Zwischen Rathaus und Ruine

Zwischen den Zeilen: Scheitern, schimpfen und schämen

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Redaktionsleiter Kai A. Struthoff

In unserer Wochenendkolumne "Zwischen den Zeilen" schreibt Kai A. Struthoff  über die gescheiterte Smart-City-Bewerbung, die Festspieleröffnung und mutmaßliche Vergewaltiger.

Wer in einen Wettbewerb eintritt, der kann verlieren. Das ist keine Schande. Insofern war es auch richtig, Geld und Zeit zu investieren, um sich für Fördergeld aus dem Smart-City-Programm der Bundesregierung zu bewerben. Trotzdem dürfte Bürgermeister Fehling das Scheitern der Bewerbung auch als eine bittere persönliche Niederlage empfinden, denn er hatte das Projekt zur Chefsache gemacht und sich schon im Vorfeld der Entscheidung ziemlich siegessicher gezeigt, bis zu 15 Millionen Euro in die Stadt holen zu können. Man sollte das Fell des Bären eben erst dann verteilen, wenn er erlegt ist. Für Bad Hersfeld ist das Scheitern natürlich auch schade.

Mitarbeiterführung und soziale Kompetenz

Schon lange war keine Festspielpremiere vom Festakt bis zur Premierenparty mehr so stimmig, interessant und hervorragend organisiert. Trotzdem war Bürgermeister Fehling offenbar nicht mit der VIP-Betreuung zufrieden. Zu vorgerückter Stunde hatte er deshalb bei der Premierenfeier einem lautstarken Auftritt gegenüber von zwei seiner engsten Mitarbeiter – im Beisein von Ehrengästen. Viele Ohrenzeugen haben mich inzwischen darauf angesprochen und sich über sein Verhalten irritiert gezeigt. Es ist nicht das erste Mal, dass der Bürgermeister aus der Rolle fällt. Auch während des Hessentags hat er, dem Vernehmen nach, wichtige Leistungsträger „gefaltet“. Mitarbeiterführung und soziale Kompetenz gehören zum Stellenprofil eines Rathauschefs ...

Pauschale Kritik am Verfassungsschutz

Über den Festspiel-Festakt und die Einladung an Deniz Yücel wird unterdessen immer noch diskutiert. Das ist zunächst einmal gut für uns und unsere Festspiele. Mit dem Inhalt der Rede des prominenten Journalisten und seiner Pauschalkritik am Verfassungsschutz – speziell dem Hessischen – muss man freilich nicht einverstanden sein.

Landrat Dr. Michael Koch erzählte mir, er habe „einen dicken Hals“ gehabt über Yücels undifferenzierte Aussagen. Koch sieht darin eine „ungerechte Diffamierung einer ganzen Behörde“ von der er ein anderes Bild hat – aus enger Zusammenarbeit während seiner Zeit im Innenministerium von Thüringen, aber auch durch Kontakt zum hessischen Verfassungsschutzchef Robert Schäfer, der übrigens aus unserem Landkreis stammt.

Warten auf die Hessentagsabrechnung

Auf die Endabrechnung des Hessentags werden wir vermutlich noch eine ganze Weile warten müssen. Auch in Korbach liegt die Endabrechnung noch nicht auf dem Tisch, sagte mir der dortige Hessentagsbeauftragte Karl-Helmut Tepel. Die Abrechnung mit den Veranstaltern und Lieferanten, aber auch mit dem Finanzamt oder der GEMA ziehe sich hin. In der Hansestadt geht man aber inzwischen davon aus, das zuvor im Haushalt einkalkulierte Defizit von rund 2,5 Millionen Euro unterschreiten zu können.

Fassungslos über mutmaßliche Vergewaltigung

Fassungslos bin ich wie viele andere über die Nachrichten, die uns in der vergangenen Woche aus Mallorca erreicht haben. Dort werden schweren Vorwürfe gegen junge Männer aus dem Landkreis erhoben. Zwei von ihnen sitzen wegen des Verdachts der Gruppenvergewaltigung einer 18-jährigen Deutschen in Untersuchungshaft. Von hier aus ist es schwer, sich ein Urteil zu bilden – das ist ja auch Aufgabe der spanischen Justiz.

Wenig hilfreich dürfte allerdings die „Unterstützerkampagne“ im Internet sein. Freunde der Inhaftierten verunglimpfen darin die 18-jährige als „Schlampe“ und bestätigen in Wort und Bild die Vorurteile vieler Bürger gegen junge Männer mit Migrationshintergrund. Damit schaden sie übrigens auch all jenen in Mehrheit anständigen Mitbürgern mit multi-kulturellen Wurzeln.

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