Wochenend-Kolumne

Zwischen den Zeilen: Smart, smarter, respektlos

Um Kunst, Leerstände und respektloses Verhalten geht es in der aktuellen Wochenend-Kolumne von Karl Schönholtz.

Smart City scheint nach dem Selbstverständnis des Bad Hersfelder Bürgermeisters Thomas Fehling viel umfassender zu sein als bisher bekannt und sich nicht aufs Digitale zu beschränken: Denn ist es nicht ganz schön smart, dass der Rathauschef jede sich bietende Gelegenheit nutzt, um für die Kultur in der Stadt im Allgemeinen sowie die Werke und die Ausstellung seiner malenden Gattin im Besonderen zu werben? So bekamen jüngst die Teilnehmer der Festspiel-Pressekonferenz im Amtsgericht den entsprechenden Flyer in die Hand gedrückt, und beim Dialogforum der Deutschen Bahn in der Stadthalle fand sich selbiger auf jedem Plätzchen. Und natürlich ist es auch aus Sicht der Künstlerin ziemlich smart, dass sie sich so teure PR sparen kann. Gewusst wie, sage ich da nur.

Als ganz und gar nicht smart habe ich den Auftritt des Verteidigers im Prozess um den Todesfahrer von Rotenburg empfunden und darüber diese Woche auch schon geschrieben. Was da noch nicht zu lesen war: Offenbar vom Gericht unbemerkt und vom ach so tollen Anwalt nicht verhindert, hat der Angeklagte während der Verhandlung immer wieder auf seinem Handy herumgedaddelt. Das ist in meinen Augen eine absolute Respektlosigkeit in einem Verfahren, in dem es um den Tod einer Frau und Mutter geht, die das Pech hatte, einem Pkw zu begegnen, in dem zwei Betrunkene mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs waren.

Die Leerstände in der oberen Breitenstraße waren an dieser Stelle auch schon mal Thema. Doch da scheint nun Besserung in Sicht – sicher auch im Hinblick auf den bevorstehenden Umzug der Stadtverwaltung ins ehemalige Telekom-Hochhaus. Unseren Informationen zufolge werden in diesem Bereich demnächst ein asiatischer Imbiss und ein Hamburger-Restaurant eröffnen. Auch der geplante Umbau des ehemaligen Herkules-Parkhauses durch den VR-Bankverein wird das Quartier aufwerten.

Wenig amüsiert war man bei der Stadt Bad Hersfeld über unseren Bericht, in dem ein Fahrlehrer auf fehlende Beschilderung und Markierungen hinwies. Mit dem berühmten Eimer weißer Farbe ist nämlich nicht getan: Der Ortsbeirat Johannesberg hat die Ausbesserung des kaum noch erkennbaren Radwegs wohl schon mehrfach angemeckert und hat die Kostenschätzung als Antwort erhalten: 30.000 Euro soll die Markierung kosten – zu teuer.

Kommentare