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Eine Revolution, frischer Wind und ein Erfolg

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Interkommunale Zusammenarbeit ist schon lange das Zauberwort in Zeiten von knappen Kassen.

Kai A. Struthoff
Kai A. Struthoff © LUDGER KONOPKA

Hersfeld-Rotenburg - Angesichts des immer drängenderen Fachkräftemangels und vor dem Hintergrund der zunehmenden Spezialisierung von Mitarbeitern in den kommunalen Verwaltungen. Bei uns im Kreis arbeiten zum Beispiel die Werratal-Gemeinden in den Bereichen Tourismus und Wasserbeschaffung bereits eng und gut zusammen. Trotzdem ist das, was sich jetzt zwischen den Gemeinden Haunetal, Niederaula, Kirchheim und Breitenbach am Herzberg anbahnen könnte, so etwas wie eine kleine Revolution im ländlichen Raum.

50 Jahre nach der – seinerzeit ja nicht sonderlich beliebten – Kreisgebietsreform wollen die vier Bürgermeister Timo Lübeck, Thomas Rohrbach, Axel Schmidt und Volker Jaritz eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, bei der geprüft werden soll, ob auch noch größere Bereiche der Verwaltung oder einzelne Aufgabenbereiche gemeinsam betreut werden können, was in Zeiten der zunehmenden Digitalisierung zumindest räumlich kein Problem sein sollte. Ziel könnte beispielsweise ein Gemeindeverwaltungsverband sein. Das klingt sinnvoll. Bemerkenswert ist das deshalb, weil letztendlich die Bürgermeister zusammen daran arbeiten, ihre eigenen Herrschaftsbereiche zu beschneiden. Denn wer verzichtet schon gern freiwillig auf Macht und Einfluss?

Anke Hofmann übernimmt zwar erst zum 1. Januar offiziell das Amt als neue Bürgermeisterin von Bad Hersfeld, doch hinter den Kulissen stellt sie bereits fleißig die Weichen für die Zukunft. Die Übergabe der Amtsgeschäfte von Thomas Fehling an seine Nachfolgerin erfolgt offenbar sehr kooperativ und fair.

Und so kommt jetzt auch Bewegung in lange festgefahrene Projekte. Die Stadtverordneten sollen schon in der kommenden Woche mehrere durchgerechnete Szenarien für mögliche Standorte für ein neues Stadtarchiv erhalten. Inzwischen gab es auch konstruktive Gespräche zwischen Stadt und Kreis – denn eigentlich will man ja ein gemeinsames Archiv bauen. Dabei wurde allerdings klar, dass der Kreis nicht in das ehemalige Parkhaus des Herkules ziehen will, sondern einen Neubau bevorzugt – wo auch immer, der dann stehen könnte. Wenn Stadt und Kreis zusammen neu bauen würden, wäre das wohl auch für mögliche Fördermittel vorteilhaft.

Dieses Geld könnten alle Beteiligten gut gebrauchen, denn im Kreishaushalt klafft ein großes Finanzloch und auch in Bad Hersfeld sind keine großen Sprünge möglich, wie die eher bescheidenen Wünsche der einzelnen Parteien für die Haushaltsverhandlungen deutlich gemacht haben. Trotz knapper Kassen herrscht aber in Bad Hersfeld Aufbruchstimmung – und das ist auch gut so.

Eine besondere Anerkennung hat Markus Heide als agiler Mitarbeiter der Bad Hersfelder Stadtverwaltung jetzt erfahren. Er wurde zum „32. Internationalen Citymanagement & Stadtmarketingkongress“ im März in München eingeladen und soll dort über die Erfahrungen aus Bad Hersfeld berichten. Die Ausrichter interessieren sich als positives Beispiel aus der Praxis für das Format „Tour der Kultur“, das Markus Heide gemeinsam mit vielen anderen Kulturschaffenden in der Festspielstadt zu einem attraktiven Veranstaltungsrahmen zusammengefügt hat, der zur qualitativen Belebung der Innenstadt beiträgt. Tue Gutes und werde dazu befragt – schön, dass die erfolgreiche Arbeit auch von weit außerhalb in der Stadtmarketingszene wahrgenommen wird. Darauf kann man ruhig mal einen Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt trinken.

Von Kai A. Struthoff

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