1. Hersfelder Zeitung
  2. Bad Hersfeld

Zwischen den Zeilen: Bürgermeister als Chauffeure für Senioren?

Erstellt:

Von: Christine Zacharias

Kommentare

Christine Zacharias, Redakteurin Hersfelder Zeitung
Christine Zacharias, Redakteurin Hersfelder Zeitung © Nadine Maaz

Um falsche Informationen, vermeintliche Maskenverweigerer und Knatsch in der Hersfelder Stadtpolitik geht es in der aktuellen Wochenendkolumne von Christine Zacharias.

Selten ist in den vergangenen Jahren etwas so sehnlich erwartet worden, wie der Start der Impfungen gegen das Coronavirus. Selten ist aber auch mit etwas an sich Positivem so viel Ärger ausgelöst und Vertrauen verspielt worden. Auch in vielen Gemeindeverwaltungen im Kreis Hersfeld-Rotenburg war man richtig sauer. Denn mit dem Schreiben, das die Senioren über den Beginn der Impfungen in den Impfzentren in Kenntnis setzte, bekamen sie auch die Information, dass sie sich an ihre Gemeinde wenden sollten, wenn sie keine Gelegenheit hätten, zum nächsten Impfzentrum zu kommen.

Das löste natürlich eine Flut von Anfragen in den völlig überraschten Verwaltungen aus. Die Gemeinde als Transportunternehmen? Fast überall mussten die Bürgerbusangebote eingestellt werden, weil auch die ehrenamtlichen Fahrer zur Risikogruppe gehören. Sollen jetzt die Bürgermeister selbst ran und die Senioren nach Fulda und später nach Rotenburg kutschieren? Die Verunsicherung bei den betagten Anrufern und den zusätzlichen Stress in den Verwaltungen hätte man sich wirklich sparen können.

Sehr gut verzichten können Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen keine Masken tragen dürfen, auf die Kommentare ihrer Mitmenschen, die sie – oft mit erheblicher Schärfe – auf die Maskenpflicht aufmerksam machen oder sie gar nicht bedienen. Es sei ermüdend, immer wieder auf sein ärztliches Attest zu verweisen, beklagte einer unserer Leser. Besonders empörend fand er, dass er noch nicht einmal in seiner Gemeindeverwaltung angehört wurde, als er dort seinen Ausweis abholen wollte. Wie ein Verbrecher kam er sich vor. Natürlich ist das ein Dilemma. Niemandem ist anzusehen, ob er ein Maskenverweigerer ist oder wegen gesundheitlicher Probleme ein Attest des Arztes hat. Und das Attest um den Hals oder einen grünen Punkt auf der Stirn zu tragen ist auch keine Lösung. Wie meistens hilft es, freundlich und sachlich zu bleiben. Aber das fällt beiden Seiten oft schwer.

Kurz vor der Kommunalwahl wird auch im Magistrat der Kreisstadt mit immer härteren Bandagen gekämpft. Jetzt will das Gremium sogar die Kommunalaufsicht einschalten, um das Verhalten von Bürgermeister Thomas Fehling überprüfen zu lassen. Dem Vernehmen nach geht es um eine Sitzung des Magistrats kurz vor Weihnachten, bei der zwei Stadträte fehlten, einer davon wegen Krankheit. Von ihm verlangte Fehling nun offenbar eine Krankschreibung als Beweis für die Abwesenheit. Das ist zumindest ungewöhnlich, zumal die Magistratsmitglieder ja alle ehrenamtlich tätig sind. Deshalb wurde Fehlings Agieren mehrheitlich missbilligt, so hören wir. Die Kommunalaufsicht soll nun prüfen, ob womöglich gar ein Verstoß gegen die HGO oder die guten Sitten vorliegt.

Auch interessant

Kommentare