Selbstständigkeit birgt viele Risiken

Thema: Unternehmen suchen Nachfolger

Ich kann durchaus nachvollziehen, dass heute junge Menschen die Risiken und Belastungen einer Selbstständigkeit nicht wollen. Viele junge Menschen ziehen sechs Wochen Urlaub, Urlaubsgeld, Bezahlung von Feiertagen, gesicherte Lohnfortzahlung im Krankheitsfall dem Risiko einer nicht risikofreien Selbstständigkeit vor.

Die Übernahme eines eingeführten Unternehmens gibt es auch nicht zum Nulltarif. Da ist Eigenkapital erforderlich, um den ausscheidenden Unternehmer abzufinden. Maschinen, Werkzeuge, das Materiallager usw. müssen bezahlt, alle Verpflichtungen übernommen werden. Verfügt das zu erwerbende Unternehmen über Kredite, muss der Neue Unternehmer die Bürgschaften dafür übernehmen.

Bleibt der seine Geschäftsanteile verkaufende Unternehmer zur Unterstützung des Neulings übergangsweise im Geschäft, wird sein Gehalt mit Sozialabgaben belastet und das selbst dann, wenn dieser schon die gesetzliche Altersgrenze überschritten hat und bereits seine Vollrente bezieht. Es versteht sich dabei von selbst, dass diese Beiträge nicht zur Verbesserung seiner Rente führen, sondern verloren sind.

Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit hat der übergebende Unternehmer im Laufe seiner Unternehmensführung so manchen versteuerten Gewinn im Unternehmen belassen und damit das Eigenkapital des Unternehmens erhöht. Oft wird aus finanziellen Gründen auch die private Lebensversicherung kapitalisiert und dem Unternehmen damit Wachstum ermöglicht. Wachstum kostet nun einmal Geld, das wegen des kaum überschaubaren Risikos von den Banken nur schwer zu erhalten ist.

Das Eigenkapital eines Unternehmens ist für die Banken eine wichtige Messlatte für die Gewährung von Krediten. Auch beim Verkauf des Unternehmens ist das Eigenkapital preisbildend. Ist nun das Eigenkapital des Unternehmens gewachsen, unterzieht das Finanzamt die Differenz zwischen ehemals eingelegtem Stammkapital und Verkaufserlös gnadenlos der Einkommensteuer. Der Verkäufer des Unternehmens bezahlt damit Steuer auf sein oft in vielen Jahren eingelegtes und bereits versteuertes Kapital und Verzicht auf Auszahlung versteuerter Gewinne. Das ist am Ende dann der Lohn des Unternehmers für Verzicht auf viele Urlaubswochen, unbezahlte Feiertage, Arbeit weit über die 40 Wochenstunden hinaus.

(...) Es sollte uns allen zu denken geben, dass viele Unternehmer ihre besonders innovativen Unternehmen an ausländische Unternehmen verkaufen müssen. Der Verlust von Know-how, jahrelang aufgebauter Innovation usw. wird der nachfolgenden Generation sicher noch viele Probleme bereiten. Wahlperioden enden nach vier Jahren, Unternehmen müssen viel länger leben.

Norbert Kottmann

Schenklengsfeld

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