Der Deal mit dem himmlischen Kind

Thema: Energiewende - Die Energiewende ist da und es gibt für ihre Umsetzung vor Ort auch noch Subventionen - …da simma dabei, das ist priiima, viva Windenergie… - mal ganz im Ernst, dies ist eine wirklich begrüßenswerte Entwicklung zugunsten der Umwelt und zukünftiger Generationen.

Das Für und Wider von Windparks und deren Standorte muss aber bei jedem dieser Projekte fachlich diskutiert und abgewogen werden – und zwar bevor die ersten Verträge geschlossen werden. Im Fall des Windparks auf dem Wehneberg ist es wohl genau umgekehrt gelaufen. Noch ist aber Zeit einzusehen, dass dieser Standort aus ökonomischer Sicht (Stichwort Windkapazität) grenzwertig und aus ökologischer Sicht geradezu kontraproduktiv ist. Zur ökologischen Verträglichkeit dieses Windparks wird sicher auch noch ein Gutachten veröffentlicht, wobei aber auch hier - wie immer - der Auftraggeber der Studie beachtet werden sollte. Fakt ist allerdings schon seit langem, dass die Bürger der Stadt diesen Wald zu recht so schätzen wie er sich heute noch darstellt: ein wertvoller alter Buchenmischwald, der als ökologisch intaktes Refugium in einer zunehmend flächenversiegelten Umgebung steht und damit auch als wertvolles Naherholungsgebiet fungiert. Für solche Naturräume ist Waldhessen im Allgemeinen und das Umfeld von Bad Hersfeld im Besonderen bekannt und so sollte es auch bleiben. Sicher, der Wald am Wehneberg würde nicht vollständig zerstört, aber nicht nur der Auf- und der spätere Rückbau der Anlagen, sondern auch ihr Betrieb hätten zahlreiche negative Konsequenzen in Bezug auf die natürlichen Lebensgemeinschaften dieses artenreichen Habitats am Stadtrand. Angesichts der Übergröße und der extremen Höhe dieser neuen Generation von Windkraftrotoren ist den Bürgern aller Teile der Stadt sicherlich ebenfalls längst klargeworden, dass die geplante Windkraftanlage nicht nur Kraniche im Überflug gefährden kann, sondern auch das Stadtbild von Bad Hersfeld dominieren und nachhaltig prägen würde.

Es ist sicher kein Problem die für die Umsetzung der Energiewende notwendigen Standorte für Windkraftanlagen in Hessen zu finden, nämlich jene, die im Gegensatz zum Wehneberg, sowohl über ausreichend Wind verfügen als auch ökologisch unproblematisch sind. Dort sollen sie auch errichtet werden und das hat mit dem oft zitierten Sankt- Florians-Prinzip herzlich wenig zu tun. Bei dem geplanten Windpark handelt es sich offensichtlich um ein Model, dass auch ökonomisch auf so wackeligen Füßen steht, dass jeder Privatinvestor ohne Subventionen schnell Abstand davon nehmen würde – allein die Kassen der Stadt hätten einen klar berechenbaren Vorteil. Sollte sich die Stadt Bad Hersfeld angesichts der zahlreichen Nachteile des Standortes Wehneberg gegen die Errichtung des Windparks und die damit verbundenen Einnahmen in sechsstelliger Höhe entscheiden, hielte ich dies für eine anerkennenswerte weil weitsichtige und kluge Entscheidung zugunsten eines der auch bei uns immer weniger werdenden ökologisch intakten Waldgebiete. Davon würden nicht nur der hier vorkommende Rotmilan und zahlreiche andere heimische Arten profitieren, sondern insbesondere auch die hier lebenden Menschen.

Dr. Thomas Ziegler
Biologe, Göttingen

PS: Zum Schutz des in der aktuellen Diskussion häufig beispielhaft erwähnten Rotmilans, der schon 2002 auf die Vorwarnliste der IUCN gesetzt wurde und dessen Weltbestand zu über 50% in Deutschland (überwiegend Ostdeutschland) lebt, fordert auch der NABU: „Brutgebiete und Winterschlafplätze des Rotmilans (oftmals Ansammlungen von mehreren Hundert Vögeln) müssen von Planungen von Windkraftanlagen konsequent ausgeschlossen bleiben.“

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