Von einem, der auszog, uns das Fürchten zu lehren ...

Thema: Bürgermeister Thomas Fehling - Es war einmal im kleinen, verschlafenen Hersfeld. ... Da sollten die netten, zufriedenen Bürger einen neuen kleinen König wählen. Oja, sagten viele zu mir: der Herr Informatiker, das ist der Richtige! Der ist Hersfelder, der liebt seine Stadt und wird uns ganz bestimmt viel Gutes bescheren.

... Na ja sagte ich: davon gibt es doch viele ... Hersfelder, die ihre Stadt lieben! Mit der Erwartung, das einem gutes getan wird - sagte mein Bauch - sollte man eher vorsichtig sein. ... Erstmal muss er doch seinen Beruf können, sich mit seinem Städtchen identifizieren, anständig verwalten, regieren ... und so. Und es kam, wie es kommen musste: der kleine Informatiker-Prinz wurde König in unserem Städtchen. Lange, lange Zeit saß er wohl auf seinem Thron und überlegte und überlegte. Dann erschien er überall und in der Zeitung ... ich dachte: na ja, jetzt schaut er, was Gutes zu tun ist und liebt sein Hersfeld dabei. ... Doch dann auf einmal, er muss wohl das Märchen verwechselt haben (Froschkönig?, ) begann er den Froschtümpel in unserer Stadt trockenzulegen. ... Frösche, so nannte er alle Hersfelder, die bislang für unser Städtchen gearbeitet hatten, er warf alle raus, die ihm nicht gefielen, schließlich hatten sie ihre Arbeit lange genug gut erledigt, jetzt sollten mal die ran, die von dieser Arbeit noch keine Ahnung hatten ... so geht Demokratie im Königreich! Mich verwirrt dieses Tun! Die jedes Jahr hier durch die Stadt ziehende Schauspielertruppe mit ihrem Chef, die bringt zu viel Unruhe, Geld und fremde Menschen in unser Städtchen, da kann er nicht in Ruhe seinem Beruf frönen: dem Nachrechnen. Und wo er schon einmal dabei war: diese vielen Bürger, die für irgendwas in so genannten Vereinen, Buchcafes und sonstigen anrüchigen Zusammenschlüssen agieren, die braucht unser Städtchen auch nicht. ... Schließlich hat es das Nachbarstädten Rotenburg auch geschafft: alles, was fremde Leute anzieht, schließen, dann hat man seine Ruhe! Das alles müssen die Stadtherolde aber geschickter Weise immerfort laut in die Welt posaunen, so dass auch alle Nachbarreiche mitbekommen, was hier in Hersfeld gewünscht wird, vom Regierenden wohlgemerkt ..., denn die Hersfelder werden dabei immer trauriger. ... Keiner sagt mal zu mir: Siehste, ich hab dir gleich gesagt: das ist der Richtige! Der Herr König rechnet derweil: Die Stadt muss sparen, also streichen wir hier und streichen wir da ... und wenn wir genug gestrichen haben, bauen wir unserem kleinen König vom Ersparten einen Sportpark, wozu immer das gut sein soll ... aber ja: das ist es! Jeder König muss sich doch ein Denkmal setzen! Um das Ganze richtig zu machen, reisst er dann gleich das Denkmal des Vorgängers ein: ein schöner Kurpark, im dem lästig viele Leute herumflanieren, das braucht unser kleiner König auch nicht! Aber verdient er das Denkmal nicht erst, wenn er lange mit guter Hand und zum Wohle seiner Bürger regiert hat? Langsam wird mit bang ums Herz, einen guten König hatte ich mir anders vorgestellt. Aber da der König davon träumt, auch weiterhin König zu bleiben, befürchte ich, wird dann die Zeit kommen, wo auch wir Bürger dem König lästig werden ... und dann heisst es: „DER LETZTE MACHT DAS LICHT AUS“ oder: Goodbye schönes kleines Hersfeld, du darfst jetzt in den „Dornröschen-Schlaf“ sinken. ... 

Hertha Stiel
Bahnhofstraße
7a Bad Hersfeld

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