Mehr Umsicht und Einfühlungsvermögen

Thema: Zuse-Höfe - Architekt Dietz warnte beim Projekt Sternerstraße vor „pauschalem Investorenhass“. Es gibt keinen Investorenhass, denn Investoren auf privater Basis, aber auch auf gesellschaftlicher Ebene fördern die Stadtentwicklung und werden immer gebraucht und unterstützt.

 Im Moment hat sich aber eine Kultur breit gemacht die der Gesellschaft und Stadtentwicklung nicht förderlich ist. Grenzenlose Planungen ohne Rücksicht auf den Bürger gehen immer wieder im Bauamt ein. Den § 34 des Baugesetzbuches „ Einfügung des Bauwerks in die nähere Umgebung“ scheinen manche Architekten und Investoren aus ihrem Gedächtnis gestrichen zu haben. Es ist die Stadt aller Bürger und wir haben alle eine Verantwortung für unsere Stadt, egal ob im Denkmalschutz oder in der Erhaltung unseres Lebensraumes. In den Zuse Höfen, in denen ja in der ersten Planung ein Einkaufszentrum entstehen sollte, welches aber wegen der Verkehrsanbindung scheiterte, entsteht nun ein massiver Betonblock in Form von aneinandergereihten Notizblöcken. Eine wahre Meisterleistung der Architektur. Im Moment ist es zwar „in“ keine Arbeit mit Haus und Hof zu haben, weshalb diese Wohnungen auch gekauft werden, aber spätestens wenn die Konjunktur schwächelt und der derzeitige Trend vorbei ist, werden wir dann diese Betonblöcke stehen haben. Diese sind so konzipiert, dass im vorderen Bereich die Balkone fast an die denkmalgeschützte Zuse Werkstatt grenzen. Keine Sicht! Verkaufs- und Mietpreis gemindert. Also kann man sich denken, dass der Abriss dieses Gebäudes von vornherein geplant war. Da Herr Bürgermeister Thomas Fehling in der Stadtverordnetenversammlung über dieses Abrissbegehren des Investors sehr sauer war, denke ich, dass die Stadt Bad Hersfeld immer noch in der Lage ist, dieses Begehren abzulehnen. Sollte der Investor nicht einsichtig sein und seinen Verpflichtungen nicht nachkommen, dürften keine Bauabnahme und auch kein Wohnungsbezug erfolgen. Gewundert hat es mich schon lange, dass in den Zuse Höfen das Betongold wächst, aber die Scheune nicht saniert wird. Zum Gedenken an Konrad Zuse wäre mein Vorschlag diese nach der Sanierung als offene Dauerausstellung zu nutzen. Vielleicht kann man mit dem Technik Museum in Berlin, wo der eigens von Zuse nachgebaute Z1, der Urvater der Computer steht und sich eine große Bilderausstellung von Zuse befindet, kooperieren. Wünschen wir uns für unsere Stadt, dass diese in Zukunft mit mehr Umsicht und Einfühlungsvermögen weiterentwickelt wird, zum Wohle unserer und den nachfolgenden Generationen.

Winfried Sauer
Bad Hersfeld

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