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Dieseldiebstahl wegen hoher Spritpreise? Mehr als eintausend Liter aus geparkten Lastwagen abgezapft 

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Von: Anna Lehmer

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Ein Zapfhahn steckt im geöffneten Tank eines Autos.
Die Spritpreise in Deutschland steigen nahezu unaufhörlich. Jetzt haben sie sogar die zwei-Euro-Marke geknackt. © Jens Büttner/picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Angesichts des Ukraine-Krieges steigen die Preise für Diesel und Benzin. Diebe haben es deshalb vermehrt auf die Tankladung von Brummis abgesehen.

Biebesheim am Rhein - Tankdeckel auf, Schlauch rein und schon ist ein Lastwagen leer gepumpt. Immer öfter bedienen sich Diebe bei der Tankfüllung von großen Brummis, denn Diesel und Benzin sind so teuer wie nie zuvor. Der Ukraine-Krieg* hat enorme Auswirkungen auf den weltweiten Rohstoffmarkt, die Preise schnellen dementsprechend in die Höhe. Für die bestohlenen Eigentümer bedeutet das oft viel Ärger, Arbeit und hohe Schäden. In Biebesheim am Rhein wurde gleich fünf Lkws der Tank geleert.

Ukraine-Krieg: Spritpreise auf hohem Niveau - Tanken wird zum Luxus

Die Spritpreise befinden sich derzeit auf einem Rekordhoch. Im Vergleich zu den Vorkriegswerten hat Diesel knapp 51 Cent zugelegt, E10 fast 34 Cent. Mittlerweile stagnieren die Preise auf einem hohem Niveau. Der ADAC teilte am Dienstag (22. März 2022) den bundesweiten Tagesdurchschnitt des Montags mit. Dieser liegt demnach für Superbenzin der Sorte E10 bei 2,087 Euro pro Liter. Diesel wurde mit stolzen 1,169 Euro je Liter angegeben. Tanken wird damit zum absoluten Luxus. Ein sogenanntes Mobilitätsgeld soll deshalb als Ausgleich für die steigenden Energiepreise* dienen. Unbekannte in Biebesheim haben sich ihre eigene Möglichkeit zum Geld sparen geschaffen: Sie zapften kurzerhand eine andere Ölquelle an.

Dieseldiebstahl wegen Spritpreise: Unbekannte zapfen Brummis an

Wie das Polizeipräsidium Südhessen am Dienstag (22. März 2022) bekannt gab, hätten bislang unbekannte Täter aus geparkten Lastwagen in Biebesheim mehr als eintausend Liter Diesel abgezapft. Zuvor wurden die Tankabdeckungen gewaltsam geöffnet, um an das Objekt der Begierde zu gelangen. Von den Tätern fehlte nach der Tat vom vergangenen Wochenende zunächst jede Spur.

Seit Ukriane-Krieg: Spritdiebstähle nehmen zu - Nicht alle Fälle werden zur Anzeige gebracht

Der Vorfall in Biebesheim ist keine Seltenheit. Nach Angaben des Bundesverbandes Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) ist die Zahl der Dieseldiebstähle wegen der aktuellen Spritpreise gestiegen. „Es ist davon auszugehen, dass sich die Spritdiebstähle vermehrt haben“, sagte ein Sprecher des BGL auf dpa-Anfrage. „Wir bekommen jedoch nicht jeden Fall mitgeteilt, da diese nur selten zur Anzeige gebracht werden“. Demzufolge sei die Aufklärungsquote sehr gering und keine Versicherung würde für den gestohlenen Treibstoff zahlen, so der BGL.

Dieseldiebstähle verursachen jährlich Schäden im siebenstelligen Bereich

Durch Dieseldiebstahl aus stehenden Lkws entstünden bundesweit jährlich Schäden im siebenstelligen Bereich, hinzu kämen die Kosten für die aufgebrochenen Tanks. Zudem verursachten solche Diebstähle Werkstattkosten, beklagt der BGL. Für die betroffenen Unternehmen bedeute das auch einen Umsatzverlust, denn die beschädigten Fahrzeuge fielen einige Zeit aus - als Ersatz müssten dann weitere Fahrzeuge angemietet werden, was wiederum Kosten verursacht. Nur wenige Täter können auf frischer Tat ertappt werden. Es müsse deshalb eine „bessere personelle Ausstattung der Kontrollorgane“ geben, fordert der BGL: „Polizeipräsenz verhindert Straftaten“, das gelte auch auf Autobahnraststätten.

Nicht nur die Preise für Benzin und Diesel explodieren aktuell, auch Sonnenblumenöl wird immer teurer. Der Krieg in der Ukraine verknappt Speiseöle weltweit, denn die Ukraine mit 51 und Russland mit 27 Prozent sind die weltweit wichtigsten Exportländer für Sonnenblumenöl. Pommes und Chips könnten demnach bald knapp werden*. (ale) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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