Ahnungslose Stadtpolitiker

Thema: Windkraft am Wehneberg, HZ vom 17. September - Bis jetzt war ich immer der Meinung, dass die Errichtung von Windkraftanlagen im weitesten Sinne auch etwas mit Wind zu tun haben müsste. Aber weit gefehlt! Wie Herr Lüders von der Firma Abo-Wind schon mehrfach betont hat, spielen die im April 2014 zu erwartenden Messergebnisse vom Windmessmast auf dem Wehneberg keine Rolle beim Bau der geplanten Windräder an diesem Standort. Warum dann so ein Alibimast?

2014 wäre die Windanlage längst im Bau, wenn es nach Abo-Wind ginge. Da kämen die Ergebnisse wohl ein wenig zu spät für anstehende Wirtschaftlichkeitsberechnungen. Vor zwei Jahren hat der RP Kassel das Gebiet Hersfeld- Rotenburg als Schwachwindgebiet aus der Windflächenplanung gestrichen, und es ist nur der intensiven Lobbyarbeit zweier Hersfelder Investoren zu verdanken, dass dieses Gebiet wieder in den Flächenplan aufgenommen worden ist. Dass den Zuschlag dann eine andere Windfirma bekommen hat, war von den beiden Herren vermutlich so nicht geplant. Aber wo liegen eigentlich die Beweggründe zum Bau einer solch gigantischen Windindustrieanlage mitten in einem Naherholungsgebiet, das für Jahrzehnte zerstört sein wird? Die Windenergietechnik in ihrer jetzigen Form wird in überschaubarer Zeit veraltet sein. Zurück bleiben riesige zubetonierte Flächen, die zwar nicht strahlen, aber Zeugnis für die fehlende Weitsicht ihrer Erbauer ablegen. Ein Rückbau wird aus finanziellen Gründen nicht möglich sein. Die Firma Abo-Wind kann sich nach dem Bau der Anlage (und der Hinterlassung eines Wartungsvertrages) ganz gelassen zurückziehen. Sie wird den Windpark an eine Betreibergesellschaft verkaufen, die ihrerseits Investoren (gerne auch Privatanleger, die mit hohen Renditen angelockt werden) suchen wird, die dann das Risiko tragen, wenn der Wind nicht ausreichend weht.

Das EEG in seiner jetzigen Form ist nichts anderes als eine gigantische Umverteilung von Steuergeldern aus den Taschen der Bürger in die Taschen weniger Windradhersteller, Betreiber und Grundbesitzer. Muss man es verstehen, dass besonders windschwache Gebiete mit besonders hohen Subventionen gefördert werden? Windräder ja! Aber nur an Orten, wo sie auch wirtschaftlich betrieben werden können und Menschen und Natur nicht nachhaltig gefährden und schädigen! Warum rät selbst die Pressesprecherin von Abo-Wind einer anderen Gemeinde von der Errichtung eines Windparks in einem Waldgebiet ab, da der Windertrag im Wald deutlich unter dem Windertrag auf einer Freifläche läge? Noch hat die Stadt Hersfeld die Möglichkeit, sich nicht von der Firma Abo-Wind mit ihrem Eilantrag unter Druck setzen zu lassen. Oder sind die Verträge so schlecht abgefasst, dass es kein Zurück mehr geben kann? In den meisten Städten und Gemeinden Hessens ist es üblich, Verträge, die die Stadt für ihre Bürger abschließt, öffentlich zu machen. In Bad Hersfeld hält der Magistrat solche Verträge als Geheimsache unter Verschluss. Ich habe kein Verständnis dafür, dass selbst die Stadtverordneten die Windverträge nie zu Gesicht bekommen haben. Ich habe keine Lust mit ahnungslosen Stadtpolitikern über Windkraft zu diskutieren! Ohne Transparenz in der Politik verlieren wir Bürger das Vertrauen in die Demokratie. Das gilt für die Bundes- nd Kommunalebene gleichermaßen! Das Wählergedächtnis ist bekanntlich nur sehr kurz, aber für die paar Tage bis zur nächsten Kommunalwahl, da bin ich sicher, wird es bestimmt ausreichen!

Odette Wagner Am Johannesberg 13 Kohlhausen

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