Wochenendkolumne

Zwischen den Zeilen: Am Ende des Regenbogens

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Kai A. Struthoff

Die mediale Präsenz der Festspiele, Dieter Wedel und ein Hilferuf aus der Verwaltung sind die Themen der aktuellen Kolumne. 

Die Bad Hersfelder Festspiele sind in diesem Jahr in aller Munde. Selten war das bundesweite Medienecho so groß: ZDF, ARD, RTL, SAT 1, dpa, FAZ, FAZ am Sonntag, Süddeutsche, „nachtkritik“, BILD, BILD am Sonntag, Frankfurter Rundschau, Neue Presse, Deutschlandradio, HR, Leipziger Volkszeitung, TZ München, BUNTE und viele Regionalzeitungen – sie alle haben über den Festakt mit Deniz Yücel und das Premierenstück „Der Prozess“ berichtet – und zwar überwiegend positiv.

In Zeiten eines medialen Überangebots und vieler kultureller Highlights ist das alles andere als selbstverständlich. Die „Mütter“ dieses Erfolges sind die beiden Pressesprecherinnen Monika Liegmann und Ina Rumpf, die hochprofessionell, mit viel Empathie und unermüdlichem Einsatz unsere Festspiele medial vermarkten. Klappern gehört zum Handwerk; die beiden Kolleginnen können das besonders gut – und sehr charmant!

Wenn Sie am Wochenende durch die Stadt gehen und denken: Ist das nicht der ... ? Dann haben Sie vermutlich recht. Dieter Wedel weilt auf Einladung von Bürgermeister Fehling in der Stadt. Dem Vernehmen nach soll es dabei auch um eine mögliche Rückkehr von Wedel auf die Festspielbühne gehen. Der Star-Regisseur hat immer noch „Das Carlos-Komplott“ in der Schublade, das er gern inszenieren will. Ganz billig dürfte das freilich nicht werden. Außerdem dauern auch die Ermittlungen wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung noch an. In der Stadtpolitik gibt es deshalb Bedenken gegen eine Neuverpflichtung von Wedel – trotz seiner unbestreitbaren Verdienste um die Festspiele. Das letzte Wort hat aber wohl der neue Intendant Joern Hinkel.

Bislang konnte sich Bürgermeister Thomas Fehling in der Bad Hersfelder Stadtverordnetenversammlung auf die Unterstützung eines breiten Bündnisses unterschiedlichster politischer Couleur verlassen. Ich habe immer von einer „Regenbogen-Koalition“ gesprochen, weil sich hier von der schwarzen CDU über die gelben Liberalen bis zum tiefroten Linken alle versammelt hatten. Dieses Bündnis hatte ohnehin schon erste Risse erhalten. Jetzt steht es vor einer echten Zerreißprobe. Der Unmut über die Amtsführung von Thomas Fehling wird immer größer. „Wir können die Hilferufe der Verwaltung nicht länger ignorieren“, sagte mir ein führendes Mitglied des Stadtparlaments.

Selbst in der bislang stets Fehling-loyalen FDP gibt es inzwischen kritische Stimmen zu seinem Umgang mit Mitarbeitern. Und über seine unerklärte Abwesenheit bei der Verleihung der Hersfeld-Preise schütteln selbst alte Weggefährten nur den Kopf. Noch aber scheuen sich alle, den ersten Stein zu werfen. Aber die Stadtpolitik ist nun offenbar in Bewegung geraten. Das Ende des Regenbogens scheint erreicht ...

Wenn Sie heute Morgen gemütlich die Zeitung lesen, sind Sie in bester Gesellschaft: 38 Millionen Deutsche lesen die gedruckte Tageszeitung, 14,6 Millionen nutzen sie täglich digital. Über die Hälfte aller Bundesbürger über 14 Jahren liest täglich Zeitung, die digitale Reichweite ist noch viel größer. Das sind aktuelle Zahlen des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger, die man angesichts des verbreiteten Abgesangs auf die Printmedien auch ruhig mal nennen darf.

All jene Technik-Verliebten, die meinen, Facebook und Co. reiche als Informationsmedium aus, sind auf dem Holzweg. Gott sei Dank! Viel Spaß beim Lesen. 

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