren diese im Jahr 2003. Ebenfalls solange versunken geblieben sind die Ruinen von Gut Vornhagen sowie die Werbebrücke, die seit einigen Tagen wieder bestaunt werden können.

Doch was hat es mit der jetzt aufgetauchten Statue im Bereich der alten Bericher Brücke auf sich? Die Antwort ist bei Edersee-Tauchern zu finden, denn die "mysteriösen Objekte" wurden von den Tauchern als Orientierungspunkte unter Wasser aufgestellt. "In den vergangenen 20 bis 30 Jahren sind dort zahlreiche Objekte versenkt worden", sagt Horst Schmalz. Der 65-Jährige aus Waldeck-Höringhausen ist passionierter Taucher, anerkannter Tauchlehrer und erkundet seit 1986 die Unterwasserwelt am Edersee. "

Tauchen am Edersee ist ein Erlebnis

Ebenfalls aufgetaucht: eine von den Tauchern aufgestellte Litfaßsäule.

"Neben den Skulpturen und allerlei anderen Objekten finden sich in der Taucherzone 1 auch alte Autowracks - die müssten aus den 1960er-Jahren stammen", sagt Schmalz. Die Statuen und Wracks machen das Tauchen im See einfach spannender, erzählt Schmalz, der immer wieder Taucher zu den diversen Objekten führt: "Danach sind alle immer ganz aufgeregt." 

An sich sei das Tauchen im Edersee einfach ein echtes Erlebnis. "Zumindest wenn die Bedingungen stimmen und das Wasser tief genug ist", sagt Schmalz. Dies sei meistens im Juni und Juli der Fall. Derzeit ist das Tauchen wegen des niedrigen Wasserstandes nicht möglich - aber dafür können jetzt alle die sonst verborgenen Unterwasserschätze der Taucher erkunden.

Lange wird es nicht mehr dauern und dann wird auch die Bericher Brücke wieder zum Vorschein kommen.  Auf einer Orientierungs-Karte für Taucher sind übrigens die versenkten Objekte eingetragen:

Orientierungshilfe: Die Objekte wurden als Orientierungshilfe und Attraktion für die Taucher im Bereich der Bericher Brücke versenkt. Die Karte zeigt, wo welches Objekt zu finden ist.

Die von den Tauchern aufgestellten Objekte dienen dabei nicht nur der Orientierung, sie sollen das Tauchen im Bereich der Bericher Brücke auch attraktiver machen. Hübsch anzusehen ist zum Beispiel die Statue unter Wasser, wie die Aufnahme von Taucher Ebbo Homberg zeigt.

Mystisch: Das Bild zeigt die Statue, wie die Taucher sie unter Wasser entdecken können. Aufgenommen wurde das Bild im März 2016, zu diesem Zeitpunkt hatte die Statue noch beide Arme.

Der leere Edersee: Mai und Oktober 2018 im Vergleich

Das Edersee-Atlantis zerfällt

Die Taucher hoffen das die Touristen nichts an den Objekten verändern, da sonst bei wieder steigendem Wasserstand im Edersee die Orientierungshilfen unter Wasser fehlen. Probleme mit Beschädigungen gab es bereits schon bei anderen aufgetauchten Objekten und Überbleibseln der versunkenen Dörfer, wie etwa an dem über 100 Jahre alten Sperrmauer-Modell unterhalb der Bericher Hütte. Das Problem: Besucher des Edersee-Atlantis klettern auch belieben auf den Überresten herum. Zu sehen ist das unter anderem auch bei jedem Auftauchen der Ruinen im Bereich der Bericher Hütte. Sie bröckelt in rasendem Tempo und wird in einigen Jahren verschwunden sein, wenn niemand etwas gegen den Zerfall unternimmt. 

Das alte Berich liegt bei Vollstau etwa 13 Meter unter dem Wasserspiegel

So sah sie aus: die Bericher Brücke vor dem Bau der Staumauer.

Noch in den Jahren 1898 bis 1899 wurde bei Berich eine massive Steinbrücke über die Eder erbaut, die heute Ziel von Tauchern ist. Denn schon wenige Jahre nach dem Brückenbau begannen die Planungen zum Bau der Edertalsperre. Der Fotografenmeister Moritz Böttcher dessen spätere Frau Emma Höhle im alten Berich lebte, war bereits vor dem Bau der Talsperre in der Region unterwegs und hat zahlreiche Bilder der heute versunkenen Orte gemacht.

Berich war ein kleines Dorf etwa zwei Kilometer südwestlich des Schlosses Waldeck auf einer schmalen Anhöhe über der Eder. Das Dorf entstand auf dem Gelände des ehemaligen Nonnenklosters Berich, das 1566 nach der Einführung der Reformation in Waldeck aufgelöst wurde. Mit den Plänen für die Talsperre war schnell klar, dass das Dorf aufgegeben werden musste, da es im Stausee untergehen würde: die Dorfstelle, 232 Meter über Normalnull, liegt heute etwa 13 Meter unterhalb des Vollstau-Wasserspiegels. 

26 Familien mit insgesamt 134 Einwohnern mussten 1914 ihr altes Heim verlassen. Acht Familien aus Berich und neun Familien aus dem nahen und ebenfalls im Edersee untergegangenem Bringhausen wurden in Neu-Berich auf der ehemaligen fürstlichen Domäne Büllingshausen bei Arolsen neu angesiedelt. 

Moritz Böttcher gründete Waldecks ersten Postkartenverlag 

Den ersten Waldecker Postkartenverlag gründete Moritz Böttcher, ein gebürtiger Wildunger, der später in Waldeck lebte, im Jahr 1909. Unzählige Fotos und Postkarten sind aus seinem Archiv erhalten. Sie werden, als Teil von Edersee Lichtblicke, bei Facebook veröffentlicht. Moritz Böttcher war nicht nur ein  passionierter Fotograf, sondern auch Stadtverordneter, Mitbegründer des Kur- und Verkehrsvereins – und somit einer der Motoren des Tourismus am Edersee.

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