Angebote, die verwundern

Zwischen den Zeilen: Vor-Ort-Workshop, Mondpreise und großer Zeitdruck in Bad Hersfeld

Nadine Maaz, Redakteurin der Hersfelder Zeitung
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Nadine Maaz, Redakteurin der Hersfelder Zeitung

In unserer Wochen-Kolumne schreibt Nadine Maaz über Dinge, die uns staunen lassen: Eine „echte“ Veranstaltung, eine bekannte Immobilie und ein Projekt, für das sich das Zeitfenster sich bald schließt.

Bad Hersfeld - Für Verwunderung hat bei einigen, und auch bei uns, die erneute Ankündigung des ersten offenen Forums zur Entwicklung eines Vorab-Lärmschutzkonzeptes mit Blick auf die Neubaustrecke Fulda-Gerstungen gesorgt. Denn das soll heute in der Bad Hersfelder Stadthalle stattfinden – zwar in kleinem Kreis, wie es heißt, aber als Präsenzveranstaltung. Muss das wirklich sein?

Eine Genehmigung liege vor und die Räume sind sicher groß genug, um theoretisch Abstand halten zu können. Sicherer wäre so eine lebhafte Diskussion aber wohl online, wenngleich die beste Technik praktisch und emotional Grenzen setzt.

Die Beteiligung möglichst vieler Betroffener kann kein Argument sein, wenn die Teilnehmerzahl begrenzt ist und einige kopfschüttelnd gar nicht erst teilnehmen wollen. Deutliche Kritik übt beispielsweise Ludwigsaus ehemaliger Bürgermeister Thomas Baumann, der von einer “höchst abenteuerlichen Terminfindung“ spricht und „keinen Befreiungstatbestand für derartige Diskussionsrunden findet“.

Dass die Stadt keine Zeit verlieren will und in dieser Sache nicht auf ein Ende der Pandemie warten kann, ist verständlich. Wenn aber die Geschäfte weiter geschlossen bleiben müssen, kleinere Bauernmärkte unter freiem Himmel nicht stattfinden und Kinder ihre Freunde nicht treffen dürfen, mutet das Ganze fragwürdig an. Vor allem, da sich Bad Hersfeld doch als Smart City etablieren soll.

Nicht weniger schräg kommt eine Verkaufsanzeige im Internet daher, in der eine augenscheinlich in sehr schlechtem Zustand befindliche Immobilie mitten in der Bad Hersfelder Altstadt für immerhin eine Million Euro angeboten wird. Das ist deshalb interessant, da das Privat- und Geschäftshaus zwischen Kirchplatz und Marktplatz zum sogenannten Kirchtorensemble gehört, das die Stadt – allein oder auch mit Investoren – schon seit geraumer Zeit neu gestalten und entwickeln will.

Einige Flächen in diesem Bereich gehören der Stadt bereits, aber eben nicht alle. Und auch an eben diesem Haus besteht Interesse, aber ziemlich sicher nicht zu einem solchen Preis. Ob der Besitzer die Stadt mit seiner Annonce herausfordern oder unter Druck setzen will, oder das Ganze nicht mehr ist als ein Versuch frei nach dem Motto „probieren kann man es ja mal“, ist unklar.

Dass an dieser prominent-scheußlichen Ecke langsam, aber sicher etwas passieren muss, findet jedenfalls nicht nur die heimische SPD, die jüngst in einer von vielen Pressemitteilungen vor der Wahl forderte, den Schandfleck endlich zu beseitigen.

Zeitdruck herrscht indes auch in Sachen Wever-Gelände. Ende März droht laut deshalb besorgter Kommunalpolitiker Fördergeld zu verfallen, doch so richtig vorangekommen scheint man auch in den vergangenen Wochen nicht. Für den für die Umgestaltung des Areals wichtigen Hallen-Tausch mit den Kleiderwerken gibt es offenbar nach wie vor keine neue und alternative Lösung; zumindest ist eine solche weder öffentlich noch den sehr am Thema interessierten Fraktionen bekannt.

Im Raum stehe nun eine „kleine Lösung“ für das Areal, da wohl gilt: besser als nichts. Zumal sollen andere Beteiligte, die sich bisher flexibel gezeigt haben, nicht unter den geplatzten Plänen leiden. Aber ein bisschen Zeit ist bis Ende März ja zum Glück noch ...

Noch nicht abgeschrieben scheint derweil übrigens das Thema autonome Busse im Stadtverkehr. Wir bleiben dran und gespannt.

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