320.000 Bienen produzieren Honig auf dem Dez-Dach in Kassel

Bereit zum Ausschwärmen: Dez-Manager Kai Ehlers und Imker Victor Hernández mit den vier Boxen, in denen insgesamt rund 320 000 Bienen leben und Honig sammeln.  

Kassel. Vier Bienenvölker mit 320.000 summenden Honigsammlerinnen sind auf das Gebäude des Einkaufszentrums Dez in Niederzwehren gezogen.

Es summt und brummt hoch über dem Einkaufstrubel in Niederzwehren: Auf dem Flachdach des Einkaufszentrums Dez haben 320.000 Honigbienen ein Sommerquartier bezogen. Am Dienstag stellte Stadtimker Victor Hernández dort die Wohnkisten von vier Bienenvölkern auf. die nun Nektar und Pollen im umliegenden Stadtgebiet zwischen Fuldaaue, Dönche und Park Schönfeld sammeln.

Mit ihrem Honig-Ertrag begleichen die Insekten quasi die Miete für ihr saisonales Domizil. Dez-Manager Kai Ehlers hat sich dafür schon eine Verwendung überlegt: Er will dem Stadtimker einen Gutteil des Niederzwehrener Honigs abkaufen und die Gläser während der Feiern zum 50-jährigen Dez-Bestehen vom 27. September bis 15. Oktober gegen Spenden für einen guten Zweck abgeben. Weil zurzeit überall auf die Problematik des Insektenssterbens aufmerksam gemacht werde, habe er sich an Hernández gewandt und sein Haus als Bienenstock-Pate abgeboten, sagte Ehlers.

Das passe auch vom Standort her, erklärte der Imker. Die vier Bienenkisten auf dem Dez-Dach hätten zuletzt in der Nordstadt gestanden – und wenn die Entfernung dorthin nicht deutlich über 3 Kilometer betrage, „dann würden die Bienen versuchen, wieder nach Hause zu fliegen“. Hernández’ Bienenvölker sind über die ganze Stadt verteilt. Sie stehen auf den Dächern markanter Gebäude wie dem Staatstheater oder der Kurfürsten-Galerie, in Parkanlagen, privaten Gartengebieten sowie dem 40 Hektar großen Hauptfriedhof.

Was die Bienen aus dem Nahrungsangebot im Stadtgebiet machen, ist laut Hernández ein Mischblütenhonig, der je nach Sammelgebiet und Ernte immer neue Geschmacksnuancen zeigt. Für Qualität und Reinheit seines „Kasseler Stadthonigs“ hat der Imker schon diverse Auszeichnungen erhalten. Die Ernte des Vorjahres ist vollständig ausverkauft, bei Temperaturen ab 15 Grad fliegen und sammeln die Bienen jetzt wieder.

Als Hernández vor acht Jahren anfing, seine Bienen mitten in der Stadt ausschwärmen zu lassen, schlug ihm anfangs noch Skepsis entgegen. Dabei regt dieses Sammelgebiet die Bienen offenbar zu besonderem Fleiß an: „In der Stadt ernten wir pro Volk und Saison fast drei mal so viel Honig wie in ländlichen Gebieten“, erklärt der Imker.

Des Rätsels Lösung: Auf dem Land seien viele Bienen-Reviere von Monokulturen bestimmt – etwa von Rapsfeldern oder Obstplantagen, die jeweils nur für kurze Zeit blühen. Danach würden für Bienen vielerorts die Nahrungsquellen knapp.

In der Stadt aber, so Hernández, „ist das Blühpflanzen-Angebot viel größer und vor allem vielfältiger“. Zwischen April und Anfang September sorge der menschliche Gestaltungswille dafür, dass in Gärten, Parks und Balkonkästen immer neue Blüten sprießen.

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