Wochenendkolumne

Zwischen den Zeilen: Problemstellen, Brexit und Büchersuche

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Karl Schönholtz

Um hessentagsunwürdige Ecken der Stadt, das englische Malmesbury und die Literaturaktion Bad Hersfeld liest ein Buch geht es in der aktuellen Wochenendkolumne.

Wenn man in diesen Tagen durch Bad Hersfeld läuft, dann stößt man zwangsläufig auf Problemstellen, die man so keinem Hessentagsbesucher zumuten möchte. Die Brachfläche am Kirchtor etwa, die von einer usseligen Sperrholzwand nur unzureichend abgeschirmt wird. Noch schlimmer die verlassene Abbruchbaustelle in der Unteren Frauenstraße, die optisch jede positive Stadtentwicklung konterkariert. Und ebenfalls ein Ärgernis: In der Bahnhofsunterführung funktioniert das Farbspiel der Lichter noch immer nicht.

Außerdem verdreckt der Zugang zu den Bahnsteigen immer mehr. Visitenkarten einer Kommune, die zehn Tage lang die heimliche Hauptstadt Hessens sein wird, sehen anders aus.

Über diese Punkte und viele weitere Fragen zum Hessentag haben wir mit dem Ersten Stadtrat Gunter Grimm gesprochen. In unserem Montagsinterview bezieht er ausführlich Stellung.

Der Brexit trifft auch unsere Freunde in Malmesbury, der englischen Heimat von Stiftsgründer Lullus. In der beschaulichen 5000-Einwohner-Stadt in Süd-West-England war bislang der Hauptsitz der Firma Dyson – Sie wissen schon, das sind die mit dem beutellosen Staubsauger. Jetzt hat Konzernchef Sir Jim Rowan angekündigt, den Firmensitz nach Singapur zu verlegen. Pikant dabei: Rowan gilt als Brexit-Befürworter. Deshalb beteuert er, der Umzug habe nichts mit dem Brexit, oder gar Steuerflucht zu tun. Dyson rücke damit nur näher an den Wachstumsmarkt Fernost. Zunächst gehen aber nur die obersten Bosse nach Asien und die Dyson-Ingenieure werden weiter in Malmesbury arbeiten. Im Whole-Hog-Pub neben der alten Abtei wird also wohl auch weiterhin das Flying Monk Ale fließen.

Bad Hersfeld liest ein Buch – das literarische Gemeinschaftserlebnis wird es auch in diesem Jahr geben. Mitglieder der Auswahl-Jury zogen jetzt die höchst erfreuliche Bilanz der Aktion 2018 mit Bov Bjergs Roman „Auerhaus“ und sind jetzt gespannt auf neue Vorschläge. Bis zum 1. März ist Zeit, Titel zu empfehlen. Nicht zu dick sollte das Buch sein, möglichst von einem noch lebenden deutschsprachigen Autor verfasst und als Taschenbuch erhältlich. Diese Kriterien sind aber nicht zwingend.

Vorschläge bitte per E-Mail an bibliothek@bad-hersfeld.de. Wer keinen Computer hat, kann seine Empfehlung natürlich auch auf Papier in der Konrad-Duden-Stadtbibliothek abgeben. Aus allen eingereichten Titeln wird die Jury mit Dr. Thomas Handke an der Spitze dann ein Buch auswählen und dem Magistrat zur Entscheidung vorlegen.

ks@hersfelder-zeitung.de

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