City-Manager Kai Ehlers über Vergangenheit und Zukunft des Einkaufszentrums

Täglich 15.000 Kunden: Das Dez feiert 50. Geburtstag - Ein Blick zurück

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Ein Blick von oben auf das Dez im Jahr 2018: Nach der letzten Erweiterung des Einkaufszentrums im Jahr 2012 verlor das Dez seine L-Form. Jetzt bilden die Gebäude fast ein U.

Kassel. Vor 50 Jahren - am 3. Mai 1968 - öffnete das Diskont-Einkaufszentrum kurz Dez Kassel seine Pforten. das wird jetzt zwei Wochen gefeiert.

Von Donnerstag, 27. September, bis Samstag, 13. Oktober, wird der 50. Geburtstag des Dez groß gefeiert. 

Über die Vergangenheit und Zukunft des Einkaufszentrums sprachen wir mit Center-Manager Kai Ehlers.

Eigentlich ist das Dez bereits im Frühjahr 50 geworden. Warum feiern Sie den runden Geburtstag erst jetzt?

Kai Ehlers: Im Frühjahr gab es noch einige Läden, die sich neu aufstellen wollten. Deshalb haben wir die Feierlichkeiten zum 50. Geburtstag auf den Herbst verschoben. Zudem ist es kein Geheimnis, dass das vierte Quartal das wichtigste für den Einzelhandel ist. Wichtig ist für unsere Kunden, dass wir dieses Ereignis gebührend feiern und mit vielen Geburtstagsüberraschungen aufwarten können.

Wie viele Kunden kommen täglich ins Dez?

Ehlers: Im Durchschnitt 15.000 Menschen pro Tag, davon sind circa 84 Prozent Stammkunden. Unter Stammkunden bezeichnen wir Menschen, die mindestens alle zwei Wochen einmal das Dez besuchen.

Woher kommt das Gros der Kunden?

Ehlers: Die meisten Kunden kommen aus Niederzwehren und aus dem Landkreis Kassel. Das wissen wir, weil wir einmal im Jahr eine Kundenbefragung vornehmen.

Die Kaufleute in der Innenstadt sehen seit jeher das Dez kritisch. Leidet die Innenstadt unter dem Dez?

Ehlers: Aus meiner Sicht nicht. Ich denke, dass die Stadt Kassel insgesamt von uns profitiert. Viele Kunden kommen schnell über die Autobahn zu uns. Die schätzen auch unsere kostenlosen Parkplätze. Wenn es das Dez nicht geben würde, würden viele dieser Kunden ins Ratio nach Baunatal fahren, aber nicht in die Kasseler Innenstadt.

War ein Spektakel: Im Juli 1992 turnte Tarzan durch das Dez. Zur Begeisterung der Kunden. Um den ganzen Ausschnitt zu sehen, klicken Sie oben rechts. 

Was schätzen die Kunden besonders am Dez?

Ehlers: Wie schon erwähnt, spielen die kostenlosen Parkplätze sicher eine Rolle. Es kommt bei den Kunden auch gut an, dass diese verbreitert worden sind. Zudem mögen viele Leute, dass wir alles unter einem Dach haben. Bei uns wird ein entspanntes Einkaufen geboten. Wir achten auf ein gutes und friedliches Miteinander im dez. Unsere Besucher sind im Durchschnitt über 40 Jahre alt und schätzen den gepflegten Umgang und die familiäre Atmosphäre.

Die Aktionen, die es schon immer im Dez gibt, kommen sicher auch gut an?

Ehlers: Ja. Wir bieten ein Erlebniseinkaufen an. Bei uns gibt es Konzerte, Ausstellungen sowie interaktive Aktionen; und zu Ostern und Weihnachten bieten wir gerade für die Kinder ein umfangreiches Programm.

Was kam bei den Kunden besonders gut an?

Ehlers: Das weiß ich nur aus Erzählungen von älteren Kollegen. Aber das Spektakulärste war wohl Tarzan im Dez. Das war Anfang der 90er-Jahre. Tarzan hat in einem Baumhaus in der Ladenstraße gelebt und schwang sich schreiend an einer Liane durch das Einkaufszentrum.

Center-Manager seit knapp vier Jahren: Kai Ehlers freut sich auf die Feierlichkeiten anlässlich des 50. Geburtstags des Dez.

Innerhalb von 50 Jahren ist das Dez drei Mal vergrößert worden. Können Sie sich eine weitere Erweiterung vorstellen?

Ehlers: Durchaus. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass wir von der Stadt für eine vierte Erweiterung eine Genehmigung bekämen. Die Befürchtung, dass wir der Innenstadt schaden können, ist bei vielen einfach zu groß. Uns fehlt als Familiencenter zum Beispiel noch ein großer Spielwarenanbieter. Zudem könnten wir uns gut vorstellen, dass ein gehobenes Textilsortiment ins Dez kommt, zum Beispiel P&C.

Wo hätten Sie denn noch Flächen für eine Erweiterung?

Ehlers: Wir hatten mal angedacht auf einem Teil des Gebäudes eine zusätzliche Etage zu errichten. Baulich ist so gut wie alles machbar und damit könnten wir uns die 1400 kostenlosen Parkplätze erhalten.

Inwieweit hat sich das Dez in den vergangenen 50 Jahren verändert?

Ehlers: Eigentlich wenig. Wir sind recht konservativ in uns gewachsen. Wir sind verlässlich und stabil, die Kunden kommen damit gut klar. Auch wenn alle unsere technischen Anlagen auf dem neuesten Stand sind, haben sich für unsere Kunden seit 1968 in der Kubatur nur die Erweiterungen geändert. Dafür haben wir aber immer wieder neue Konzepte in die Ladenstraße integriert und sind so am Puls der Zeit geblieben.

Das Dez hat sich auch zu einem wichtigen Arbeitgeber im Stadtteil entwickelt.

Ehlers: Vor 50 Jahren hatten wir rund 200 Arbeitsplätze im Dez, heute sind hier rund 1000 Frauen und Männer beschäftigt. Ich glaube auch, dass Niederzwehren durch das Dez profitiert. Wir unterstützen schon immer Veranstaltungen im Stadtteil, wie zum Beispiel die Märchentage, die zeitgleich zu unserem Jubiläum stattfinden.

Wie sieht die Zukunft des Dez aus?

Ehlers: Unser Betreiber ECE will im Jahr 2020 mehrere Millionen Euro in den Standort investieren. Die genaue Summe steht noch nicht fest. Fest steht aber, dass die Ladenstraße neue Sitzmöbel und eine neue Beschilderung bekommen sollen, die Toiletten werden erneuert; und wir denken über eine Stellplatzanzeige für den Parkplatz nach.

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Zur Person:

Kai Ehlers (53) stammt aus Hamburg. Dort hat er auch Wirtschafts- und Organisationswissenschaften studiert. Seit 2011 ist er beim ECE Projektmanagement beschäftigt. Zunächst leitete er das Stern-Center in Lüdenscheid, bevor er Ende 2014 Center-Manager im Dez geworden ist. Ehlers hat eine Partnerin.

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