Interessante Parallelen

Thema: Gauck soll Bundespräsident werden - Im Februar 2012 spricht der Bürgerrechtler Dr. Joachim Gauck beim Sparkassenforum in Rotenburg zum Thema Freiheit – Im März 2012 wird der „Kandidat der Herzen“ mit großer Wahrscheinlichkeit zum Bundespräsidenten gewählt.

Diese Ereignisse veranlassen mich, an einen anderen Humanisten, Christen und kämpferischen Demokraten zu erinnern, der im November 1958 in Rotenburg eine bewegende Rede zum Volkstrauertag hielt – und 1969 zum Bundespräsidenten gewählt wurde: Dr. Gustav Heinemann.

Unter der Überschrift „Heinemann: Haß und Neid dämpfen“ berichtete der „Fulda-Bote“ am 18. November 1958 über die eindrucksvolle Rede im Hotel Gesemann. „Wir, die wir heute leben, sind noch einmal davongekommen“, betonte Dr. Heinemann damals, 13 Jahre nach dem Inferno des Zweiten Weltkrieges. „Haben wir das verdient? Nur der Gnade Gottes ist das zu verdanken, und damit stehen wir vor einer Aufgabe, uns zu besinnen und anderen zur Besinnung zu verhelfen, dass sich das nicht wiederholt, was hinter uns liegt“. Dr. Heinemann rief zur Achtung vor dem anderen auf – Achtung auch vor seiner Meinung, wobei keineswegs der echte Meinungsstreit verschwinden müsse. Eindringlich müsse man hoffen, dass den Völkern der Friede erhalten bleibe: „Wir können einen Teil dazu beitragen, wenn wir Haß und Selbstgefälligkeit, Neid und Missgunst in uns dämpfen. Unsere ganze Kraft müssen wir ferner darauf richten, dass unsere Gemeinschaft erfüllt ist von Gerechtigkeit“. Ist das nicht eine interessante Parallele: Im November 1958 ruft Dr. Heinemann, der spätere „Bürgerpräsident“, in Rotenburg zu Toleranz, zum Kampf für Frieden und Gerechtigkeit auf. Und im Februar 2012 appelliert der Bürgerrechtler Dr. Gauck in Rotenburg an die Deutschen, ihre Freiheitsrechte wahrzunehmen. Ich hoffe, dass ein Bundespräsident Joachim Gauck die – oft beklagte – Kluft zwischen Bevölkerung und Politik wieder schließen kann.

Wilfried Pfister

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