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Sturmböen über Deutschland

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Thema: Landtagswahlen in Hessen und Bayern

Die Landtagswahlen in Bayern und Hessen haben ein Beben ausgelöst, das bis nach Berlin zu spüren ist und die große Koalition in neue Turbulenzen gestürzt. Die CSU verlor in alle Richtungen, die SPD sank im weißblauen Freistaat unter die Zehn-Prozent-Marke (!) und damit fast in die Bedeutungslosigkeit, die Grünen besetzten Platz zwei. Zur Erinnerung: Unter dem sudetendeutschen Volkmar Gabert waren die bayerischen Sozialdemokraten einmal, 1966, auf sagenhafte 35,8 Prozent gekommen.

Nutznieser der massiven Kritik an der CSU waren diesmal die Freien Wähler, die „Alternative für Deutschland“ (AfD) und sogar die FDP (...). Die alte CSU, zuletzt unter Edmund Steuber, hatte es verstanden, das Gefühl zu geben, dass sie unbeirrt für die sudetendeutschen Belange kämpfe. Unter Horst Seehofer wurde das anders. Sein Kurs gegenüber Prag war von landespolitischen Egoismen und von einer Distanz zu den heimatpolitischen Forderungen des „vierten Stammes“ (Sudetendeutsche) geprägt. Viele Besucher des „Sudetendeutschen Tages“ haben ihm das sehr verübelt. All das hat sich gerächt, wie es die Wählerwanderungs-Analyse zeigt. Viele Wähler sind deshalb zur AfD abgewandert.

In Hessen, wo bis 1966 der BHE (Bund Heimatvertriebener und Entrechteter) an der Seite der Sozialdemokraten mitregierte, brachen CDU und SPD ein. Es triumphierten die Grünen mit Minister Tarek Al-Wazir, Sohn eines jemenitschen Diplomaten und einer sudetendeutschen Mutter.

Und auch die AfD ist jetzt im hessischen Landtag vertreten. Sie profitierte, wie zwei Wochen vorher in Bayern, von enttäuschten Unionswählern, unter ihnen viele Heimatvertriebene. Es dürfte den etablierten Parteien schwer fallen, die AfD, die nun in allen Landtagen präsent ist, auf Dauer zu ignorieren und politisch auszubremsen. Dass das hessische Ergebnis bundespolitische Auswirkungen haben wird, war bereits am Wahlabend zu erkennen. (...) Wie immer man nach den Wahlen in Bayern und Hessen die neuen Unsicherheiten einschätzt: Es ziehen politsche Sturmböen über Deutschland – und sie werden sich so schnell nicht legen. (...)

Heinzjoachim Windrich

Hauneck

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