Wochenendkolumne

Zwischen den Zeilen: Der IQ des Virus und ein Rückflug

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Redakteur Karl Schönholtz.

Um Anstand im Internet, die Festspiele, das Bootshaus und einen Rückflug geht es in der aktuellen Kolumne Zwischen den Zeilen von Karl Schönholtz.

Respekt und Anstand hat sich der Schauspieler Pierre Sanoussi-Bliss gerade in diesen Zeiten für den Umgang im Internet gewünscht – nachzulesen in der gestrigen HZ, als wir ehemalige Darsteller der Bad Hersfelder Festspiele zu ihrer ganz persönlichen Corona-Situation befragt haben. Bliss’ frommer Wunsch: „Muss ja nicht sein, dass unser IQ auf den dieses blöden Virus sinkt.“

Ich fürchte jedoch, dass Bliss die Facebook-Kommentare zu unserem Bericht über das Angebot des Landrats, freie Intensivbetten der heimischen Kliniken auch Patienten aus dem Corona-gebeutelten Italien zur Verfügung zu stellen, noch gar nicht gelesen hat. Vermutlich wäre dem Schauspieler die Spucke weggeblieben.

Mehrere Beiträge strotzten geradezu vor Egoismus, Nationalismus, Rassismus und Borniertheit – zum Fremdschämen. Nur gut, dass es immer wieder Stimmen gab, die rechtschaffen empört und beharrlich dagegen gesprochen haben.

Aber so traurig es ist: Der europäische Gedanke reicht bei Vielen nicht weiter als bis zur Pizza im Ristorante oder der Flasche Bordeaux aus dem Supermarkt. Und dabei geht es bei Corona doch „nur“ um menschliches Miteinander.

Absagen, was sonst? Auch das ist einer dieser schnell dahingetippten Facebook-Posts, diesmal im Zusammenhang mit den Bad Hersfelder Festspielen, gerne mit Verweis auf den bereits stornierten Hessentag. Ich hingegen kann gut verstehen, dass Rathaus, Intendanz, Bund und Land vor dem Zug an der Reißleine nach einer Lösung suchen, die das Festival, die beteiligten Menschen und nicht zuletzt die örtliche Wirtschaft nicht einfach im Regen stehen lässt. Das geht übrigens anderen Veranstaltungsorten nicht anders: Auch die Salzburger Festspiele, deren erster Teil schon zu Pfingsten beginnt, sind noch nicht abgesagt.

Was ist eigentlich im Bootshaus los? Das mag sich in den vergangenen Wochen mancher gefragt haben. Die Gaststätte am Fuldaufer hat eine wechselhafte Geschichte hinter sich, und schon wieder machten Gerüchte um einen Pächterwechsel die Runde. Der bleibt aber auch im siebten Jahr der gleiche, wie uns Peter Müller nun selbst berichtete.

Verändern sollte sich allerdings schon etwas. Nachdem der alte Mietvertrag Ende 2019 ausgelaufen war, wurde ein neuer ab März 2020 geschlossen. Mit verändertem Konzept und Unterstützung seiner Familie wollte Müller neu durchstarten, viele Reservierungen habe es bis Ende dieses Jahres bereits gegeben. Doch dann kam Corona. Nun sieht der Pächter einer ungewissen Zukunft entgegen. „Damit hat niemand gerechnet. Es geht hoffentlich trotzdem weiter“, sagt er.

An den Gerüchten um eine Edeldisco an gleicher Stelle war übrigens durchaus auch etwas dran. Allerdings hatte sich das Ganze schnell wieder erledigt. Man sei sich nicht einig geworden, berichtet der Besitzer der Immobilie. Aus anderer Quelle heißt es, schon der Vor-Ort-Besuch sei wenig vielversprechend verlaufen. Aber ist ja nun auch – um es mit Michael Wendler zu sagen – egal.

Vor gut einer Woche hatten wir über den Hersfelder Thiemo Germann berichtet, der als Teilnehmer eines Freiwilligendienstes in Peru festhing und sehnsüchtig auf einen Rückflug nach Deutschland wartete. Während die vom Krisenstab des Auswärtigen Amtes in Berlin organisierte Rückholaktion für gestrandete Helfer und Touristen in vielen Fällen gut funktionierte – auch EU-Staatsminister Michael Roth half hier, wo er konnte –, mussten sich Germann und seine Freundin Smila Blüm weiterhin gedulden. Doch dann die Erlösung: Am Donnerstag bestiegen die Beiden eine Lufthansa-Maschine und landeten gestern wohlbehalten am Frankfurter Flughafen. O-Ton des dankbaren Thiemo Germann: „Die deutsche Botschaft und das Auswärtige Amt haben da etwas sehr Großes geleistet.“

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