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„Sowas noch nie erlebt“: Schlagerstar Giovanni Zarrella verrät exklusiv, warum er bei Billie Eilish war

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Von: Jonas Erbas

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Giovanni Zarrella hat sich innerhalb der letzten Jahre vom Popsänger zu einem der gefragtesten Schlagerstars des Landes hochgearbeitet. Im Ippen.Media-Interview spricht der 45-Jährige über sein neues Album „Per Sempre“, wie er mit Kritik umgeht und dass er früher gern ein Backstreet Boy gewesen wäre. Auch für seine anstehende Tour scheint er bestens vorbereitet.

München - In den kommenden Wochen und Monaten wird bei Giovanni Zarrella wohl keine Langeweile aufkommen: Der Schlagerstar veröffentlicht am 19. August seine neue Platte „Per Sempre“, den bis dato letzten Teil seiner Albumtrilogie. Ab September geht es für den ehemaligen Bro‘Sis-Sänger dann auf große Tour. Im Interview mit Ippen.Media (weitere tolle Interviews im Überblick) spricht der 44-Jährige über die Produktion seines neuen Albums, Kritik an zu vielen Schlagershows im TV und wie ihn eine Billie-Eilish-Konzert inspirierte.

Giovanni Zarrella entwickelte sich vom Pop- zum Schlagerstar – „Will einfach das zeigen, was ich bin“

Giovanni, du hast dich in den vergangenen Jahren zu einem der größten Schlagerstars des Landes hochgearbeitet. Was hat sich – insbesondere verglichen mit der Zeit davor – während dieses Werdegangs für dich verändert?

Die größte und wichtigste Veränderung – nur vom Gefühl her – war, dass ich nach der Zeit mit Bro‘Sis nach mir gesucht habe, musikalisch und auch künstlerisch. Und dass ich da innerlich sehr unruhig war, weil ich einfach nicht wusste, wo ich hingehöre, wer ich bin und warum es mir nicht gelingt, auch als Solokünstler erfolgreich Musik zu machen. Das war sicherlich ein schweres Gewicht, das ich mit mir herumgetragen habe, wie Ketten an den Füßen.

Weil ich das Gefühl hatte, alleine wollen mich die Leute nicht. Die größte Veränderung an diesem Erfolg war der Moment, als ich endlich gespürt habe, auch alleine eine Daseinsberechtigung zu haben – nicht nur mit einer Band. Das ist sicherlich die schönste und wichtigste von allen Erkenntnissen bisher gewesen.

Das hängt natürlich ganz stark damit zusammen, dass du jetzt auch musikalisch deine ganz eigene Nische gefunden hast. Bist du damit als Künstler endlich dort angekommen, wo du hingehörst?

Auf jeden Fall. Ich habe das allerdings nie in Genre unterteilt. Ich habe nicht einfach beschlossen, jetzt Schlager zu machen. Ich habe gesagt, ich will jetzt große deutsche Hits auf Italienisch singen. Und Deutschland hat einfach fantastische Schlagersongs, aber natürlich auch große Pop-Nummern. Die Lieder, die wirklich eine gewisse Nostalgie, eine Melancholie oder auch eine Sehnsucht in sich tragen, sind allerdings schon die großen Schlagerhits.

Ich habe mir auch nie Gedanken darüber gemacht, dass ich jetzt dieses oder jenes Genre anspielen muss, sondern zu mir irgendwann einfach selbst gesagt: ‚Komm, ich will einfach das zeigen, was ich bin!‘ Ich bin ein Italo-Deutscher, der mit diesen beiden Kulturen und mit diesen beiden Ländern im Herzen groß geworden ist und so auch seine Kinder erzieht. Das wollte ich auf eine Platte bringen – und das war dann letztendlich mein Glücksbringer!

Weitere spannende Interviews aus und über die Schlagerwelt gibt es hier:

Kritik ist für Giovanni Zarrella „völlig in Ordnung“ – gibt es zu wenige Musik- und Schlagershows im TV?

Viel Ruhm, das Stehen in der Öffentlichkeit und natürlich auch ein dementsprechend größeres Publikum können aber auch so manche Tücke mit sich bringen. Gab es auch Schattenseiten, die mit deinem Aufstieg kamen?

