#MeToo-Debatte

„Annäherungsversuche erfreulich“: Schauspielerin erntet Shitstorm auf Facebook

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Erntet mit einem umstrittenen Posting harte Kritik: Nina Proll.

Die österreichische Schauspielerin Nina Proll widerspricht auf Facebook der aktuellen Debatte um Belästigungen in der Filmbranche. Dafür wird sie heftig angegangen. 

Wien -  Nachdem vor einigen Wochen bekannt wurde, dass der US-Amerikanische Filmogul Harvey Weinstein zahlreiche Frauen belästigt hatte, ist über den gesamten Planeten eine Debatte über den Umgang mit Belästigung und Übergriffen entfacht. Unter dem Hashtag #MeToo erzählten Anfang Frauen aus der Filmwelt, wie sie unangebrachte Annäherungsversuche bis hin zu Missbrauch von Vorgesetzten oder Weisungsbefugten erdulden mussten. Doch die Diskussion hat sich längst von der Filmwelt emanzipiert und ist zu einer Grundsatzfrage nach dem Umgang mit solcherlei Übergriffen und Annäherungsversuchen geworden.

Der österreichischen TV-Star Nina Proll (u.a. “Keinohrhasen“) empfindet die ganze Debatte jedoch deutlich zu aufgeblasen, weshalb sie am Mittwoch auf Facebook ein Statement unter dem Hashtag „Notme“ verbreitete. Darin erklärt sie, „noch nie von einem Mann sexuell belästigt worden“ zu sein, und dass sie sich schämen würde „damit jetzt hausieren zu gehen“, wenn ein älterer, mächtigerer Mann ihr Avancen gemacht hätte. Ihre Erklärung: „Aber das liegt vermutlich daran, dass ich sexuelle Annäherungsversuche von Seiten eines Mannes grundsätzlich erfreulich finde und einen solchen erst mal als Kompliment und nicht als Belästigung verstehe.“ 

„Gefühllos und zynisch“

Die Reaktionen auf diesen Post fallen überwiegend negativ aus. Zwar gibt es vereinzelt User, die sich mit der Ansicht der Schauspielerin identifizieren können, doch die überwältigende Mehrheit der Nutzer geht hart mit der 43-Jährigen ins Gericht. Viele werfen ihr vor, den Unterschied zwischen sexuellen Avancen und Übergriffen außer Acht zu lassen und Frauen, die Opfer von Gewalt wurden, mit diesem Statement zu verhöhnen.

Auch die Tatsache, dass es nicht darum geht Männern Komplimente zu verbieten oder grundsätzlich seinem Hass auf die Männerwelt freien Lauf zu lassen, betonen einige Kommentare

Proll reagiert auf die heftige Kritik mit Trotz

Dennoch: die Schauspielerin bleibt größtenteils bei ihrer Darstellung und fühlt sich selbst in der Opferrolle: Sie sei „absichtlich missverstanden“ worden. Proll betont, dass sie in keinster Weise Gewalt gegenüber Frauen verharmlosen wollte. Ihr sei lediglich wichtig gewesen mitzuteilen, dass sie „so etwas nicht erlebt habe oder mich – aus meiner Perspektive gesehen – nicht zum Opfer machen ließ“. 

Es sei durchaus möglich in Österreich Schauspielerin zu sein, ohne Übergriffe in Kauf nehmen zu müssen. Gesetze und Anzeigen würden da nichts bringen, genauso wie die Debatte in den sozialen Netzwerken. Wichtig sei stattdsessen die direkte Konfrontation mit den Männern, „um ihnen ihre Grenzen aufzuzeigen“.

Auf die Frage einer Nutzerin, wie sie dies tun soll, wenn sie von zwei Männern festgehalten wird oder ihr jemand Wildfremdes auf offener Straße an den Po greift, ließ die Schauspielerin unbeantwortet.

mh

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