Zu Verbündeten werden für Patrice

Thema: „Eine Schule für Patrice“, HZ vom 8. Dezember 2012 - Auch ich bin Mutter eines schwer mehrfach behinderten Sohnes (...). Mein Sohn ist bereits 34 Jahre alt und der Schulzeit entwachsen. Zu berichten was ich in diesen 34 Jahren bezüglich meiner Anliegen auf seine adäquate Förderung und Sicherung seiner Lebensqualität erfahren und erkämpfen musste würde einen Roman füllen. Daher will ich auch nicht weiter ins Detail gehen sondern mich zur Sache äußern.

In Ihrem Artikel wird mehrfach betont, dass eine angebotene Mediation zur Sache von den Eltern abgelehnt wurde. Auf der Grundlage meiner Erfahrungen bin ich mir jedoch sicher, dass es von Seiten der Eltern hierfür gute Gründe gibt. Des Weiteren wird darauf verwiesen es sei ja ein Platz vorhanden. Unabhängig davon das es sich bei diesem Platz wohl mehr um einen Schleudersitz handelt, darf auch ein behinderter Mensch seinen Anspruch auf den „richtigen“ Platz anmelden. Die Eltern haben dies stellvertretend getan und sich damit verantwortungsvoll und vorausschauend für ihr Kind eingesetzt.

Ein so schwer behindertes Kind ist dringend auf ein stabiles Umfeld angewiesen, um sich weiterentwickeln zu können. Häufiger Wechsel von wichtigen Bezugspersonen kann dieses Gefüge empfindlich stören, da das Kind weder über ausreichende verbale Möglichkeiten verfügt seine Ängste oder Befindlichkeiten zu äußern, noch dazu die nötige intellektuelle Verarbeitung und Umsetzung schlicht nicht möglich ist. Bemerkt man, dass ein System nicht geeignet ist und zusätzliche Störungen auftreten, sollte man dies zum Wohle des Kindes verändern und nach anderen Lösungen suchen.

Jede zusätzlich erworbene Verhaltensauffälligkeit zieht enorme Konsequenzen nach sich. Die Familie ist zunächst (und häufig für immer) die einzig sichere Konstante im Leben eines schwer behinderten Menschen, so wird sie auch mit jeder weiteren Störung primär belastet sein und Rückschritte wieder auffangen müssen. Dies betrifft die Eltern und auch die Geschwisterkinder unter Umständen sehr extrem, ein „normales“ Alltagsleben ist dann nicht mehr gegeben. Nicht selten zerbrechen Familien an dieser Aufgabe, die Notwendigkeit der dauerhaften Präsenz und Zuwendung kostet unglaubliche Kräfte. In der Regel muss ohnehin das gesamte weitere Leben auf das behinderte Familienmitglied ausgerichtet werden. Pausen sind nicht vorgesehen. Es wäre wünschenswert und sinnvoll, wenn alle Mitwirkenden (Eltern, BetreuerInnen, LehrerInnen) zu Verbündeten werden könnten, um die für die Entwicklung notwendigen und durchführbaren Maßnahmen zu sondieren und zum Wohle von Patrice und anderen behinderten Kindern - unabhängig von politischen Hindernissen - die bestmögliche Lösung anzustreben. (...)

Reinhild Zuschlag
Bornweg 14
Hauneck

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