Entertainer vor Gericht

Strafprozess gegen Bill Cosby wegen sexueller Übergriffe

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Keshia Knight Pulliam stand mit Bill Cosby vor der Kamera. Foto: Matt Rourke

Mehr als zehn Jahre sind die Vorwürfe alt, doch nun holen sie Bill Cosby wieder ein: Was geschah zwischen dem US-Entertainer und Andrea Constand an einem Abend im Januar 2004? Zwölf Geschworene müssen entscheiden, ob der Schauspieler tatsächlich ins Gefängnis muss.

Norristown (dpa)- Nach Dutzenden Vorwürfen wegen mutmaßlicher sexueller Übergriffe gegen Bill Cosby hat in Norristown im US-Staat Pennsylvania der erste Strafprozess gegen den Schauspieler und Entertainer begonnen.

Cosby erschien am Montag im dunklen Anzug mit Gehstock und ging lächelnd langsamen Schrittes zum Eingang des Gerichtsgebäudes. Dabei hakte er sich bei einem Assistenten und Keisha Knight Pulliam unter, seiner fiktiven Tochter Rudy aus der TV-Sitcom "Die Bill Cosby Show", die in den 1980er und 90er Jahren Millionen Fans in den USA und auch in Deutschland verfolgten.

In dem zwei bis drei Wochen dauernden Verfahren geht es um Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs einer ehemaligen Universitätsangestellten. Die Geschworenen-Jury besteht aus sieben Männern und fünf Frauen. Bei einer Verurteilung drohen dem 79-Jährigen mehrere Jahre Gefängnis.

Cosby selbst hat angekündigt, nicht auszusagen. Insgesamt werfen ihm mindestens 60 Frauen sexuellen Missbrauch vor, diese Vorwürfe sind aber nicht Gegenstand des laufenden Verfahrens.

"Vertrauen, Verrat und die Unfähigkeit, zuzustimmen - darum geht es in diesem Fall", sagte Staatsanwältin Kristen Feden in ihrem Eröffnungsplädoyer. "Dieser Fall handelt von einem Mann, der seine Macht, seinen Ruhm und seine zuvor geübten Methoden benutzte, um eine junge Frau in einen handlungsunfähigen Zustand zu versetzen, damit er sich sexuell vergnügen kann." Cosby, der eigener Aussage zufolge inzwischen blind ist, saß zwischen seinen Verteidigern und hörte aufmerksam zu.

Sein Anwalt Brian McMonagle beschrieb Cosby als beliebten Comedian, der mit seinen Gags viele Menschen zum Lachen gebracht habe. Die klagende Andrea Constand habe bei der Polizei, der sie die Vorfälle erst ein Jahr nach den mutmaßlichen Übergriffen schilderte, zudem widersprüchliche Angaben gemacht. So habe sie Ermittlern etwa gesagt, ihn nach jener Nacht im Januar 2004 nicht mehr kontaktiert zu haben, ihn tatsächlich aber mehr als 50 Mal angerufen. Teils hätten die beiden dann 30 oder 40 Minuten miteinander gesprochen.

Mangels materieller Beweismittel des 13 Jahre alten Vorfalls dürften vor allem Constands Aussagen und ihre Befragung durch Cosbys Verteidiger ein Höhepunkt des Verfahrens bilden. Auch Constands Mutter sowie eine Frau, die von Cosby in einem ähnlich gelagerten Fall sexuell genötigt worden sein soll, werden als Zeugen erwartet. Zudem sind Cosbys Aussagen von 2005 und 2006 aus einem Zivilverfahren als Beweismittel zugelassen, nach dem er und Constand sich außergerichtlich geeinigt hatten.

Richter Steven O'Neill hatte die Jury vor Beginn der Verhandlung eine Stunde lang belehrt und dabei verdeutlicht, dass Cosby als unschuldig gelte, bis das Gegenteil bewiesen sei.

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