Vorgänge kritisch begleiten

Thema: Streit um die Finanzierung der Festspiele - Seit einem Jahr wieder neu in Bad Hersfeld nach über 40 Jahren Leben und Arbeiten in Frankfurt: Großstadt, Stadt der Gegensätze, Kultur, Museumsufer, Banken und Bankenpleiten, Theater, Oper, Migranten, Kleinkunst......

Auch hier das ständige Ringen, die ewige Auseinandersetzung um Wirtschaftlichkeit und Kulturetats.

Bernd Fülle, einer der drei Geschäftsführer der Frankfurter Städtischen Bühnen: „Die Auslastung allein ist kein Indikator für den Erfolg“ und weiter, „ohne Subventionen bliebe in der deutschen Theaterlandschaft kein Stein mehr auf dem anderen!“ 8. November in der HZ: „Union und SPD wollen in einer gemeinsamen Regierung Kultur als Staatsziel im Grundgesetz verankern.“ Unionsfraktionsvize Michael Kretschmer: „Deutschland ist eine Kulturnation, wir sollten (das) jetzt deutlich machen!“

Nun mal zu Hersfeld: Neu für meine Frau und mich ist das in dieser Stadt so vergiftete Klima, wenn es um die Diskussion dieses nur scheinbaren Gegensatzes geht. Scheinbar deshalb, weil z.B. die Hersfelder Geschäftswelt sehr wohl auch von den kulturellen Aktivitäten dieser Stadt (Festspiele) außerordentlich profitiert!

Als besonders schlimm empfinden wir aber, dass in zahlreichen Kommentaren, Leserbriefen sowie Äußerungen politisch Verantwortlicher versucht wird, die Schuld an diesem Disaster der Presse in die Schuhe zu schieben. Zum Ethos eines freien, verantwortungsvollen und und mutigen Journalismus gehört es, dass solche Vorgänge kritisch begleitet und beleuchtet werden müssen. Seien wir froh, dass es in Bad Hersfeld noch eine Zeitung sogar mit 250-jähriger Tradition gibt, die sich dieser, gewiss nicht leichten, Aufgabe stellt. Alle Protagonisten dieses Macht- und Kulturkampfs seien aufgefordert in Zukunft fair, umfassend und transparent für ihre Sicht / Pflicht zivilisiert zu werben.

Um es nochmal deutlich zu sagen, es ist keinesfalls die heimische Presse, die Stil und Klima der bisherigen Auseinandersetzung zu verantworten hat! Petra Roth, langjährige Frankfurter Oberbürgermeisterin, hat übrigens den Redakteur einer Frankfurter Zeitung, der ihre Politik ständig kritisch kommentierte, zu ihrem Pressesprecher und Grundsatzreferent gemacht. Dazu gehörte Mut, Offenheit, und Suveränität. Diese Eigenschaften wünsche ich auch den Hersfelder Kontrahenten!

Dr. Sigmar Gleiser
Lullusstrasse 7
Bad Hersfeld

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