Pressekonferenz der Polizei in Korbach

Bankräuber nach 20 Jahren festgenommen: "Er lebte kein glamouröses Verbrecherleben"

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100 Akten haben die Ermittlungen gefüllt: Am Dienstag stellten die Ermittler in Korbach die Ergebnisse vor.

Korbach. Der Banküberfall in Diemelsee-Adorf Anfang Januar war wohl sein letzter Raubüberfall: Fast 20 Jahre hat ein 45-Jähriger bundesweit sein Unwesen getrieben - im März wurde er festgenommen. Am Dienstag stellte die Polizei Korbach ihre Ermittlungsergebnisse vor.

Bei Begehung der Taten soll der Angeschuldigte ganz überwiegend echt aussehende Spielzeugpistolen, Waffenattrappen oder Dekorationswaffen und in einem Fall eine Softairwaffe verwendet haben. Bei dem Überfall auf die Sparkasse in Weitefeld am 24. Mai 2016 soll der Angeschuldigte zudem eine mit Klebeband umwickelte Bombenattrappe verwendet haben.

Der Angeschuldigte soll die Überfälle größtenteils akribisch vorbereitet, sich gezielt Tatobjekte im ländlichen Raum ausgesucht und darauf geachtet haben, dass die Entfernung zur nächstgelegenen Polizeidienststelle mindestens zehn Kilometer beträgt.

Einige der etwa 100 Opfer leiden noch heute

Hier fand wohl sein letzter Raubüberfall statt: Die Waldecker Band in Diemelsee-Adorf (Waldeck-Frankenberg) hatte der 45-Jährige Anfang Januar überfallen - im März wurde er aufgrund von Zeugenhinweisen geschnappt.

Infolge der Überfälle erlitten einige der insgesamt etwa 100 Tatopfer posttraumatische Belastungsstörungen, einige der Tatopfer befanden sich über unterschiedliche Zeiträume in psychologischer Behandlung und litten - beziehungsweise leiden teilweise noch heute unter anderem unter Panikattacken, Angst- und Schlafstörungen. Drei der Tatopfer waren nach dem Überfall nicht mehr dazu in der Lage, ihre Tätigkeit bei der Sparkasse weiter auszuüben. 

Ein anderes Tatopfer war über ein Jahr lang krankgeschrieben und verlor infolgedessen seine Arbeitsstelle. Ein weiteres Tatopfer leidet seit der Tat unter Angstzuständen, konnte seiner beruflichen Tätigkeit deshalb nicht mehr nachgehen und ist mittlerweile frühverrentet. Ein weiteres Opfer ist infolge der posttraumatischen Belastungsstörung mittlerweile berufsunfähig.

Täter täuschte einen Jura-Abschluss samt Berufstätigkeit vor

Der Angeschuldigte soll über den gesamten Tatzeitraum von 15 Jahren hinweg nie einer legalen Erwerbstätigkeit nachgegangen sein und seinen Lebensunterhalt ausschließlich durch die Begehung von Straftaten finanziert haben. Hierbei soll der Angeschuldigte, der sein Jurastudium nach 12 Semestern ohne Abschluss abgebrochen hatte, gegenüber Familie und Freunden einen erfolgreichen Studienabschluss und eine Festanstellung in der Rechtsabteilung und später im Consulting eines namhaften deutschen Automobilkonzerns vorgetäuscht haben.  "Die relative Erfolglosigkeit seiner akademischen Bemühungen gingen in Hand mit dem Einstieg in die kriminelle Karriere", sagte Oberstaatsanwalt Alexander Badle von der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt während der Pressekonferenz in Korbach.Und Badle weiter: "Er hat kein glamouröses Verbrecherleben gelebt, dass mit allen Annehmlichkeiten versehen war."

