Wochenendkolumne

Zwischen den Zeilen: Ideen, Gerüchte und Zuversicht

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Kai A. Struthoff

Um die von Bürgermeister Thomas Fehling geplante Kunstakademie im Schilde-Park, die Zukunft von Grebe am Linggplatz und die Telefonbox aus Malmesbury geht es in der neuen Kolumne.

Worpswede in Waldhessen, eine Künstler-Kolonie im Schilde-Park, Schauspielkurse von Festspielstars: Zugegeben – die Idee von Bürgermeister Thomas Fehling, in der Stockwerkshalle am „wortreich“ eine Kunstakademie einzurichten, hat auf den ersten Blick Charme. Welche Muse ihn dabei geküsst hat, ist unschwer zu erraten. Seine Ehefrau Gabriele Schäfer hat sich inzwischen in Kunstkreisen einen guten Ruf als Malerin erarbeitet.

Doch eben daraus resultiert auch die Skepsis, auf die die Idee des Bürgermeisters in Teilen der Stadtpolitik stößt. Denn einige befürchten, dass hier der Bürgermeistergattin eine Spielwiese eingerichtet werden soll. Hinzu kommt, dass sich weder Fehling noch seine Ehefrau bislang besonders um die örtliche Kunstszene gekümmert haben, sondern lieber in Bayern oder in Ahrenshoop Inspiration gesucht haben. Dass renommierte Hersfelder Künstlerinnen wie etwa die in Ungnade gefallene Renate Wandel künftig Malkurse im Schilde-Park geben wird, darf wohl ebenfalls bezweifelt werden.

Trotzdem sollte man die Idee nicht schon im Vorfeld verteufeln. Dass Bad Hersfeld als Kunst- und Kulturstadt viel Potenzial hat und die Verbindung zu den Festspielen genutzt werden sollte, liegt auf der Hand. Schon früher gab es immer mal Überlegungen, Schauspielkurse und Wintertheater in der Stadt anzubieten. Ob die Kostenkalkulationen, die zur Beschlussvorlage gehören, valide sind, ist schwer zu beurteilen. Aber die Idee ist es wert, sie vorurteilsfrei, aber gründlich zu prüfen.

Beim gut besuchten Lolls-Presseschoppen unserer Zeitung im Buchcafé wurde heftig über die Zukunft des Bad Hersfelder Traditionsunternehmens Grebe am Linggplatz spekuliert. Alle möglichen wilden Gerüchte schossen ins Kraut. Ich habe deshalb Inhaber Joachim Grebe direkt gefragt. Noch will er sich nicht offiziell äußern, aber er bestätigt, dass sein Geschäft an „ein seriöses, örtliches Unternehmen“ verkauft werden soll, über dessen Name noch Stillschweigen verabredet wurde. Es handele sich aber nicht um eine Shisha-Bar, ein weiteres Wettbüro oder gar einen Fast-Food-Laden, widerspricht Grebe kursierenden Gerüchten. Und auch der beliebte Gewölbekeller soll als Theater- und Kleinkunststätte fortgeführt werden. Das sind doch mal gute Nachrichten.

Wo ist denn die englische Telefonzelle hin, wurde ich von gleich mehreren Kollegen am Tag nach der feierlichen Eröffnung des Malmesbury-Platzes gefragt. Keine Sorge, das rote Schmuckstück wurde nicht geklaut, sondern nur noch mal abgebaut, damit das Fundament austrockenen kann. Das hatte ich eigentlich auch geschrieben, aber offenbar nicht prominent genug.

Ziemlich prominent waren hingegen unsere englischen Freunde aus Malmesbury in den vergangenen Tagen in der Stadt unterwegs und haben – trotz des drohenden Brexits – auf sympathische Art deutlich gemacht, „dass Länder aus Menschen bestehen, nicht aus Politikern“, wie es Jeff Penfold bei der Eröffnung des Malmesbury-Platzes so richtig sagte.

Auch Dr. Sigmar Gleiser und Tony McAleavy hatten in ihrer klugen Festrede zur Lollseröffnung „an unsere gemeinsamen und nicht die trennenden europäischen Werte“ appelliert.

Die Freunde von und aus Malmesbury schmieden jedenfalls schon fleißig neue Pläne für gemeinsame Aktivitäten. Und auch ich werde bestimmt bald wieder nach Malmesbury fahren – Freundschaft kennt keinen Brexit.

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