Moderne Schandflecke

Thema: „Plötzlich war's ein Denkmal“, HZ vom 9. Dezember 2011 - Den für Hersfeld zuständigen Denkmalschützern kann man nur gratulieren, dass sie es rechtzeitig schafften, die Häuser in der Oberen Frauenstraße nicht nur unter Ensembleschutz, sondern teilweise sogar unter Denkmalschutz (geschütztes Einzeldenkmal) zu stellen.

Ich bin in Hersfeld aufgewachsen und sehe mit Argwohn immer wieder alte und neue Bausünden. Natürlich lässt sich über Geschmack streiten: Sind Uffhäuser Straße, Stadtbücherei oder die Parkgestaltung am Frauentor gelungene architektonische Konzepte? Und musste die in Draht verpackte zusätzliche Mauer vor der historischen Stadtmauer an der Stiftsruine wirklich sein, wozu eigentlich? Es wäre doch schade, wenn altertümliche Straßenzüge durch Neubauten ihren Charakter verlieren. Wenn Fassaden mit ihren Fenstern wie auch die Anordnung der Giebel einer schon in der Planung erkennbar modernistischen Bebauung zum Opfer fielen? Noch dazu im Stadtkern. In der Oberen Frauenstraße hat in unmittelbarer Nachbarschaft des Neubauvorhabens ein Eigentümer sein Fachwerkhaus stilerhaltend renoviert und scheinbar nicht nur die Rentabilität seines Grundstücks im Sinn gehabt. Dieses Vorbild sollte nicht durch Abriss und Neubauten auf angrenzenden Grundstücken Missachtung erfahren. Ein „Schandfleck“ (HZ vom 9. Dezember 2011) lässt sich auch durch Renovierung beseitigen.

Sollte eine Fachwerkstadt wie Hersfeld, die mit ihrer Stiftsruine ein Besuchermagnet sein möchte, nicht nachdrücklich die Erhaltung und klassische Renovierung historischer Bausubstanz zu ihrem Leitmotiv machen? Es gibt doch um den Marktplatz herum schon genügend „moderne Schandflecke“.

Marion Schafft
Hamburg

Kommentare