Ist das artgerecht

Thema: „Legehennen droht Tötung“, HZ vom 31. Dezember 2011 - Es ist traurig, dass einige rückständige EU-Staaten unsere Tierschutz-Richtlinien in der Hühnerhaltung umgehen. Wir dagegen schenken hier jedem Tier schon seit zwei Jahren großzügig Platz in DIN-A4-Größe.

Aber dass ältere Hennen dort nun zu Suppenhühnern verarbeitet werden sollen, zeigt das Festhalten am antiquierten Prinzip „Zweinutzungshuhn“: Eierproduzenten, die später auch Fleisch liefern.

Über solch mittelalterliche Methoden können wir hier nur staunen! Durch unsere Zuchterfolge entstanden längst spezialisierte Hühnerrassen entweder für die Eierproduktion oder für die Mast.

Unsere Hochleistungs-Legehennen haben ihre Leistung in den letzten 60 Jahren verdoppelt auf nun 300 Eier pro Jahr. Aber auch bei stengster Diät möchte sich doch niemand solch ein ausgemergeltes Viech in die Suppe schneiden! Oder würde sich ein Sumoringer von einem Langstreckenläufer vertreten lassen? Nein, unsere Mastrassen setzen viel effektiver Fleisch an. Mit einem Antibiotika-Mix bleiben sie gesund und sind schon nach einem Monat schlachtreif. Der Verbraucher kann sich über unschlagbare Preise freuen. Bei der Aufzucht unserer Legehennen entstehen leider auch männliche Küken, die natürlich unbrauchbar sind. Aber wir haben deren Beseitigung im Griff: Gleich nach dem Schlüpfen werden sie automatisch aussortiert und sofort geschreddert oder in CO 2 versenkt, völlig schmerzfrei natürlich. Allein in Hessen entsorgen wir jährlich ca. 12 Millionen dieser überflüssigen Eintagsküken, eine logistische Meisterleistung!

Unsere Hühner leben längst nicht mehr qualvoll in Legebatterien. In unseren modernen Ställen mit gepflegten Böden und automatischer Fütterung können sie sich das altmodische Scharren und Picken sparen. Statt ihr Leben aber einfach zu genießen, zeigen sie sich oft undankbar. Sie vergnügen sich damit, Artgenossen Federn auszureißen und sogar Happen für Happen aufzufressen. Kanibalismus im Hochleistungsstall - ist das nicht furchtbar? Welch sinnlose Vernichtung hochwertigen Zuchtmaterials! Wir arbeiten fieberhaft daran, das verantwortliche Gen heraus zu züchten. Vorläufig kupieren wir mit einem heißen Draht die Schnäbel, um die armen Tiere zu schützen. Die Zucht bietet heute fantastische Möglichkeiten! Wozu braucht ein Huhn Federn, Flügel, Beine oder ein Schmerzempfinden? Das könnte man alles wegzüchten. Es bleiben also noch Optimierungsmöglichkeiten. Jedoch können wir mit Recht stolz darauf sein, endlich für unsere Hühner eine artgerechte Tierhaltung erreicht zu haben!

Regina Wenzel
Güldene Kammer 20
Bad Hersfeld

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