Lesermeinung

Frauen müssen das Schweigen brechen

Thema: Sexualisierte Gewalt und Machtmissbrauch

In der letzten Zeit wurden wir konfrontiert mit dem Thema sexualisierte Gewalt und Machtmissbrauch in der Theater-und Filmbranche. Dieses Mal kommen die Meldungen nicht aus den USA, sondern aus Deutschland, und in besonderem Maße betrifft es die Festspielstadt Bad Hersfeld.

Drei Frauen, (ehemalige) Schauspielerinnen, treten an die Öffentlichkeit und haben den Mut, über sexualisierte Übergriffe und, in einem Fall, über Vergewaltigung in den 90er Jahren zu berichten. Die schweren Vorwürfe treffen den Intendanten der Bad Hersfelder Festspiele, Dieter Wedel, der diese dementiert. Beide Seiten unterstreichen ihre Aussagen mit eidesstattlichen Versicherungen. Da sexualisierte Gewalt in der Regel ohne Zeugen in heimischen Schlafzimmern oder – wie hier in Hotelzimmern – passiert, wird weder Schuld noch Unschuld beweisbar sein.

Eine Anzeige ist nach mehr als 20 Jahren nicht mehr möglich. Und trotzdem: Es gehört Mut dazu, an die Öffentlichkeit zu treten und über Vergewaltigung und sexualisierte Übergriffe zu berichten. Bedeuten diese doch „eine massive Verletzung der Selbstbestimmung des Opfers und haben oft gravierende psychische Folgen. (...)

Eine Vergewaltigung verletzt das Menschenrecht auf sexuelle Selbstbestimmung.“ (aus Art. 36 der Istanbul-Konvention) Geht das Trauma eines sexuellen Übergriffs oder einer Vergewaltigung mit Machtmissbrauch einher, so ist es für eine Frau (sowie auch für einen Mann) sehr schwer und oftmals eine Überforderung, zur Polizei zu gehen, eine Anzeige zu erstatten und den juristischen Weg zu beschreiten. Oft erscheint Verdrängen und Ausblenden der bessere Weg. Scham und Selbstanklagen sind regelmäßige Begleiter.

Viele Betroffene leiden unter posttraumatischen Belastungsstörungen. Soll heißen: Nach solch einem traumatisierenden Übergriff ist es „normal“, dass nichts mehr normal und selbstverständlich ist. Oft vergehen viele Jahre, bis Frauen und auch Männer sich an dieses Thema heranwagen. MeToo kann als ein Weg der Befreiung begriffen werden. Als Signal gegen Machtmissbrauch. Als Aufforderung, Schweigen, Scham und Angst zu durchbrechen.

Das Wissen, nicht alleine dazustehen, macht stark und fördert Heilung! So ist es wichtig, dass Frauen aufstehen, laut werden, anklagen, um auf sexualisierte Gewalt aufmerksam zu machen. Unterstützung ist wichtig von jeder Frau, jedem Mann, die/der von solch einem Unrecht erfährt und Zeuge wird von sexualisierten Übergriffen. Das Thema sollte offensiv angegangen werden von Trägern und Verantwortlichen für Theater und Film. Schauspielerinnen haben das Recht auf eine Anlauf- und Beschwerdestelle, die eingerichtet wird, um in Fällen sexualisierter Übergriffe Hilfe und Unterstützung zu finden.

Sabine Schütt-Dörrbeck

Mitarbeiterin des Vereins Frauen helfen Frauen Bad Hersfeld

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