Ungenierte Hetze lehrt das Gruseln

Thema: Fehlings-Facebook-Eintrag - Es ist völlig ohne Belang, ob Fehling als Privatmann oder als Bürgermeister diesen verantwortungslosen Facebook-Kommentar verfasst hat. Es ist in jedem Fall beschämend, wie bedenkenlos Lokalpolitiker auf den Zug der medialen Empörungshysterie aufspringen.

Ich will keineswegs die Vorgänge in Köln verharmlosen. Aber es geht nicht an, Flüchtlinge als Drückeberger zu titulieren, weil sie vor dem Krieg in ihrer Heimat geflohen sind - selbst die nicht, die hier kriminelle Handlungen begangen haben. Ganz klar: das, was in Köln an Schändlichkeiten passierte, muss und wird bestraft werden, ungeachtet der Herkunft oder Situation der Täter. Wenn nun aber Fehling als Reaktion auf die Kritik an seiner verbalen Entgleisung zurückrudert und die „guten“ Flüchtlinge nur dort sieht, wo sie sich an unsere ach so tolerante Gesellschaft anpassen, sollte man einmal überlegen, welche Gepflogenheiten bei unseren eigenen Landsleuten toleriert werden. Eine Fahrt im Nahverkehrszug, der von einer Horde von alkoholisierten Eintracht-Fans regelrecht terrorisiert wird, ist den Medien keine Meldung mehr wert, da sie jeder wohl einmal erlebt hat. Oder: wer einen Spieler der gegnerischen Mannschaft nach einem Foul als „schwule Sau“ bezeichnet, wird kaum mit einem Platzverweis rechnen müssen. Und wie sieht es hierzulande aus mit der Achtung der Frauenrechte, wenn es um faire Entlohnung und Karrierechancen geht? Immerhin dürfen Frauen auch bei uns seit einiger Zeit ein eigenes Konto führen und einem Beruf nachgehen, ohne ihren Gatten vorher um Zustimmung bitten zu müssen. Welche Normen gäbe es sonst noch, an die sich bitte schön die Neuankömmlinge zu orientieren hätten? Da wäre die freie Fahrt für den freien Bürger zu nennen: Jede Autobahnfahrt dürfte da die Neubürger beeindrucken, wenn sie sehen, mit welcher Rücksichtnahme Leib und Leben der anderen bei Tempo 230 geachtet werden. Worauf ich hinaus will: Es ist natürlich erstrebenswert, dass sich möglichst viele, die hier eine neue Heimat suchen, diese auch innerlich akzeptieren. Aber wir sollten endlich damit aufhören, unsere Spießermentalität als Maß für wahrhaft humanitäres Denken und Handeln zu setzen, so als sei die deutsche Seele nach der Aufarbeitung des Massenmordes an Juden und anderen ausreichend geläutert. Die ungenierte Pegida-Hetze gegen Andersgläubige lehrt einen wieder das Gruseln. Also auf nach Dresden, wo wir alle - um es mit den Worten des Bürgermeisters zu sagen - für unser Land und unsere Familie kämpfen können, indem wir uns der immer brauner werdenden Flut entgegenstellen!

Rainer Lehn
Breitenbach

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