Im Zuge intensiver Ermittlungen zum Raubüberfall auf die Waldecker Bank in Diemelsee-Adorf (Lankreis Waldeck-Frankenberg) durch die Regionale Kriminalinspektion (RKI) Korbach, K 10, gelang es schließlich, den 45-Jährigen zu ermitteln. Er konnte am 13. März 2018, anlässlich der Durchsuchung seiner Wohnung im Kreis Siegen-Wittgenstein (Nordrhein-Westfalen), von Spezialeinheiten des Polizeipräsidiums Nordhessen vorläufig festgenommen und am selben Tag dem Ermittlungsrichter am Amtsgericht Korbach vorgeführt werden, der gegen den Angeschuldigten antragsgemäß Haftbefehl erließ. Der Angeschuldigte befindet sich seitdem in Untersuchungshaft.

Die weiterführenden Ermittlungen zu der  jahrzehntelangen Tatserie wurden durch die am 25. April eingerichtete präsidiums- und länderübergreifende "AG Connect" beim Polizeipräsidium Nordhessen, Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg, RKI, K 10, geführt. Dieser Arbeitsgruppe gehören Beamte des hessischen Landeskriminalamts, der RKI Korbach und der Polizeidirektionen Lahn-Dill, Limburg-Weilburg und Koblenz an.

Aufgrund des Schwerpunkts der dem Angeschuldigten zur Last gelegten Taten im Bezirk des Landgerichts Limburg a.d. Lahn erfolgte die Anklagerhebung bei der dortigen Großen Strafkammer. Der Fall wird in "angemessener Zeit" vor dem Landgericht Limburg verhandelt, heißt es seitens der Ermittler.

Anklage wegen 20 Raubüberfällen - Insgesamt rund 400.000 Euro Beute

Während der Pressekonferenz wollen die Ermittler heute ihre Ergebnisse vorstellen. Angeklagt werden soll der 45-Jährige wegen 20 Raubüberfällen in Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, die er seit 2002 begangen haben soll -  auch Kreis Waldeck-Frankenberg und im Schwalm-Eder-Kreis war er aktiv:

  • Freitag, 18. Oktober 2002, ein Geschäft in Gießen - keine Beute
  • Donnerstag, 16. Januar 2003, ein Geschäft in Altenkirchen-Kirchen - keine Beute,
  • Donnerstag, 16. Januar 2003, Sparkasse in Altenkirchen-Kirchen - 26.197 Euro Beute,
  • Freitag, 14. Mai 2004, Sparkasse in Battenberg - 31.385 Euro Beute,
  • Mittwoch, 3. August 2005, Sparkasse in Altenkirchen-Gebhardshain - 31.510 Euro Beute,
  • Freitag, 24. November 2006, Sparkasse in Frickhofen - 240 Euro Beute,
  • Freitag, 24. November 2006, Sparkasse in Altenkirchen-Kirchen - 28.895 Euro Beute,
  • Donnerstag, 24. April 2008, Sparkasse in Lüdenscheid-Herscheid - 5000 Euro Beute,
  • Freitag, 18. Juli 2008, Sparkasse in Battenberg - 43.925 Euro Beute,
  • Donnerstag, 20. Mai 2010, Sparkasse in Beselich-Obertiefenbach - 37.000 Euro Beute,
  • Donnerstag, 14. Juli 2011, Sparkasse in Battenberg - 6605 Euro Beute,
  • Donnerstag, 8. September 2011,Sparkasse in Lahnau-Waldgirmes - 25.280 Euro Beute,
  • Donnerstag, 21. Juni 2012, Sparkasse in Bischoffen-Niederweidbach - 21.000 Euro Beute,
  • Mittwoch, 3. Juli 2013, Sparkasse in Solms-Oberbiel - 12.700 Euro Beute,
  • Donnerstag, 12. Dezember 2013, Sparkasse in Waldbrunn-Lahr - 7985 Euro Beute,
  • Mittwoch, 30. Juli 2014, Sparkasse in Amöneburg-Mardorf - 13.200 Euro Beute,
  • Donnerstag, 12. März 2015, Sparkasse in Neuental-Zimmersrode - 18.560 Euro Beute,
  • Dienstag, 24. Mai 2016, Sparkasse in Weitefeld - keine Beute,
  • Dienstag, 24. Mai 2016, Sparkasse in Wiehl-Drabenderhöhe - 81.680 Euro Beute,
  • Dienstag, 2. Januar 2018, Waldecker Bank in Diemelsee-Adorf - 11.115 Euro Beute

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