Die Zeit ist reif für einen Radweg

Thema: Bahnstrecke weg für einen Euro

Die vom neuen Eigentümer aus Holland angekündigten Investitionsvorhaben rund um den Schenklengsfelder Bahnhof versprechen für das jetzt brachliegende Gelände zumindest auf dem Papier eine deutliche Steigerung des Erlebnis- und Freizeitwerts auch mit überregionaler Ausstrahlung. Für die Wiederaufnahme des Zugbetriebs auf der ehemaligen Kreisbahnstrecke nach Heimboldshausen habe ich jedoch erhebliche Zweifel.

Denn schon für den Förderverein „Werra-Fulda-Bahn“ war die Aufrechterhaltung eines regelmäßigen oder nur gelegentlichen Bahnverkehrs auf dem Gleis mit Schwierigkeiten verbunden. So zum Beispiel ist die Verkehrssicherung an mehreren öffentliche Straßen kreuzenden Bahnübergängen ziemlich aufwändig, wie etwa über die B 62 zwischen Heimboldshausen und Röhrigshof.

Zudem sollen die drei Brücken zwischen Ransbach und der Schellmühle nicht mehr den aktuellen Sicherheitsvorschriften für die Überfahrt gleisgebundener Fahrzeuge entsprechen.

Darum wäre jetzt die Gelegenheit, besagte Bahnstrecke zu einem Radweg umzubauen. Dies ist nicht nur eine Forderung des ADFC-Kreisverbandes Hersfeld-Rotenburg/Schwalm-Eder. Auch viele Radlerinnen und Radler aus der ganzen Umgebung wünschen sich eine weitgehend vom Autoverkehr freie Radstrecke von Bad Hersfeld bis ins Werratal.

Die durchgehende Route würde nicht nur die Attraktivität des gesamten Radwegenetzes in der Region enorm steigern, sondern auch dem geplanten Tourismusprojekt am Schenklengsfelder Bahnhof zusätzliche Besucher bringen.

Eine weitere Aufwertung würde der Radweg zur bundesweit vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC) beworbenen Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit“ erfahren. Denn der Schacht Heimboldshausen-Ransbach (HeRa) als Standort des Kaliwerkes Werra mit derzeit 800 Beschäftigten befindet sich direkt an der Bahnlinie.

Ließe sich der Arbeitsplatz dort auch über einen ausgebauten Radweg erreichen, würde vermutlich die Bereitschaft gefördert, öfter mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. Zumal die umliegenden Ortschaften (Wohnungen der Mitarbeiter) in der Mehrzahl nicht weiter als sechs Kilometer entfernt liegen. Dies dürfte übrigens auch im Sinne der vom Land Hessen neu aufgelegten Nahmobilitätsstrategie sein.

Nicht nur in Deutschland, vielmehr weltweit, wird der zunehmenden Bedeutung des Radverkehrs für Freizeit und Alltag Rechnung getragen, indem beispielsweise ehemalige Bahnstrecken zu Radwegen umgebaut werden. Warum dieser Trend im Kreis Hersfeld-Rotenburg offenbar übersehen wird, ist schon bedauerlich.

Hans-Heinrich Hartmann ADFC-Kreisverband Hohenroda

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