Zwischen den Zeilen: Wahlkampflust, -frust,Brückenbau und Vorfreude

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Kai A. Struthoff

BadHersfeld. Stell dir vor, es ist Wahlkampf und keinen interessiert’s! Ein wenig scheint das bei uns so der Fall zu sein. Kaum Gäste bei den Auftritten der politischen Größen.

Da kommt unser Ministerpräsident nach Alheim und nur rund 120 Zuhörer, die meisten davon Parteifreunde, sind dabei. Die Grünen haben die Umweltministerin im Buchcafé und nur 20 Leute wollen sie sehen. Bei anderen Wahlveranstaltungen ist es ähnlich. Dabei ist die Stimmung so aufgeheizt, wie lange nicht mehr. In den sozialen Netzwerken wird diskutiert, agitiert und zuweilen leider auch gehetzt. Tatsächlich ist der bevorstehende Urnengang auch eine Richtungswahl. Es geht darum, ob wir ein weltoffenes, tolerantes und demokratisches Land bleiben, oder ob wir einen anderen Kurs einschlagen.

Darüber kann man trefflich diskutieren – auch streiten. Wir Journalisten genießen ja das große Privileg, alle alles fragen zu dürfen und meist sogar Antworten zu bekommen. Im Wahlkampf hat dazu nun jeder Gelegenheit, denn die Politiker sind überall präsent.

Diese Chance sollte man aber auch nutzen, um sich zu informieren und sich ein eigenes Bild von Personen und Positionen zu machen. Manche Vorurteile geraten dabei ins Wanken, aber vermutlich sieht man auch klarer. Gerade an Meinungen, die nicht die Eigenen sind, kann man sich reiben und die eigene Position schärfen. Beim Kandidatencheck unserer Zeitung hat das jedenfalls gut geklappt. Die von uns möglichst repräsentativ ausgewählten Leser haben es den Landtagskandidaten nicht leicht gemacht, sondern sie mit klugen, scharfen und überraschenden Fragen ordentlich „gegrillt“.

Wenn in dieser Woche Bürgermeister Thomas Fehling „mehr Leidenschaft und Entschlossenheit“ für den Hessentag gefordert hat, dann ist ihm selbstverständlich beizupflichten. Der Zug ist aus dem Bahnhof gerollt und jede und jeder ist aufgerufen, noch mit aufzuspringen. So haben das auch uns bekannte Vereine und Kulturinitiativen verstanden und sich angeboten, Teil eines möglichst breit gefächerten Kulturangebots zum Hessentag zu sein. Bislang blieben allerdings einige dieser Anfragen ohne Antwort seitens der Stadt. Vielleicht ist ja aber gerade der Hessentag eine gute Gelegenheit möglicherweise vorhandene Vorbehalte abzubauen. Wenn zum Mitmachen aufgefordert wird, sollten alle gemeint sein. Zum Bau von Brücken braucht es mindestens zwei Fundamente.

Als ich am frühen Freitagmorgen über den Marktplatz zwischen Fahrgeschäften und Rummelbuden herumgelaufen bin, da spürte selbst ich als „Dahergeloffener“ dieses vertraute Kribbeln im Bauch: Die Vorfreude auf unser Lullusfest. Ich bin zwar kein großer Karussellfahrer, sondern eher der Fischbrötchen- und Bratwurstfan. Aber eine Runde Riesenrad geht immer. Vor allem ist das Lullusfest eine gute Gelegenheit, um fernab der Hektik des Alltags mit vielen Menschen zu reden. Der Lollsfrieden ist in Bad Herfeld ja heilig. Gerade im Vorfeld der Landtagswahlen, die natürlich auch in der kommenden Woche nicht ganz auszublenden sind, ist es aber vielleicht ganz gut, mal über Partei- und Weltanschauungsgrenzen hinweg gemeinsam zu feiern. Es gibt kaum etwas Verbindenderes, als gemeinsam zu Lachen, Spaß zu haben und zu Feiern.

Gelacht haben natürlich auch wir wieder beim Fototermin für die beliebte Lolls-Beilage der HZ. Wie Sie ein wenig weiter hinten feststellen werden, haben wir uns mal wieder sehr sportliche Ziele gesetzt und packen dafür ordentlich mit an. Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Lektüre. Wir sehen uns am Feuer!

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