Das Eigentliche im Kleingedruckten

Thema: Verfehlungen der Präsidenten - Just an dem Tage (15. Dezember 2011), an dem die HZ meldet, dass es für Silvio Berlusconi vor Gericht eng wird – es geht um seinen liederlichen Lebenswandel, soweit er justiziabel ist – just in diesem Augenblick konnte man erfahren, dass Frankreichs J. Chirac zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde.

Ihn hat seine Vergangenheit als Bürgermeister von Paris eingeholt. Damals hat er Leute auf die Gehaltsliste bugsiert, die dort gar nicht angestellt waren. (...)

Bei uns muss sich gegenwärtig der Bundespräsident drängenden Fragen und Verdächtigungen stellen. Und da passiert Folgendes. In einer Nachrichtensendung des Fernsehens wird der Schmäh, der von Vertretern der Oppositionsparteien und interessierten journalistischen Kreisen ausgestoßen wurde, erzählt. Und dann die Bemerkung: „Worum es eigentlich geht“, können Sie bei uns unter www... lesen. Das war für mich eine neue Erfahrung, dass Journalisten das „Eigentliche“ ins Kleingedruckte verweisen. Oder ist das, „worum es eigentlich geht“, so an den Haaren herbeigezogen, dass man es einfach nicht überzeugend erklären kann? Nein, justiziabel sei das nicht, was sich der erste Mann im Staate da geleistet habe, als er noch nicht war, was er jetzt ist, so konnte man lesen.

Und dann erfindet man eine Sondermoral für Bundespräsidenten. Das sind eben bei uns so die Machtspielchen, die bei mir die Politikverdrossenheit kräftig mästen. Glückliches Italien! Glückliches Frankreich! Bei euren Skandalen weiß man wenigstens, woran man ist, „worum es eigentlich geht“, kann man bei euch klar benennen. Einer der Kommentatoren der HZ hat zu Recht auf Bundespräsident Köhler hingewiesen. Schwupp, war er weg. Wenn man versucht, sich in die Rolle eines Politikers zu versetzen, kann ich schon verstehen, dass einer sagt: Das muss ich mir nicht antun.

Reinhold Schimmelpfennig
Lindigstraße 
Heringen

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