Wochenendkolumne 

Zwischen den Zeilen: Ein Buch, eine Überraschung und der Aluhut

Redakteur Karl Schönholtz befasst sich heute unter anderem mit dem nächsten Schritt zur Literaturaktion "Bad Hersfeld liest ein Buch". 

Habemus liberum würden die Lateiner sagen, wir haben ein Buch: Gemeint ist der Titel für die Veranstaltungsreihe „Bad Hersfeld liest ein Buch“, die nach Ansicht der Auswahl-Jury trotz Corona auch in diesem Jahr stattfinden soll. Mit der Suche nach einem geeigneten Titel haben es sich die Juroren wie immer nicht leicht gemacht, denn zahlreiche Hersfelderinnen und Hersfelder hatten Empfehlungen eingereicht. Letztendlich lag das Augenmerk auf den besonderen Umständen, die der Umgang mit der Pandemie erfordert. Entsprechend kreativ ist die Jury mit ihrem Vorsitzenden Dr. Thomas Handke auch mit ihren Ideen für den organisatorischen Ablauf vorgegangen, damit die Literaturaktion auch im schlechtesten Fall nicht ganz ausfallen muss.

Bevor allerdings Titel und Struktur offiziell bekannt gegeben werden können, hat erst einmal der Magistrat die Vorschläge der Jury auf dem Tisch. Erst wenn es von dieser Seite grünes Licht gibt, wird die Öffentlichkeit informiert. Dann allerdings sind auch gleich die Schulen und die potenziellen Lesepaten gefragt, die „Bad Hersfeld liest ein Buch“ dann auch mit eigenen Veranstaltungen bereichern sollen. Hoffentlich klappt’s

In dieser Woche ist in Fulda das Urteil über den Vater gefällt worden, der seinen drei Monate alten Sohn beim Duschen mit dem Kopf in brühend heißes Wasser eingetaucht und ihm dadurch lebensgefährliche Verletzungen zugefügt hat. Der mehrtägige Prozess vor dem Schwurgericht hat die Gemüter bewegt und trotz vieler ermittelter Details auch einige Frage offengelassen – vor allem die nach dem Tatmotiv, weil ein Unfall mit Sicherheit ausgeschlossen werden konnte. Ein außergewöhnlicher Fall, den man nicht so leicht aus dem Kopf kriegt.

Umso erstaunter war ich, als der Name genau dieses Angeklagten nur einen Tag später auf der Sitzungsliste des Bad Hersfelder Strafrichters Elmar Schnelle zu lesen war. Aber wie das eben so ist: Eben noch die Anklage wegen versuchten Mordes vor der Großen Strafkammer in Fulda, dann der vergleichsweise bedeutungslose Vorwurf des Diebstahls von etwas Tabak. So haben es dann wohl auch Staatsanwalt Wirth und Richter Schnelle gesehen: Das Verfahren wurde im Hinblick auf die Verurteilung in Fulda (Vier Jahre und ein Monat Freiheitsstrafe wegen schwerer Misshandlung von Schutzbefohlenen in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung) eingestellt.

Man merkt es in den Geschäften, auf der Straße und in den Zügen: Immer mehr Menschen kehren zurück in ein Leben, das dem vor Corona zumindest ähnelt. Manche sagen „Neue Normalität“ dazu. Das wird sicher auch an diesem langen Wochenende der Fall sein, denn über Pfingsten ist ja weitgehend schönes Wetter angesagt. Endlich Sonne, frühlingshafte Temperaturen, endlich durchatmen und mit Verwandten, Freunden und Bekannten feiern, wenn auch noch in begrenzter Zahl. Dennoch meine dringende Bitte: Seien Sie vorsichtig, seien Sie vernünftig!

Auch wenn es abgesehen von den vielen Masken so scheint, als sei fast alles wie vorher, das Virus ist nicht verschwunden, es gibt nach wie vor keinen Impfstoff. Und es ist noch genauso ansteckend wie vorher. Wenn wir nicht aufpassen, keinen Abstand halten und die Kontaktbeschränkungen ignorieren, dann wird das dicke Ende nachkommen. Und das kann keiner wirklich wollen.

Ach, und noch eins: der Aluhut hilft weder gegen Corona noch gegen Dummheit. Ganz sicher.

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