„Upgrade“ fürs Wochenende

Zwischen den Zeilen: Waldbrand, Werbung und seltsame Post

In unserer Kolumne "Zwischen den Zeilen" schreibt Kai A. Struthoff über ehrenamtliche Einsatzkräfte, schiefe Ampeln und smarte Technik.

Endlich Regen! Das fällt mir spontan beim Blick aus dem Bürofenster ein. Der Schreck nach dem großen Waldbrand steckt auch mir noch in den Knochen. Die Feuerwehrleute stehen dabei immer in vorderster Front und werden zurecht überall gelobt. Nicht vergessen sollten wir aber auch die Einsatzkräfte des THW, von Polizei und Rotem Kreuz, die ebenfalls dazu beigetragen haben, dass alles glimpflich verlaufen ist. Das macht auch Mut für den Hessentag, wenn all die vielen Helfer wieder perfekt harmonieren müssen.

Während in der Stadtverwaltung auf Hochtouren für den Hessentag geschuftet wird, betätigt sich Bürgermeister Thomas Fehling als Werbebotschafter. Wenn er bei offiziellen Terminen Flyer mit Ankündigungen für die Kunst-Ausstellung seiner Frau verteilt, dann ist das ja ganz putzig.

Sonderbar wird es auf der Homepage der Stadt www.bad-hersfeld.de, wo sich der Bürgermeister unter der neudeutschen Überschrift „Upgrade your Home“ für smarte Technik rund ums Eigenheim eines Heppenheimer Unternehmens stark macht. (Zu finden unter „Ich bin Bürger“ / „Verwaltung“ / „Aktuelles …“.) Die Firma soll auch auf der „Straße der Innovationen“ beim Hessentag dabei sein.

Schleichwerbung? Wir haben bei dem Juristen und ehemaligen NBL-Stadtverordneten Michael Bock nachgefragt – dem wohl führenden örtlichen Kommunalrechtsexperten. Seine Bewertung: „Die Werbung ist zwar nicht justiziabel, weil die Neutralitätspflicht nur bei Wahlen und öffentlichen Vergaben besteht. Aber sie ist dennoch peinlich und eine Benachteiligung heimischer Anbieter.“

Von wegen „Upgrade your Home“: Am Schillerplatz in Bad Hersfeld steht nach einem Unfall eine Fußgängerampel seit Monaten windschief und abgeknickt in exponiertester Lage. Ab und an sind Baufahrzeuge zu sehen und Personal in Orange, das vermisst, sichert, nachdenkt - aber nichts austauscht oder repariert.

Wie an dieser Stelle schon berichtet, muss die Reparatur – europaweit? – ausgeschrieben, verglichen, beauftragt werden – und das dauert absurd lange. In Deutschland kann eine Behörde nicht dem nächstgelegenen Dienstleister für ein paar hundert Euro beauftragen, um so einen Schaden kurzerhand zu regulieren. Behörden sollten mehr Beinfreiheit haben - oder sie sich einfach einmal per Chefbeschluss mutig selbst beschaffen.

Aber wahrscheinlich könnte das jahrelange Prozesse mit internationalen Ampelmastersatzbeschaffungsunternehmungen nach sich ziehen. Vielleicht fällt die Ampel ja auch unserem Ministerpräsidenten auf (und hoffentlich nicht auf die Füße), wenn er zum Hessentag kommt ...

Konrad Duden, der Begründer der deutschen Rechtschreibung, wird nicht nur in Bad Hersfeld in Ehren gehalten, sondern auch in Schleiz. Dort war er Direktor des Gymnasiums, bevor er 1876 nach Hersfeld als Direktor an die Alte Klosterschule kam. Im Schleizer Heimatmuseum staunte man jetzt nicht schlecht, als ein Schreiben des Gebührenservices von ARD und ZDF an Herrn Dr. Konrad Duden eintraf mit der Aufforderung, seinen Rundfunkbeitrag zu bezahlen. Weil die Museumsleute gut vernetzt sind, wurde der Brief als Kopie nach Bad Hersfeld weitergeleitet, damit die Kollegen hier auch was zu lachen haben.

Auf dem Hersfelder Friedhof zugestellt wird das Schreiben aber wohl nicht, auch nicht als ePost – obwohl das auch ziemlich smart wäre: Upgrade your grave ...

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