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Zwischen den Zeilen: Kandidaten, Unternehmer und ein Guru

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Kai A. Struthoff
Kai A. Struthoff © LUDGER KONOPKA

Um einen frühen Bürgermeisteranwärter, einen umstrittenen Guru und einen nicht erreichbaren Unternehmer geht es in der aktuellen Kolumne von Kai A. Struthoff.

Vor zwei Wochen hat Karsten Backhaus als erster Bewerber um das Bürgermeisteramt in Bad Herfeld seinen Hut in den Ring geworfen. Am gestrigen Freitagabend sollte aber erst der CDU-Stadtverband über die Kandidatur entscheiden. Vermutlich eine Formsache, denn parteiintern sind keine anderen Bewerber in Sicht.

Dennoch fanden nicht alle CDU-Granden das Vorpreschen von Backhaus und CDU-Stadtverbandschef Jan Saal gut. Und auch sonst gibt es in den Reihen der CDU wohl auch Vorbehalte gegen den 54-jährigen Leiter der Modellschule Obersberg, der lange Jahre SPD-Mitglied war und nicht aus Bad Hersfeld, sondern – au weia! – aus Neuenstein-Gittersdorf stammt. Gleichwohl ist Backhaus ein spannender Kandidat, der frischen Wind in den Wahlkampf bringen dürfte.

Während die SPD mit Sicherheit einen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken wird, halten sich alle anderen Parteien zur Personalie Backhaus und möglichen eigenen Bewerbern noch vornehm zurück. Auf HZ-Anfrage wollte niemand etwas zu einer möglichen Unterstützung des CDU-Bewerbers sagen. Na ja, bis zur Wahl im September ist noch viel Zeit.

Das Hotel Seeblick im Kirchheimer Seepark hat Höhen und Tiefen durchgemacht. So waren viele Einheimische auch nicht begeistert, als im November 2020 das Hotel an die religiöse, „neohinduistische“ Gemeinschaft Bhakti Marga verkauft wurde, die dort ihr Deutschlandzentrum aufbauen will. Jetzt hat das hr-Fernsehen in einer Dokumentation schwere Vorwürfe gegen Bhakti Marga und ihren Guru erhoben. In dem TV-Bericht sprechen Aussteiger aus der Gemeinschaft über sexuelle Übergriffe, Erniedrigungen und bewusst erzeugte Abhängigkeit. Allerdings haben mehrere Anzeigen wegen der unklaren Rechtslage bislang nicht zu Anklagen geführt, und die Glaubensgemeinschaft selbst weist alle Anschuldigungen zurück.

Meine Kollegin Christine Zacharias versucht bereits seit Wochen, Kontakt zu Bhakti Marga aufzunehmen. Ein bereits im Herbst vereinbarter Termin wurde kommentarlos abgesagt, die Bitte um einen neuen Termin ignoriert. Das wirkt schon seltsam, wenn man doch nichts zu verbergen hat – auch wenn Kirchheims Bürgermeister Manfred Koch berichtet, dass es bislang keine Probleme mit der Gemeinschaft gegeben habe. Mal sehen, wie es weiter geht, wir bleiben dran.

Hinter den Kulissen der Bad Hersfelder Stadtpolitik wird immer noch um das „Kleingedruckte“ und wohl auch um große Summen in den Verträgen über den Umzug der Kleiderwerke und einen möglichen Rückkauf einzelner Gebäude gefeilscht. Auch wenn Stadtsprecher Meik Ebert versichert, noch sei Zeit, wächst das Unbehagen bei den politischen Vertretern, die – dem Vernehmen nach – bislang noch keinen Vertragsentwurf gesehen haben. Weil das Projekt für die Stadtentwicklung enorm wichtig ist, befinden sich die Kleiderwerke in einer starken Verhandlungsposition. Verständlich, dass sie das Beste für sich herausschlagen wollen.

Gern hätten wir darüber auch mit dem Geschäftsführer der Kleiderwerke, Egon Schnetgöke, gesprochen, der hier und auch bei anderen zentralen Immobilien eine Schlüsselrolle spielt. Immerhin geht es um berechtigte öffentliche Interessen und viel Geld der Bürger. Aber Schnetgöke hat es offenbar nicht nötig, Anfragen zu beantworten. Mit feinem Zwirn mag er sich auskennen, die feine Art ist das nicht. (Kai A. Struthoff)

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