Ich habe die Schattenseiten eher in der Zeit gesehen, in der ich nach mir gesucht habe – wo ich nicht zufrieden war, wo ich nicht wusste, was ich machen soll, wo ich keine Ahnung hatte, wie ich ansetzen soll, welcher Produzent überhaupt Lust hat, mit mir zu arbeiten oder welche Plattenfirma mir überhaupt einen Deal geben würde. Das war sogar eine Schattenzeit für mich!

Aber seit sich das geändert hat, bin einfach dankbar dafür, dass ich jetzt Musik für so viele Menschen machen darf. Und dass es Kritik an Dingen gibt, die man tut, vor allem wenn man viele Menschen erreicht, ist völlig normal und auch richtig. Das passiert mit der Musik, das passiert in der TV-Show, das kann mit allem passieren. Denn Menschen, die eine Kunst darbieten, geben immer eine Fläche für Kritik ab – und das ist auch völlig in Ordnung!

Deine TV-Show hat sich bereits als Quotenhit bewiesen, gleichzeitig werden aber immer wieder Stimmen laut, die kritisieren, es gäbe jetzt im deutschen Fernsehen gerade im Vergleich zu anderen Genres zu viele Schlagershows, in denen dann auch oftmals die gleichen Gästen auftauchen. Kannst du diese Kritik nachvollziehen?

Mein Wunsch war es, eine Sendung zu kreieren, ohne sich an einer bestimmten Musikrichtung festzuklammern. Und dass das klappt, haben wir bereits bewiesen: Wir hatten Gäste wie Michael Bublé, Wincent Weiss, Max Giesinger, Sonja Liebing, Roland Kaiser oder Al Bano. Wir versuchen immer, für jede Show eine bunte Mischung an unterschiedlichsten Geschmäckern abzudecken.

Ich persönlich finde, es kann gar nicht genug Shows geben, in denen Musik präsentiert wird, weil es heutzutage eh schon viel zu wenige davon gibt. Als ich bei Bro‘Sis war, konntest du jeden Tag ins Fernsehen, um dort Musik zu machen: Du bist bei Stefan Raab gewesen oder in die „Harald Schmidt Show“ gegangen, konntest bei „Top of the Pops“, „The Dome“, oder der „Bravo Super Show“ auftreten – du konntest jeden Tag in eine Musikshow gehen!

Die gibt es heute leider alle nicht mehr. Ich ich verstehe die Kritik deswegen nicht. Ich freue mich über jeden Gast, der seine Musik präsentieren möchte, egal ob Newcomer oder Superstar. Wenn es ein toller Künstler ist, wäre es mir egal, ihn ein paar Wochen davor oder danach woanders zu sehen.

Giovanni Zarrella vor „Per Sempre“-Veröffentlichung – er schwärmt von Arbeit mit Schlagerproduzent

Du arbeitest seit einer Weile erfolgreich mit Christian Geller als Albumproduzenten zusammen und auch andere Stars, etwa Florian Silbereisen oder die No Angels, vertrauten auf sein Können. Was würdest du sagen, macht er so gut, dass er inzwischen derart erfolgreich in der deutschen Musikwelt mitmischt?

Christian weiß sehr gut, was ein Publikum gerne hören möchte und erkennt gleichzeitig genau, was ein Künstler eben diesem Publikum geben kann. Das macht er tatsächlich so gut wie kaum ein anderer. Da ist er wirklich einer der besten Produzenten Deutschlands. Welche Musik passt zu einem Künstler, welche Idee passt zu einem Künstler und und für welches Publikum ist das?

Darüber denkt er erst mal nach und fängt dann erst an, die Musik zu machen. Er hat wahrscheinlich keine drei Songs rumliegen, die er einfach mal so aus Spaß gemacht hat. Für jeden Künstler möchte er etwas ganz Besonderes machen und das zeichnet ihn einfach aus.

Hat sich in eurer Zusammenarbeit in Bezug auf dein kommendes Album „Per Sempre“ (VÖ: 19. August 2022) etwas verändert, wo ihr diesmal keine deutschen Schlagerhits, sondern große, internationale Pop-Hymnen neu interpretiert habt?

