Zweijähriger war eingeschlossen

Auto heizte sich auf: Polizei in Vellmar rettet Kleinkind aus Fahrzeug

Vellmar/Kassel. Weil ihr zweijähriger Sohn im Auto eingesperrt war und das Auto sich bedrohlich aufheizte, rief eine 30-jährige Frau aus Vellmar am Dienstagnachmittag die Polizei.

Beamte des Polizeireviers Nord kamen gegen kurz nach 15 Uhr auf dem Parkplatz einer Drogerie in der Straße Lange Wender in Vellmar an und machten sich ein Bild von der Situation, teilt Polizeisprecher Torsten Werner mit.

Wie die Mutter den Polizisten berichtete, hatte sie ihren Sohn auf dem Beifahrersitz im Kindersitz angeschnallt und dem Kind den Fahrzeugschlüssel zum Spielen überlassen. Nahezu zeitgleich habe der Junge den Wagen verriegelt und den Fahrzeugschlüssel auf den Fahrersitz geworfen, während die Mutter die Tür zuwarf.

Der Wagen war nun verriegelt, der Junge kam nicht mehr an den Schlüssel und konnte auch nicht, trotz aller Anstrengung, die Zentralverriegelung wieder öffnen. Da auch ein Zweitschlüssel nicht so schnell zu organisieren war, rief die Mutter über Notruf die Polizei.

Vor Ort stellten die Beamten fest, dass die Situation für den Jungen immer gefährlicher wurde. Mit Einverständnis der Mutter schlugen sie schließlich die hintere Scheibe der Fahrerseite mit einem Nothammer ein und befreiten den Zweijährigen aus seiner misslichen Lage. Ein paar Schluck Wasser hätten ausgereicht, damit es dem Jungen auch deutlich besser ging. Eine Verständigung des Rettungsdienstes sei nicht mehr erforderlich gewesen, so der Polizeisprecher.

Wie gefährlich es in einem Auto bei Hitze werden kann, zeigt folgendes Beispiel: Wenn das Thermometer draußen 20 Grad anzeigt, erhitzt sich das Auto im Inneren nach zehn Minuten auf 27 Grad, nach 30 Minuten auf 36 Grad und nach einer Stunde auf 46 Grad. Der menschliche Organismus versagt ab einer Körpertemperatur von 42 Grad.

Für Babys und Kleinkinder kann eine Überhitzung im Auto lebensgefährlich werden. Studien des Mediziners Dr. Andrew Grundstein im US-Bundesstaat Georgia haben ergeben, dass in den USA etwa 40 Kinder pro Jahr sterben, weil sie von ihren Eltern bei Sommertemperaturen im Wagen gelassen wurden. Schon nach 15 Minuten kann die Hitze bei Babys zum Tod führen. Im Vergleich zur Umgebung außerhalb des Wagens gibt es innerhalb keine Luftbewegung - dadurch ist eine Abkühlung fast unmöglich.

Das rät der ADAC in so einer Situation

Im Sommer heizen sich die Innenräume von Autos extrem schnell auf. Das kann für zurückgelassene Kinder und Tiere schlimmstenfalls zur tödlichen Falle werden, warnt der ADAC. Wer im Sommer ein Auto mit einem allein zurückgelassenen Kind oder Tier entdeckt, sollte daher situationsbedingt schnell handeln. Auf einem Supermarkt-Parkplatz könnten Passanten versuchen, die Verantwortlichen im Laden ausrufen zu lassen. Polizei oder Feuerwehr zu rufen sei aber stets richtig, denn die könnte das Auto öffnen, ohne die Scheibe einzuschlagen, was die Insassen vielleicht verletzt.

Wer notfalls selbst die Scheibe einschlägt, weil Gefahr in Verzug ist und das Kind bereits zu kollabieren droht, dem rät der ADAC: vorher Polizei oder Feuerwehr alarmieren und ein Beweisfoto mit dem Handy von der Situation machen. Es könnte sonst das Risiko bestehen, dass es Streit mit dem Besitzer des Autos wegen Sachbeschädigung gibt. Doch Gerichtsurteile dazu sind dem ADAC bisher nicht bekannt.

Auch Tiere auf keinen Fall im Auto lassen

Wer sein Tier liebt, der sollte es im Sommer nie im Auto lassen. Der Effekt ist simpel: Im Prinzip heizt sich das Fahrzeug auf, wie ein Backofen. Und darin möchte sicherlich niemand enden. Insbesondere Hunde können nicht so schwitzen wie wir Menschen. Sie müssen ihre Temperatur über das Hecheln regulieren. 

Wenn das Thermometer im Inneren des Autos mehr als 40 Grad zeigt, kann es schon zur Überhitzung des Organismus kommen. Dass es dem Tier nicht gut geht, erkennt man beispielsweise am glasigen Blick und an heißen Ohren. Wenn das Tier in einem überhitzen Wagen war und nicht ohnmächtig ist, sollte sofort Wasser angeboten werden und der Körper zum Beispiel mit nassen Handtüchern gekühlt werden.

Rubriklistenbild: © Nicolas Armer/dpa

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