Ansteckende Mutante

Wie wirksam sind die Corona-Impfstoffe gegen die Delta-Variante?

Die Delta-Variante breitet sich auch in Deutschland rasch aus. Über die Wirksamkeit der gängigen Impfstoffe gibt es nun erste Erkenntnisse.

Wiesbaden – Die Delta-Variante des Coronavirus hält Einzug in viele Länder, inklusive Deutschland. Sogar in Hessen wurden bereits erste Fälle der gefährlichen Coronavirus-Mutante nachgewiesen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufte die Variante als „besorgniserregend ein“, da sie Studien zufolge wesentlich ansteckender ist als das ursprünglich festgestellte Coronavirus* oder andere Varianten. Da die Impfquote in Deutschland weiter steigt, stellt sich die Frage, wie gut die Impfstoffe gegen die Delta-Variante schützen.

Erste Anhaltspunkte zeigt eine britische Studie, die in der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht wurde. Die Studie untersucht die Zahl der Antikörper nach zwei Impfdosen mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer. Das Ergebnis: bei einer Ansteckung mit der Delta-Variante ist die Zahl der Antikörper sechsmal niedriger als bei der ursprünglichen Form des Coronavirus. Trotzdem bleibt zu beachten, dass die Anzahl der Antikörper alleine nicht der einzige Faktor für die Wirksamkeit eines Impfstoffes ist. Entscheidend sind auch die T-Killerzellen, die mit dem Coronavirus infizierte Zellen angreifen. Eine weitere Untersuchung sorgt für Hoffnung.

Delta-Variante des Coronavirus: Ähnliche Wirksamkeit bei Biontech/Pfizer

Laut eines Berichts der Behörde Public Health England (PHE) vom Montag (14.06.2021) sei die Wahrscheinlichkeit, als vollständig geimpfte Person schwer mit der Delta-Variante zu erkranken, fast genauso gering wie bei der Alpha-Variante. Zwei Dosen des Impfstoffs Biontech/Pfizer verhinderten im Rahmen der Untersuchung in 96 Prozent der Fälle eine stationäre Behandlung. Für den Impfstoff von Astrazeneca lag die Quote bei 92 Prozent. Insgesamt sei der Impfstoff von Biontech/Pfizer damit zu insgesamt 88 Prozent wirksam gegen eine Covid-19-Erkrankung mit der Delta-Variante. Bei Astrazeneca sind es rund 60 Prozent. Für den Impfstoffhersteller Moderna liegen noch keine Daten vor, Schätzungen zufolge werden die Werte denen von Biontech/Pfizer ähneln.

Eine Jugendliche wird gegen das Coronavirus geimpft. Wie wirksam sind die gängigen Impfstoffe gegen die Delta-Variante?

Gefährlich sei laut einer weiteren Studie in der Fachzeitschrift „The Lancet“ nur eine einzige Impfung. Laut den Daten verhinderte eine einzige Impfung von Biontech/Pfizer eine Erkrankung mit der ursprünglichen Alpha-Variante zu 79 Prozent. Bei der Delta-Variante waren es lediglich 32 Prozent. Die britische Regierung schreibt einer Dosis des Astrazeneca-Impfstoffs eine ähnliche Wirkung zu. Das französische Institut Pasteur attestierte einer einzelnen Astrazeneca-Dosis sogar „wenig bis gar keine Wirksamkeit“ gegen die Delta-Variante.

Coronavirus: RKI-Chef Lothar Wieler warnt vor Delta-Variante – „Eine Impfung reicht nicht“

Auch RKI-Chef Lothar Wieler verwies auf die Erkenntnisse aus Großbritannien, wonach nur vollständig geimpfte Menschen vor schweren Verläufen nach einer Infektion mit der Delta-Variante geschützt seien. „Eine einmalige Impfung reicht nicht“, so Wieler. In Großbritannien sei die Delta-Variante bereits für 90 Prozent der Ansteckungen verantwortlich.

Wie es in Deutschland weitergehe, hänge entscheidend vom Impffortschritt ab und davon, „wie wir uns verhalten“, sagte Wieler und betonte, auch bei niedrigen Inzidenzen und über den ganzen Sommer die AHA-Regeln einzuhalten. In Innenräumen, im öffentlichen Verkehr, am Arbeitsplatz und auch in den Schulen sollten weiterhin die Masken getragen werden, empfahl Wieler. Es komme weiter entscheidend darauf an, die Infektionszahlen niedrig zu halten: „Zu große Lockerungen werden dazu führen, dass die Virusverbreitung wieder zunimmt“, warnte Wieler.

Delta-Variante in Deutschland: „Wir müssen vorsichtig sein, bis alle ein Impfangebot haben“

Kanzleramtschef Helge Braun rief derweil zu Solidarität auf. „Wir müssen vorsichtig bleiben, bis alle ein Impfangebot haben. Das gehört zur Fairness gegenüber jenen Menschen dazu, die noch nicht geimpft wurden, weil sie in keiner Priorisierungsgruppe waren und noch keine Gelegenheit zur Impfung hatten“, sagte der CDU-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Von der erreichten Impfquote werde abhängen, ob die Deltavariante oder noch eine andere im Herbst zu einer größeren Ansteckungswelle führen werden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kündigte derweil an, alle positiven PCR-Tests genauer auf die Delta-Virusform zu untersuchen und nicht nur wie bisher stichprobenartig. Das kann das Bild der Ausbreitung schärfen. (Marvin Ziegele) *fnp.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Oliver Berg/dpa

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