Da hat sich nichts geändert, weil die Idee durch und mit uns beiden entstanden ist. Wir wollten eine Trilogie schaffen: Die ersten beiden Alben waren deutsche Hits auf Italienisch und jetzt ist es das erste Mal, dass wir uns internationalen Songs widmen. Ich weiß nicht, ob dann noch ein viertes Album in diesem Stil dazukommt, aber wir wollten dieses Bild definitiv komplett machen - insbesondere mit Welthits, die mir etwas bedeuten, von Künstlern, die mich auf meinem Weg begleitet haben.

Ich habe dem Album Titel von ABBA, von George Michael, von Elton John, aber auch von den Backstreet Boys oder von Robbie Williams. Das sind alles Künstler, die mich über die Jahre begleitet haben, die mir hier und da auch mal eine Richtung aufgezeigt haben oder die ich mit etwas Bestimmtem verbinde. Wir haben da keine fünf Minuten überlegt: Wir haben ganz klar gesagt, so muss das dritte Album sein, das wir zusammen machen!

Schlagerproduzent Christian Geller neben Giovanni Zarrella
Christian Geller mischt seit Jahren erfolgreich im deutschen Schlagergeschäft mit, produzierte in seinem heimischen Studio in Andernach bereits für Stars wie Florian Silbereisen, Eloy de Jong, die No Angels, Thomas Anders oder eben Giovanni Zarrella © Screenshot/Instagram/Christian Geller

„Per Sempre“ hat für Giovanni Zarrella persönliche Bedeutung – „Zusammenhang zu mir und meinem Leben“

Du hast jüngst in einer Talkrunde erklärt, wie viel dir „Un Angelo“, dein Robbie-Williams-Cover von „Angels“, bedeutet. Gibt es da noch mehr Songs auf dem Album von denen du sagen würdest, dass sie eine derart emotionale Bedeutung für dich haben?

Auf jeden Fall: Ich habe mit Michael Bublé in meiner Sendung im April „Home “gesungen und wir haben diesen Song dann als Duett noch einmal für das Album aufgenommen. Michael hat sich für mich in den letzten zehn Jahren als mein absoluter Lieblingskünstler herauskristallisiert und jetzt singe ich meinen Lieblingssong von ihm mit meinem Lieblingskünstler für mein eigenes Album – das ist sicherlich etwas, was ich mein ganzes Leben nie vergessen werde!

Allein schon für diesen Moment ist es schön, dass ich mich dazu entschieden habe, Musik zu machen – und dass ich nie aufgehört habe, daran zu glauben, dass es weitergehen kann! Dann gibt es auf „Per Sempre“ noch „Non Puoi Lasciarmi Cosi“, die italienische Version von „Quit Playing Games“ von den Backstreet Boys – das war mir ganz wichtig!

Noch bevor ich bei Bro‘Sis war, so Ende der Neunziger, wollten meine Jungs und ich nämlich immer Backstreet Boys sein. Wir dachten uns, wenn dann bist du einfach der Größte: Die spielen coole Shows, die machen gute Musik, die kommen in der Welt herum, die sind einfach super beliebt. Wir dachten uns damals: ‚Alter, einmal Backstreet Boy sein, ist das Beste!‘ Und deswegen wollte ich unbedingt ein Song von denen dabei haben. Weil ich schmunzeln muss, wenn ich an diese Zeiten denke, als ich noch ein Teenager war.

Würdest du sagen, dass „Per Sempre“ dadurch persönlicher ist, als es die beiden vorangegangenen Alben waren?

Ich glaube, das sind alles drei unglaublich persönliche Alben. Auch bei den ersten beiden Alben sind schon sehr persönliche Titel dabei, die mir auch sehr wichtig waren. Bei „Per Sempre“ ist es aber vielleicht schon so, dass ich bei jedem Titel und bei jedem Künstler komplett darauf geachtet habe, dass es irgendwie in einem Zusammenhang zu mir und zu meinem Leben steht.

Giovanni Zarrella lobt Zusammenspiel von Castingshows und Schlager – „Passt zueinander!“

Du selbst kommst – dank Bro‘Sis – ja ursprünglich aus einer Castingshow. Inzwischen ist es ja so, dass derartige TV-Formate und insbesondere Schlager Hand in Hand gehen. Passt das zueinander und wie siehst du aus heutiger Sicht Castingshows als Karrieresprungbrett?

