Zwischen den Zeilen

Ein Nachruf, ein Vorschlag und Neues von der roten Kiste

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Karl Schönholtz

Diese Kolumne ist normalerweise nicht der Ort für Nachrufe. Doch Werner Zuschlag, der gestern beerdigt wurde, war ja auch kein normaler, sondern ein ganz besonderer Hersfelder.

Der Marktplatz und das Drumherum waren sein Revier, in dem er sich auskannte wie kein anderer und das ihm am Herzen lag. Werner Zuschlag war ein Unternehmer im Wortsinne. Kein Firmenboss also, sondern einer, der etwas unternahm, der zupackte. Ob er den Hersfeldern Weihnachtsbäume verkaufte, ob er im „Kleinen Versteck“ das selbst gebraute Engelhardt-Bier ausschenkte oder ob er als „Eisvogt“ das Schlittschuhlaufen auf den Nordschulteichen organisierte – Werner Zuschlag hatte Ideen und setzte sie um. Auch in der Stadtpolitik war er ein Kümmerer, der mit hochgezogener Braue genau das thematisierte, was seine Mitbürger im Alltag bewegte und ärgerte. Das große Ganze überließ er meist den anderen. Werner Zuschlag war zuletzt schwer krank und hatte sich bereits seit einiger Zeit zurückgezogen. Schon da haben wir ihn vermisst. Und jetzt erst recht.

Der Vorschlag eines privaten Investors, auf dem Gelände der abgebrannten Klosterschänke auf dem Johannesberg in Bad Hersfeld eine christliche Grundschule zu bauen, hat vor ein paar Wochen für Wirbel gesorgt und stieß im Ortsbeirat auf erhebliche Skepsis. Nachdem sich bei diesem Thema überhaupt lange nichts getan hatte – das Feuer ist fünf Jahre her – , gibt es jetzt schon die nächste Initiative. Ein Architekturbüro aus Kassel kann sich neben der zu erhaltenen Ruine drei Mehrfamilienwohnhäuser vorstellen. Auch das entspricht nicht so ganz den bisherigen Vorstellungen des Denkmalschutzes und der Bauverwaltung. Aber man wird sehen – Hauptsache, dass hier am Ende doch etwas passiert.

Im Bad Hersfelder Kurpark gibt es Neues von der roten Kiste: Das kleine Bäckerei-Café, das seit der Insolvenz der Firma Jungclas geschlossen war, soll unter neuer Leitung baldmöglichst wieder öffnen. Aktuell verhandelt Kurdirektor Felix Wimhöfer mit einem vielversprechenden Mietinteressenten und ist zuversichtlich, dass es hier schon im Frühjahr wieder Kaffee, Kuchen, Eis und frische Brötchen gibt. Das wäre prima, denn der markante rote Kasten war für Anwohner, Festspieler, Hotelgäste und Spaziergänger eine beliebte Anlaufstelle und so etwas wie ein kleiner Nahversorger gewesen.

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