Wochenendkolumne

Zwischen den Zeilen: Grappa, Gerüchte und Facebook

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Kai A. Struthoff

Na, haben Sie das Wahlergebnis gut verdaut? Vielen Sozial- und auch Christdemokraten dürfte das Abschneiden ihrer Partei ganz schön auf den Magen geschlagen haben.

Auch wenn bei uns in der Region das große Beben ausgeblieben ist ... 

Wer sich deshalb mit einem Grappa und italienischer Lebensart trösten will, hat in Bad Hersfeld künftig eine Anlaufstelle weniger: Der Ur-Italiener „La Garda“ von Enzo Lisi und seiner Familie zieht sich aus Altersgründen zurück. Das Gebäude am Neumarkt stand schon länger in einem Immobilienportal. Nun hat sich wahrscheinlich ein neuer Besitzer gefunden, der gar nicht erst einen Möbelwagen bestellen müsste. Ulrich Bommer will mit der "Klosterschänke" aus der früheren Luisenschule „gegenüber“ ins Garda ziehen. Nicht bestätigt indes ist das Gerücht, dass ein beliebtes Café am Linggplatz einem Modegeschäft weichen soll.

Bad Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling bezeichnet sich selbst gern als „Techie“ und setzt auch privat auf smarte Technologien. Deshalb verbreitet er seine Sicht der Dinge gern via Facebook. Zum Lieblingsfeindbild hat er auf dieser Internet-Plattform die HZ auserkoren, aber auch die SPD bekommt häufig ihr Fett weg. So übte Fehling jüngst scharfe Kritik am Fehlen des Stadtverordnetenvorstehers Lothar Seitz bei den Lolls-Zeremonien. Nun, smart zu sein, ist ja schön und gut, aber manchmal wäre ein altmodisches Gespräch doch besser. Auch in diesem Fall. Wir haben den über alle Parteigrenzen hinweg geschätzten SPD-Politiker also daraufhin einfach mal gefragt: Lothar Seitz hatte kürzlich eine Knie-Operation und darf daher nur kurze Strecken laufen und noch nicht lange stehen. Deshalb habe er sich nicht am Feuerentzünden und dem Festzug beteiligt und dies Fehling auch vorab mitgeteilt. Ein peinlicher Fauxpas des Bürgermeisters also – ein unnötiger noch dazu. Vielleicht wäre Seitz ja eher zum Bürgermeister durchgedrungen, wenn er die „Krankmeldung“ bei Facebook gepostet hätte.

Über derartige Attacken des Stadtoberhaupts schütteln mittlerweile sogar seine „Verbündeten“ verwundert den Kopf. Vielleicht erklärt sich Fehlings Dünnhäutigkeit dadurch, dass seine ohnehin nur knappe Mehrheit im Parlament durch das Ausscheiden des Linken-Politikers Horst Zanger aus der Fraktionsgemeinschaft mit den Freien Wählern und folglich aus einer sowieso nur losen „Regenbogenkoalition“ dahin ist.

Künftig dürfte es also noch schwerer sein, Mehrheiten für wichtige Beschlüsse zu organisieren. Wie schwer, das hat sich bei der so wichtigen Abstimmung über die Festspiel gGmbH bereits gezeigt. In der veränderten Parlaments-Konstellation ist der Bürgermeister als Vermittler besonders gefordert. Ob das gelingt? Wohl kaum mittels der sogenannten sozialen Medien!

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