Zwischen den Zeilen: Kandidaten, ein Anstoß und Alternativen

Kai A.Struthoff

In seiner Wochenend-Kolumne befasst sich unser Autor Kai A.Struthoff heute unter anderem mit der Bürgermeisterwahl in Niederaula und gefährlicher Nähe in den Gastronomien.

Er hat lange nachgedacht, aber nun tritt er an: Im Sommerinterview mit unserer Zeitung hat Niederaulas Bürgermeister Thomas Rohrbach angekündigt, dass er eine weitere Amtszeit anstrebt. Jeder hätte wohl verstanden, wenn er sich das nicht noch mal angetan hätte, denn die politischen Verhältnisse in Niederaula sind – gelinde gesagt – kompliziert, und Rohrbach ist selbst immer wieder Ziel auch sehr persönlicher Attacken. Es spricht für ihn, dass er nicht davonläuft, sondern sich weiter den Herausforderungen stellen will.

Wie wir hören, wird er nicht der einzige Kandidat bleiben. Angeblich wirft auch ein führender Vertreter der Bürgerliste (BLN) seinen Hut in den Ring, will sich aber erst kurz vor Ablauf der offiziellen Bewerbungsfrist Ende August erklären. Die Bürger haben also tatsächlich die Wahl, und der Wahlkampf dürfte in Niederaula wohl auch im Wortsinn diesen Namen verdienen.

Jahrzehntelang gekämpft hat Ludwigsau um die er  sehnte Umgehungsstraße für die B 27 in Friedlos. Bislang vergeblich. Vermutlich liegt es daran, dass Bürgermeister Wilfried Hagemann in unserem Sommerinterview sagte, eine Ortumgehung sei im aktuellen Bundesverkehrswegeplan nicht vorgesehen. Das stimmt so nicht. Die Ortsumgehung der B 27 in Friedlos ist dort seit 2016 mit der Einstufung des „vordringlichen Bedarfs“ enthalten.

Darauf weist unser Bundestagsabgeordneter Michael Roth hin, der seither versucht, an den zuständigen Stellen Druck zu machen. Bereits vor geraumer Zeit hatte sich Roth wegen des „faktischen Planungsstillstands“ an den verantwortlichen Landesverkehrsminister Al-Wazir gewandt. Aber still ruht weiter der See. Nun soll in Lispenhausen die ähnlich lang erkämpfte Ortsumgehung in Angriff genommen werden. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Die frühere Abfüllhalle für Mineralwasser im Bad Hersfelder Kurpark, die von den Festspielen für wetterfeste Proben genutzt wird, hat sich zuletzt im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Ein anderer Sommer“ auch als Veranstaltungsraum bewährt. Am vergangenen Samstag und Sonntag waren viele Gäste begeistert von dem Raum, als dort mit Unterstützung unserer Zeitung „Galileis Nachtgedanken“ als eindrucksvolle Lesung aufgeführt wurden. Die mit Stoffen verkleidete Halle bietet in Zeiten der Pandemie knapp einhundert Gästen bei sicherem Abstand Platz. Ein kulturpolitischer Anstoß der HZ für den kommenden Herbst und Winter, wo dann draußen nicht mehr viel gehen wird: Die Stadt könnte Veranstaltern die Abfüllhalle für ein vielfältiges Kulturangebot bereitstellen. Vielleicht dem Grebe-Keller-Team, das wegen Umbau vorübergehend neue Räume braucht? Vielleicht Jan Luley für besondere Jazz-Formate? Vielleicht anderen, die unser Kulturleben bereichern möchten?

Apropos „Ein anderer Sommer“: Am vergangenen Wochenende sind sich die Nachtschwärmer in den örtlichen Lokalitäten trotz Corona gefährlich nahegekommen. Das ist nicht nur uns aufgefallen, sondern auch den städtischen Ordnungsbehörden, die deshalb an diesem Wochenende ganz genau hinsehen wollen.

Also liebe Festival-Freunde: Haltet Abstand, auch wenn es schwerfällt. Denn sonst müssen die Behörden hart durchgreifen. Wollen wir das?

Was wird nun eigentlich mit dem Lullusfest? Das fragen sich viele glühende Anhänger unseres traditionsreichen Volksfests. Hinter den Kulissen wird nach wie vor intensiv über Alternativ-Konzepte, beispielsweise ein „virtuelles“ Lullusfeuer, beraten. Auch die Festspiel-Kommission tritt noch mal zusammen und erhält vermutlich einige Hausaufgaben. Über allem schwebt aber die Veranstalterhaftpflicht. Ab Mitte August dürfen wir wohl mit einer definitiven Entscheidung rechnen. Wir sind natürlich gespannt – aber ehrlich gesagt nicht sonderlich hoffnungsfroh.

Ein schönes Wochenende

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