Ja, das passt zueinander! Ich finde, man sollte immer jede Möglichkeit nutzen, ja sogar suchen und finden finden, die einem die Möglichkeit gibt, sich zu präsentieren. Und manche sehen einfach auch keinen anderen Weg, als genau das über ein Casting zu tun. „Deutschland sucht den Superstar“ oder „The Voice of Germany“ sind tolle Schaufenster, in denen man zeigen kann, was in einem steckt.

Wenn man sich den Erfolg anschaut von Ramon Roselly, Pietro Lombardi, Beatrice Egli, Ross Antony, Wincent Weiss, Max Giesinger oder letztendlich auch bei mir – das sind ja alles Künstler, die ursprünglich aus Castingshows kommen, aber eine ganz unterschiedliche Basis haben. Bei mir war es so: Ich habe mein Geld zusammengekratzt, das ich bei meinen Eltern im Restaurant verdient habe, und bin damit ins Tonstudio, um Sachen aufzunehmen. Ein anderer war vielleicht Straßenmusiker und hat gesagt: ‚Heute gehe ich zu so einer Show!‘

Oder nimm Sandy von den No Angels: Sie hat in einer Boutique gearbeitet und dann einfach ihr Glück versucht unnd jetzt spielt sie mit ihrer Band auf der Parkbühne Wuhlheide vor 15.000 Menschen und zwar 22 Jahre, nachdem die Gruppe entstanden ist.

Das ist auch das Wichtigste, das ich meinen Kindern mitgeben möchte: Es ist egal, was sie machen wollen. Die müssen keine Musik machen, Profifußballer werden oder in irgendeinem Beruf landen, wo man sagt: ‚Ach, guck mal, der hat es geschafft!‘ Sie sollen wissen, was sie glücklich macht, aber auch dann auch alles dafür tun, genau das zu schaffen, an ihrem Traum zu arbeiten und an ihr Ziel zu glauben – es klappt nicht immer alles, aber deshalb geht es nicht nur bergab, sondern eben manchmal auch bergauf!

Du warst kürzlich auf dem Billie-Eilish-Konzert in Köln und schaust dir auch sonst gerne mal Shows anderer Künstler an. Gerade in Hinblick auf die Tatsache, dass du bald auch selbst wieder Konzerte gibst: Sind solche Abende ein reines Freizeitvergnügen oder holst du dir da auch mal Inspiration für die eigene Arbeit?

Ich hole mir da auch ganz klar Inspiration! Ich bin bei Billie Eilish wirklich zu 99 Prozent wegen meiner Tochter gewesen, weil ich es ihr versprochen habe. Ich muss sagen, ich bin gerade deswegen natürlich auch für den Spaß da gewesen, aber natürlich schaue ich mir ganz genau an, wie sie ihr Konzert gestaltet.

Und natürlich sehe ich, dass das eine fantastische Show ist, mit einem unglaublichen Zusammenspiel von Bühne, Licht, und Bildschirmen – was da passiert, ist sensationell! Auch der Sound: Sowas habe ich in der Lanxess-Arena noch nie gehört. Ich habe so viele Fotos und Videos gemacht, von den Momenten, die da entstanden sind. Ich finde es total inspirierend.

Wenn man eine Passion für etwas hat, dann will man diese doch auch zu 100 Prozent ausleben. Und für mich gehört da einfach dazu, sich zu öffnen, gerade anderen Künstlern gegenüber. Klar, Billie Eilish ist fast 25 Jahre jünger als ich, trotzdem kann ich von ihr so viel lernen – und, obwohl sie bei einer ganz anderen Zielgruppe angesagt ist, auch Dinge adaptieren.

Anfang September geht es für Giovanni Zarrella mitsamt seiner TV-Show-Band auch selbst auf große Solotour: Vom 2. September 2022 bis 1. Oktober 2022 spielt der Schlagerstar seine berühmtesten Songs sowie die Hits seines neuen Albums „Per Sempre“ in rund anderthalb Dutzend Städten, darunter Frankfurt (5. September), Berlin (15. September) oder Düsseldorf (25. September). In München gastiert der Deutsch-Italiener am 29. September im Circus Krone. Tickets in verschiedenen Kategorien sind nach wie vor erhältlich.

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