Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck

Das gab es noch nie: Zwei Frauen bewerben sich ums Bischofsamt in Kirche von Kurhessen-Waldeck

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Beate Hofmann (links) und Annegreat Puttkammer kandidieren für das Bischofsamt der Evangelischen Landeskirche Kurhessen-Waldeck.

Es ist das erste Mal überhaupt, dass Frauen zur Wahl für das Bischofsamt der Evangelischen Landeskirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) kandidieren. 

Und weil gleich beide Nominierten weiblich sind, ist so gut wie klar: Die EKKW bekommt eine Bischöfin. Sie wird entweder Beate Hofmann oder Annegret Puttkammer heißen. Beide Kandidatinnen kommen aus einer anderen Landeskirche.

Der amtierende Bischof Prof. Dr. Martin Hein, wird nach 19 Jahren an der Spitze der EKKW im September in den Ruhestand gehen. Er ist im Januar 65 Jahre alt geworden. Das Bischofsamt wird auf Lebenszeit vergeben und endet in der Regel mit Erreichen des Rentenalters.

Der Aufruf an die 830.000 Mitglieder der Landeskirche, Vorschläge für die Nachfolge einzureichen, fand große Resonanz: 142 Einreichungen seien gemacht worden, in denen fast 60 verschiedene Personen vorgeschlagen wurden, berichtet Präses Dr. Thomas Dittmann, Vorsitzender der Landessynode und des Nominierungsausschusses.

Auf die Frage, ob denn eine Frau zur Wahl stehen werde, habe er von Anfang an gesagt: „Darauf kommt es nicht an“, betonte Dittmann am Montag bei der Vorstellung der Nominierten. Das Geschlecht dürfe bei dem Auswahlverfahren keine Rolle spielen. Es gehe allein darum, „welcher Mensch am geeignetsten ist für die Situation unserer Landeskirche und die Aufgaben, die hier anstehen.“

Unter den eingereichten Namen seien zunächst sehr viele Frauen gewesen, sagte Dittmann. Viele hätten auf Nachfrage eine Kandidatur allerdings abgelehnt. Aus dem zusammengeschrumpften Feld, das dann männlich dominiert gewesen sei, hätten die beiden Frauen den 14-köpfigen Nominierungsausschuss am meisten überzeugt. Laut Wahlgesetz muss der Ausschuss der Landessynode zwei oder drei Kandidaten vorschlagen. 

Die Kandidatinnen zur Bischofswahl

Beate Hofmann (55) ist in Bad Tölz im katholischen Bayern in einem evangelischen Elternhaus aufgewachsen. Die Pfarrerin und habilitierte Theologin, die umfangreiche Erfahrungen in Gemeindearbeit, Diakonie und Wissenschaft mitbringt, ist Direktorin des Instituts für Diakoniewissenschaft und Diakoniemanagement der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel (Bielefeld). Sie stelle sich „mit Mut und Demut“ zur Wahl für das Bischofsamt, sagte Beate Hofmann in ihrer Vorstellung. Sie wolle ihre Erfahrungen und Kompetenzen in den Reformprozess der EKKW einbringen. 

Dabei sei ihr wichtig, dass bei allen Veränderungen und Ressourcenfragen „die Kraft des Glaubens und die Ausstrahlung der Kirche nicht auf der Strecke bleiben“. Als ein wichtiges Zukunftsthema sieht sie das Zusammenspiel von Haupt- und Ehrenamtlichen. Aufgabe von Kirche sei auch, die Gesellschaft durch Bildung und diakonische Arbeit mitzugestalten, betonte sie. Dabei müsse Kirche Sorgen und Ängste der Menschen ernst nehmen und gleichzeitig gegen Rassismus und Diskriminierung eintreten. Hofmann ist in zweiter Ehe verheiratet mit einem katholischen Physiker und lebt in Bielefeld. Sie spielt Harfe und Klavier, interessiert sich für Kultur und Literatur und findet Ausgleich bei Sport und Gartenarbeit.

Annegret Puttkammer (55) wurde in Fulda und damit innerhalb der EKKW geboren. Nach Erfahrungen als Gemeindepfarrerin und Dekanin ist sie seit 2011 Pröpstin für Nord-Nassau (mit Sitz in Herborn) in der Nachbar-Landeskirche in Hessen und Nassau. Seit vielen Jahren engagiert sie sich in der Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste der Evangelischen Kirche in Deutschland. Annegret Puttkammer stellte sich als „Pfarrerin aus Leidenschaft“ vor. Sie wolle eine Bischöfin sein, die bei der Neuaufstellung der Landeskirche „mit anpackt und den Rücken stärkt“, sagt sie. 

Ziel sei, dass die Evangelischen in der Landeskirche „weiterhin ihren Glauben fröhlich leben können, auf einer soliden geistlichen und materiellen Basis“. Zudem wolle sie auch junge Erwachsene mehr für die Kirche begeistern, wofür eine digitalere Kirche nötig sei. Sie betonte, dass Kirche sich nicht aus der Öffentlicheit zurückziehen dürfe, sondern „mehr rausgehen“ müsse. Sie wolle eine „Unterwegs-Bischöfin“ sein, um viele Menschen in ihrem Lebensumfeld zu treffen. Zudem bringe sie Gelassenheit und Humor mit in das Amt. Puttkammer ist verheiratet mit einem Pfarrer i.R. Sie interessiert sich für Literatur, Musik und Filme und wandert leidenschaftlich gern.

Bischofswahl: So läuft das Verfahren ab

Für das Bischofsamt vorgeschlagen werden können Pfarrer und Pfarrerinen im Dienst der EKKW oder einer anderen Gliedkirche der Evangelischen Kirche in Deutschland. Der Nominierungsausschuss, der von der Landessynode gewählt wurde, muss aus den eingereichten Namen zwei bis drei Kandidaten vorschlagen. In diesem Fall sind es also zwei Kandidatinnen. Sie werden am 9. Mai bei der Frühjahrstagung des Kirchenparlaments in Hofgeismar zur Wahl stehen. 

Auf der Synode wird der Wahlvorschlag in nicht-öffentlicher Sitzung begründet. Die Synodalen stimmen dann in geheimer Wahl ab, die Wahl selbst ist öffentlich. Erforderlich ist eine Zweidrittel-Mehrheit. Kommt auch nach sechs Wahlgängen keine Zweidrittelmehrheit zustande, reicht eine einfache Mehrheit. In das Amt eingeführt wird die neue Bischöfin am 29. September in einem Gottesdienst in der Kasseler Martinskirche, in dem auch der scheidende Bischof Prof. Dr. Martin Hein in den Ruhestand verabschiedet wird.

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