Zwischen Hoffnung und Verzweiflung

Literaturaktion Bad Hersfeld liest ein Buch: Auftakt in der Stadtkirche

Lasen kurze Passagen aus Albert Camus Roman „Die Pest“: Festspiel-Intendant Joern Hinkel, Dr. Gisela Schieren und Pfarrer Frank Nico Jaeger (von links). Rechts der Jury-Vorsitzende Dr. Thomas Handke.
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Lase kurze Passagen aus Albert Camus Roman „Die Pest“: Festspiel-Intendant Joern Hinkel.

Erstmalig – und sicherlich der Corona Krise geschuldet – fand die Auftaktveranstaltung zur Leseaktion „Bad Hersfeld liest ein Buch“ in der Bad Hersfelder Stadtkirche statt.

Bad Hersfeld – Immer wieder findet die Herbstsonne an diesem Samstagvormittag eine Lücke in der dichten Wolkendecke und taucht das Innere der Stadtkirche durch die gotischen Fenster für kurze Zeit in ein warmes, goldenes Licht. Bis die nächste Wolke das Kirchenschiff wieder im Halbdunkel verschwinden lässt.

Besser hätte kein Regisseur das Wechselbad der Gefühle zwischen Hoffnung, Zuversicht und Verzweiflung, dem sich die Bewohner der Stadt Oran in Albert Camus Roman „Die Pest“ ausgesetzt sahen, symbolisieren können. Erstmalig – und sicherlich der Corona Krise geschuldet – fand die Auftaktveranstaltung zur Leseaktion „Bad Hersfeld liest ein Buch“ in der Bad Hersfelder Stadtkirche statt. Und nicht nur angesichts der fast schon allegorisch zu nennenden Beleuchtung und der Akustik hat sich die Wahl des Veranstaltungsorts als Glücksgriff erwiesen. Ist es doch die Kathedrale von Oran, in der Pater Paneloux von der Pest als Strafe Gottes predigt und zu Einkehr und Besinnung aufruft, während der Arzt Dr. Rieux unermüdlich gegen die Seuche ankämpft. Festspiel-Intendant Joern Hinkel, Dr. Gisela Schieren, Coronabeauftragte am Klinikum, und Pfarrer Frank Nico Jaeger lasen kurze Passagen aus „Hersfelds Buch des Jahres“ und spannten dabei den Bogen vom plötzlichen Ausbruch der Pest über den leidvollen Höhepunkt der Epidemie bis hin zum ebenso plötzlichen wie unerwarteten Ende der Seuche. Die abschließende Erkenntnis von Dr. Rieux, dass „der Pestbazillus niemals ausstirbt, sondern jahrzehntelang geduldig wartet und der Tag kommen wird, an dem die Pest ihre Ratten erneut zum Unglück und zur Belehrung der Menschen aussenden wird“, ließ die Zuhörer der Lesung nachdenklich zurück. Kantor Sebastian Bethge schuf dazu auf der Orgel die passende Klangkulisse, die – zumindest akustisch – ins Mittelalter, als die Pest Europa heimsuchte, zurückversetzte.

Bis Ende November besteht während zahlreicher Veranstaltungen wieder die Möglichkeit, sich mit Bad Hersfelds „Buch des Jahres“ auseinanderzusetzen. Am Donnerstag, dem 26. November, findet schließlich die Abschlussveranstaltung statt, der Ort wird noch bekanntgegeben. Der Veranstaltungsflyer liegt unter anderem in der Konrad-Duden-Bibliothek aus und steht auf der Internetseite der Stadt Bad Hersfeld zum Download bereit. Coronabedingt ist eine vorherige Anmeldung zu allen Veranstaltungen erforderlich. Kostenlose Eintrittskarten sind in der Kartenzentrale am Markt erhältlich.

Unterstützt wird die Leseaktion von den Stadtwerken Bad Hersfeld, Rotary Rotenburg-Melsungen und Bad Hersfeld, dem Bauunternehmen Räuber, der Hoehlschen Buchhandlung, der Praxis Dr. Thomas Handke, Libri, Giant, der City-Apotheke, der Kieferorthopädischen Praxis Dr. Rainer Werz und der Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg. (Thomas Landsiedel)

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