Wochenendkolumne

Zwischen den Zeilen: Zwei Verträge und ein Platz

In unserer Wochenendkolumne schreibt Karl Schönholtz über Intendant Joern Hinkel, die Bad Hersfelder Partnerstädte und die Adventszeit. 

Nach dem vorläufigen Aus für die Festspiel-GmbH und der traditionell aufflammenden Diskussion um das Defizit der vergangenen Spielzeit, musste vorübergehend auch ein Abschied von Intendant Joern Hinkel befürchtet werden. Der hatte schließlich unmissverständlich mitgeteilt, dass Planungssicherheit eine Voraussetzung für seine Arbeit und damit auch für den Verbleib in Bad Hersfeld sein würde.

Nun hat Hinkel seinen Vertrag auch ohne GmbH verlängert. Das war zweifellos die gute Nachricht der Woche, auch wenn die Ausgestaltung seines Konzepts zumindest für die Öffentlichkeit noch ausformuliert werden muss.

Was die Planungssicherheit angeht, hat der Magistrat im Hintergrund eine weitere Entscheidung getroffen: Auch Andrea Jung, die versierte kaufmännische Leiterin der Festspiele, wird bleiben. Ihr zum Jahresende auslaufendes Arbeitsverhältnis wurde in einen unbefristeten Vertrag umgewandelt.

Wie meinte doch ein Stadtverordneter während der jüngsten Sitzung? Hinkel habe nach dem Skandal um Dieter Wedel ein „Schiff in Seenot“ übernommen und in ruhiges Fahrwasser gebracht. Stimmt, denn am Ende des Jahres besteht die berechtigte Hoffnung, dass die Festspiele nur noch in künstlerischer Hinsicht für Schlagzeilen sorgen. Positive natürlich.

Einen Mährisch Schönberg/Sumperk-Platz haben wir schon, einen L’hay-les-roses-Platz auch, und die dritte Bad Hersfelder Partnerstadt war mit der Salzunger Straße schon lange vor der Wiedervereinigung im Stadtplan verzeichnet. Die lebendigsten Beziehungen pflegt Bad Hersfeld momentan jedoch zu einer Stadt, die noch gar kein offizieller Partner ist. Die vielfältigen Begegnungen mit den Freunden aus dem englischen Malmesbury haben nun sogar bewirkt, dass es demnächst auch einen Malmensbury-Platz geben wird.

Der befindet sich dann im östlichen Schilde-Park, genau dort, wo das Kunstobjekt „Signet des Windes“ steht. Unverwechselbar wird der Ort dann auch durch eine originale rote Telefonzelle, die aus England importiert und hier aufgestellt werden soll.

In diesem Zusammenhang fällt mir – wieder einmal – ein, dass die Benennung einer Straße oder eines Platzes nach Altbürgermeister Hartmut H. Boehmer offenbar von der Tagesordnung der Stadtpolitik verschwunden ist. Das finde ich ausgesprochen schade.

Haben Sie ihn erkannt? Einen der beiden kurdischen Terroristen aus dem letzten Tatort? Gespielt wurde er von Cuco Wallraff. Der stand vor etlichen Jahren auch schon auf der Bühne der Stiftsruine. 1993 und im Jahr darauf spielte Wallraff den Berger im Musical „Hair“ – und zwar ähnlich energiegeladen wie im vergangenen Festspielsommer Riccardo Greco. Ob Cuco Wallraff Lust hat, im nächsten Sommer wieder mal nach Bad Hersfeld zukommen und sich „Hair“ anzuschauen? Ich würde mich freuen.

Wenn mir in diesem Tagen jemand eine „schöne Adventszeit“ wünscht und gar noch ein „besinnlich“ hinzufügt, dann stöhne ich innerlich auf. Die Wochen vor Weihnachten sind für uns Zeitungsleute wie für viele andere auch pickepackevoll mit Terminen, Aufträgen, Erledigungszwang. Zum Luftholen oder eben Besinnlichkeit bleibt da kaum Zeit.

Denn wie in den vergangenen Jahren arbeiten wir hier fleißig an einem Jahresrückblick, der unserer Zeitung kurz vor Silvester beiliegt. Nicht nur die Chronik der wichtigsten Ereignisse vor der Haustür und in aller Welt werde Sie darin finden, sondern auch Schwerpunkt-Essays zu den großen Themen des Jahres. Das macht – neben der täglichen Routine – richtig viel Arbeit, aber auch richtig viel Spaß. Freuen Sie sich drauf!

Kommentare