Zwischen den Zeilen: Lolls-Clinch und ein Phantom

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Karl Schönholtz

Bad Hersfeld. Über Knatsch beim Lullusfest, das bedauerliche Ende des Lolls-Rock mit Dayton Quince, Dieter Wedel und das leidige Parkplatzproblem am Markt schreibt Karl Schönholtz.

Die Standplätze beim Lullusfest in Bad Hersfeld sind heißt begehrt. Jedes Jahr können wie Organisatoren unter weit mehr Bewerbungen auswählen als Kapazitäten vorhanden sind. Das hält die Qualität ganz oben. Ein Drittel-Mix sorgt zudem dafür, dass der Markt nicht langweilig wird: Ein Drittel der Geschäfte kommt jedes Jahr, ein weiteres in bestimmten Abständen, und ein Drittel ist Neulingen vorbehalten – so in etwa jedenfalls.

Zu den Stammgästen gehört auch die Fischbude neben gegenüber dem Festzelt. Das heißt: Gehörte, denn in diesem Jahr wird das Geschäft mit dem markanten Leuchtturm fehlen. Und das nicht freiwillig. Die Betreiberfamilie und die Stadt Bad Hersfeld liegen deshalb im juristischen Clinch. Es geht um eine angeblich nicht eingegangene Bewerbung beziehungsweise um ein Einschreiben, das mit einer Unterschrift quittiert wurde, die in der Stadtverwaltung unbekannt ist.

Erste Verschwörungstheorien wabern bereits durchs Städtchen, und von Seiten des Rathauses gibt es zu dem schwebenden Verfahren natürlich keine Stellungnahme. Nur so viel: In erster Instanz haben die Kläger verloren.

Das Ende einer Kultveranstaltung

Mit ein bisschen Wehmut habe ich diese Woche die Meldung vom Aus für den Lolls-Rock gelesen. Seit meinen Schulzeiten am Obersberg gehörte Dayton Quince immer irgendwie dazu, und über die Jahre sind die Band und der musikalische Saunaabend am Vorabend des Lollsmontags Kult geworden.

Das muss den Alt-Rockern Raacke, Schmitt & Co. erst einmal einer nachmachen. Schließlich haben es Dayton Quince immer wieder geschafft, ein generationenübergreifendes Programm auf die Bühne zu bringen. Das Publikum war nie auf eine Altersgruppe beschränkt, ist nicht mit den Musikern ergraut, sondern war immer gut durchmischt. Auch als Jüngerer musste man sich nicht schämen, wenn es zum Lollsrock in Jahn- oder Schilde-Halle ging.

Zwar gibt es mit „Take Five“ eine vergleichbar gut aufgestellte Cover-Band in der Region, doch „D.Q.“ hinterlassen zweifellos ein Lücke – auch wenn der Abschied vom Lollsrock vielleicht noch nicht die Einstellung aller Band-Aktivitäten bedeuten muss. Wie dem auch sei: Träne im Knopfloch...

Thema Wedel wird befeuert

Was den Hersfelder Bürgermeister Thomas Fehling treibt, das Thema Dieter Wedel ein um das andere Mal neu zu befeuern, verstehe, wer will: „Wedel als Regisseur willkommen“ hieß es diese Woche in einem Interview der Fuldaer Zeitung, das auch von Radio FFH verbreitet wurde. Demnach kann sich der Rathauschef ein Mitwirken Wedels bei den Festspielen als Autor oder Regisseur vorstellen – vorausgesetzt, dem 75-jährigen Ex-Intendanten wird in dem anhängigen Ermittlungsverfahren wegen einer Sexualstraftat keine Schuld nachgewiesen.

Weil diese Frage nach wie vor ungeklärt ist, hätte es Fehling besser beim Lob für Wedels Nachfolger Joern Hinkel belassen, der „mit seiner besonnen Art und hoher künstlerischer Qualität erfolgreiche Arbeit leistet“. Genau. Und das kann Hinkel nur weiter tun, wenn nicht permanent das Phantom Wedel über den Festspielen schwebt.

Unterschiedliche Zeiten und beide falsch

Erst hat man kein Glück, und dann kommt auch noch das Pech dazu: Das gilt weiterhin für Bad Hersfeld und seine Parkgebühren. Was wurde da schon alles eingeführt und geändert, ohne dass die jeweilige Lösung vollends überzeugt hat. Neuester Gag: Zwei Automaten am Markt haben zur selben Zeit für dasselbe Geld unterschiedliche Parkzeiten ausgedruckt, noch dazu falsche. Das Ganze hat Radio FFH auf Hinweis einer Hersfelderin aufgedeckt.

Die Stadt hat die technische Panne eingeräumt und wohl für Abhilfe gesorgt. Meine Frage allerdings: Was kommt als Nächstes?

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